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Landgewinnung im Pazifik: Inseln gewinnen an Fläche

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Überraschendes Forschungsergebnis Pazifikinseln werden trotz Meeresspiegel-Anstieg größer

Wegen des Klimawandels steigt weltweit der Meeresspiegel, viele Inseln drohten deshalb unterzugehen, warnen Forscher. Ein Vergleich von Luftaufnahmen im Pazifik kann diese Ängste teilweise entkräften: Obwohl das Wasser steigt, gewinnen die Inseln an Fläche - dank der Korallen.

Hamburg - Der Meeresspiegel steigt, weshalb Klimaforscher seit langem vor dem Untergang von Inseln und Küstengebieten warnen. Auf der Uno-Klimakonferenz barmten Delegierte, für Inselstaaten gehe es "ums nackte Überleben".

Zuvor hatte die Regierung der Malediven mit einer spektakulären Unterwassersitzung auf die Gefahren des Klimawandels hingewiesen.

Doch den anschwellenden Fluten zum Trotz: Zahlreiche Pazifikinseln sind in den vergangenen 60 Jahren gewachsen, wie Forscher jetzt im Fachblatt "Global and Planetary Change"  berichten.

Paul Kench von der University of Auckland und Arthur Webb von der Geowissenschaftskommission auf den Fidschi-Inseln haben historische Luftaufnahmen aus den fünfziger Jahren und Satellitenbilder von 27 Inseln im Pazifik verglichen. Das Ergebnis: Nur vier Inseln sind kleiner geworden. 23 blieben gleich groß oder legten gar an Umfang zu.

In dem besonders gefährdeten Pazifikstaat Tuvalu, der nirgends mehr als fünf Meter über dem Meeresspiegel liegt, sind sieben von neun Atollen größer geworden. Eines davon hat um 30 Prozent an Fläche zugelegt - obwohl der Meeresspiegel im gleichen Zeitraum um etwa 120 Millimeter angestiegen ist.

"Die Inseln versinken nicht"

Die Ursache seien vor allem Korallentrümmer, die von den umliegenden Riffen angespült werden - sie bilden das Fundament vieler Inseln im Pazifik. So wachsen zwar die Küsten der Inseln, das besiedelte Inland allerdings nicht. Die Korallen leben nahe der Wasseroberfläche, sie halten mit dem Anstieg des Pegels Schritt und wachsen stetig in die Höhe. "Atolle bestehen aus einst lebendem Material, deshalb wachsen sie beständig", erläutert Webb im Magazin "New Scientist". 

Besonders rasant verlief das Wachstum im Inselreich Tuvalu nach dem Hurrikan "Bebe" von 1992. Der Wirbelsturm trieb 140 Hektar Sediment heran. Manche Insel sei dadurch um zehn Prozent größer geworden, berichtet Webb.

Zwar repräsentierten die 27 untersuchten Inseln nur einen winzigen Teil von Tausenden Pazifikinseln, betont Kench. Aber die Studie zeige, dass der steigende Meeresspiegel solche Inseln nicht automatisch bedrohe. "Man glaubte immer, dass der Meeresspiegel steigt und die Inseln dort versinken", sagt Webb. "Das tun sie aber nicht. Der Meeresspiegel steigt, und die Inseln reagieren darauf."

Ob die Eilande auch künftig dem Klimawandel trotzen, erscheint dennoch ungewiss. Beschleunige sich der Meeresspiegelanstieg, könnte das Wachstum der Inseln womöglich nicht mehr mithalten, befürchten die Forscher.

boj/dpa