Überraschender Biorhythmus Goldhamster sind eigentlich tagaktiv

Nachts im Laufrad tobend - so kennen Haustierfreunde ihre Goldhamster. Eigentlich ein völlig unnatürliches Verhalten, sagen Wissenschaftler nun. In freier Natur nämlich sind die Tiere am Tag aktiv.


Goldhamster gelten als nachtaktive Tiere und bringen so manchen Tierfreund um den Schlaf. In freier Natur aber verhalten sich Goldhamsterweibchen ganz anders: sie sind überraschenderweise tagaktiv. Das haben Forscher um (den mittlerweile verstorbenen) Rolf Gattermann von der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg und Elsbeth McPhee von der Cornell University in Ithaca beobachtet. Der Tagesrhythmus werde bei den Nagetieren auf komplexe Weise durch Umwelteinflüsse reguliert, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Biology Letters". Sie stellen daher infrage, ob die unter Laborbedingungen dokumentierten Nachtrhythmen im natürlichen Lebensraum überhaupt auftreten.

Goldhamster: Größte Aktivität von 6.00 bis 8.00 Uhr
DPA

Goldhamster: Größte Aktivität von 6.00 bis 8.00 Uhr

Bei der Feldstudie in der Türkei hatten die Forscher in den Jahren 2005 und 2006 im Süden des Landes zwölf Weibchen bis zu 28 Tage lang beobachtet. Bei ihren Studien überwachten sie die Aktivität der Goldhamster mit unter die Haut implantierten Transpondern. Die Tiere waren ausschließlich während der Tageslichtstunden aktiv, wobei die größte Aktivität von 6.00 bis 8.00 Uhr und von 16.00 bis 19.30 Uhr auftrat, beobachteten die Wissenschaftler.

Während dieser aktiven Phasen waren die Tiere vor allem auf Nahrungssuche. In der dazwischenliegenden Mittagszeit wie auch in der Nacht fand fast keine Aktivität statt. Die Forscher vermuten, dass die Tiere diese Strategie anwenden, um nachtaktive Fressfeinde sowie hohe Temperaturen zur Mittagszeit zu vermeiden. Der Tagesrhythmus der freilebenden Goldhamster unterscheidet sich somit stark von dem der Labortiere, die zu 80 Prozent in der Nacht aktiv sind. Die Beobachtungen untermauerten zudem, dass das Verhalten von Tieren im Labor von den Gewohnheiten in freier Wildbahn abweichen kann. Die Forscher schlagen daher vor, Versuchstiere auch unter natürlichen Bedingungen zu untersuchen.

Die meisten Tiere sind über einen Zeitraum von 24 Stunden periodisch aktiv, wobei die Aktivität mit dem Tageslichtzyklus zusammenhängt. Gesteuert wird dieser Rhythmus durch ein Zusammenspiel biochemischer und neuronaler Vorgänge und durch Einflüsse der Umwelt. Bei der Erforschung dieser Zyklen von Säugetieren wird oft der Goldhamster als Modellorganismus verwendet, da sein Rhythmus sehr konstant ist.

lub/ddp/dpa



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