Überraschung Weichteile eines Tyrannosaurus rex entdeckt

Zum Klonen à la "Jurassic Park" reicht es noch nicht - doch ein neuer Fund erlaubt tiefe Einblicke ins Innenleben des Tyrannosaurus rex: In einem Oberschenkelknochen sind Forscher auf elastisches Gewebe und sogar auf Blutgefäße des gefräßigen Giganten gestoßen.


Modell eines Tyrannosaurus rex im Londoner Natural History Museum: Forscher finden Weichteile in Skelett
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Modell eines Tyrannosaurus rex im Londoner Natural History Museum: Forscher finden Weichteile in Skelett

Die Weichteile eines Sauriers - für Paläontologen sind sie die großen Unbekannten. Denn wenn Saurierforscher graben, ziehen sie in der Regel die Überreste von Knochen und Zähnen aus der Erde. Nur die harten Bestandteile eines Tieres werden versteinert und überstehen so die Jahrmillionen.

Ganz selten stoßen die Forscher auch auf die Überreste von Weichteilen. Allerdings: Sobald dieses Gewebe einige Millionen Jahre alt ist, lässt sich seine Form und Zusammensetzung meist nicht mehr rekonstruieren.

Um so überraschender ist der Stoff, den amerikanische Forscher nun in den Knochen eines rund 70 Millionen Jahre alten Tyrannosaurus rex entdeckt haben: Wie die Paläontologen im Fachmagazin "Science" berichten, sind sie erstmals auf Blutgefäße und Zellen des gefürchteten Fleischfressers gestoßen.

Ausgegraben wurde das Skelett des Raubtiers bereits 2003 im US-Bundesstaat Montana. Doch erst als sich Mary Schweitzer von der North Carolina State University den Oberschenkelknochen des Giganten näher anschaute, fielen der Forscherin ungewöhnliche Strukturen auf - ausgerechnet in den Hohlräumen, in denen einmal das Knochenmark des Sauriers saß.

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Unterm Mikroskop: Sauriergewebe

Mit einer schwachen Säure lösten die Paläontologen die versteinerten Anteile im Knochen auf, und zurück blieben weiches Gewebe und transparente Blutgefäße. "Ich war völlig überrascht", sagt Schweitzer in "Science", "und konnte es erst glauben, nachdem wir es 17-mal versucht hatten." Selbst nach fast 70 Millionen Jahren war das Gewebe noch flexibel und dehnbar.

Viele Blutgefäße enthielten zudem rote und braune Strukturen - ähnlich den Zellen heutiger Straußenvögel. In diesen Zellen wiederum waren kleinere Objekte auszumachen, vermutlich die Zellkerne. Die Forscher entdeckten auch so genannte Osteozyten - Zellen, die für den mineralischen Aufbau der Knochen verantwortlich sind.

DNS-Test für Saurier?

Sollten die Knochen tatsächlich intakte Saurierzellen enthalten, eröffnen sich den Forschern ungeahnte Möglichkeiten. Beispielsweise könnte mit Hilfe der uralten Proteine überprüft werden, wie es um das Verwandtschaftsverhältnis der Saurier mit heute lebenden Tieren bestellt ist.

Lawrence Witmer, ein Paläontologe an der Ohio University, geht sogar noch einen Schritt weiter. "Wenn wir nicht versteinertes Gewebe haben, können wir daraus womöglich DNS extrahieren", so Witmer gegenüber "Science". "Und das wird dann richtig spannend."

Allerdings müsste dazu das Erbgut all die Jahre unverändert konserviert worden sein - am besten bei trockenen Bedingungen und Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes. Eine Tatsache, die für viele Paläontologen höchst unwahrscheinlich ist. So sind zuletzt zwar Zellen in 225 Millionen Jahre altem Bernstein entdeckt worden. Deren Kerne aber waren durch Harz ersetzt und somit für die Wissenschaft - und erst recht für irgendwelche Klon-Experimente - völlig unbrauchbar.



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