Umstrittene Sorte Genkartoffel Amflora darf in Europa angebaut werden

Die umstrittene Genkartoffelsorte Amflora darf in der Europäischen Union angebaut werden. Das hat die EU-Kommission entschieden. Zum Einsatz kommen darf die Knolle eigentlich nur für industrielle Zwecke, doch Nebenprodukte sind auch als Tierfutter zulässig.

Aussaat von Amflora-Kartoffeln (im Mai 2009): "Skandalöse Verschmutzungslizenz"
ddp

Aussaat von Amflora-Kartoffeln (im Mai 2009): "Skandalöse Verschmutzungslizenz"


Brüssel - In Deutschland ist die von BASF entwickelte Kartoffelsorte Amflora bereits im Rahmen eines Freilandversuchs in Mecklenburg-Vorpommern angepflanzt worden. Sie soll besonders viel Stärke für den industriellen Einsatz liefern, zum Beispiel für die Papier-, Garn- und Klebstofffertigung. Das Problem für Kritiker: Die genetischen Modifikationen der Pflanze könnten aus ihrer Sicht Gefahren für die Natur bergen.

Das Zulassungsverfahren für Amflora läuft seit 1996. Den Feldversuch hatte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) Ende April 2009 erlaubt. Nun hat die EU-Kommission den Anbau der umstrittenen Genkartoffel generell genehmigt. EU-Verbraucherschutzkommissar John Dalli erklärte, die gentechnisch veränderte Kartoffel mache es möglich, bei der Produktion von Industriestärke Energie und Wasser zu sparen.

Die EU-Kommission konnte über die Zulassung der Kartoffel allein entscheiden, weil sich die EU-Landwirtschaftsminister in dieser Frage nicht einig wurden. Besonders umstritten war die Zulassung der Kartoffelreste als Viehfutter. Auch das ist nun erlaubt.

Die von Amflora gebildete Amylopektinstärke wird zum Beispiel für die Beschichtung von Papier verwendet. Herkömmliche Kartoffeln produzieren nach Angaben von BASF ein Stärkegemisch aus Amylopektin und Amylose. Dieses Gemisch müsse für die Herstellung von Industriestärke mühsam aufgespalten werden. "Amflora wird die Position der europäischen Kartoffelstärke-Industrie im internationalen Vergleich stärken", erklärte die Herstellerfirma BASF. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA habe wiederholt bestätigt, dass die Kartoffel sicher für Mensch, Tier und Umwelt sei, erklärte die Firma.

Umweltschützer kritisieren "politischen Kniefall vor der BASF"

Grüne und Umweltschützer regierten hingegen empört auf die Brüsseler Entscheidung - vor allem, weil gleichzeitig auch drei Genmais-Sorten des US-Konzerns Monsanto als Lebens- und Futtermittel zugelassen wurden. Das brüskiere "die gentechnik-kritische Öffentlichkeit", erklärte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ulrike Höfken. Die Kartoffel erhalte eine "skandalöse Verschmutzungslizenz".

Der Bund für Umwelt und Naturschutz hält die Übertragung eines in der Stärkekartoffel enthaltenen Resistenz-Gens auf Bakterien des Magen-Darm-Trakts nicht für ausgeschlossen. Die Zulassung sei "ein politischer Kniefall vor der BASF", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. "Vor den Risiken schließen sowohl die gentechnikverliebte Bundeskanzlerin als auch Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) die Augen", erklärte der Verband.

Gentechnik-Experte Martin Hofstetter von Greenpeacesagte, es sei schockierend, dass die neue Kommission die erheblichen ökologischen und gesundheitlichen Risiken der umstrittenen Genkartoffel ignoriere. Er warf der Kommission vor, mit der ersten Zulassung einer genmanipulierten Pflanze seit 1998 offensichtlich einen Pro-Gentechnikkurs einzuleiten. Hofstetter forderte Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner auf, den Anbau der Genkartoffel in Deutschland sofort zu stoppen.

Allerdings legt der schwarz-gelbe Koalitionsvertrag klar fest: "Der Anbau der gentechnisch veränderten Stärkekartoffel Amflora für eine kommerzielle, industrielle Verwertung wird unterstützt."

chs/Reuters/apn/AFP/dpa



insgesamt 95 Beiträge
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firefly 02.03.2010
1. Zu viel Gene?
Im ganzen Artikel findet man nicht einen Satz warum diese Kartoffel jetzt eine Gefahr sein sollte.
Sneaky Pie 02.03.2010
2. Was passiert, wenn veränderte Gene überspringen?
Das ist nur mal ein Beispiel, das dagegen spricht. Nur mal eine weitere Frage: Wie wirkt sich die Gen Veränderung auf Organismen aus, die damit in Kontakt kommen (bei Masttieren über Futter, bei Insekten direkter Kontakt, bei Menschen über das Fressen von Masttieren)? So etwas kann bisher kein Hersteller beantworten. Warum wohl wurde z.B. in Kanada seit der ersten Zulassung von vier Gentechnisch veränderten Pflanzen keine weiteren mehr zugelassen? Nett ist dort auch Monsanto ./. Schmeisser
recardo, 02.03.2010
3. BASF-Kartoffel
Zitat von sysopDie umstrittene Genkartoffelsorte Amflora darf in der Europäischen Union angebaut werden. Das hat die EU-Kommission entschieden. Zum Einsatz kommen darf die Knolle eigentlich nur für industrielle Zwecke, doch Nebenprodukte sind auch als Tierfutter zulässig. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,681294,00.html
Tja, Schmiergelder wollen gut investiert sein, könnte man bei der BASF und ihrer Industriekartoffel wohl sagen. Da muß sich niemand wundern, daß die Parteien ein solches Monstrum an Pflanze auf die Felder bringen, die gleichzeitig auch am bestechlichsten immer wieder von sich reden machen. Gut, das mit den christlichen Werten ist in einer käuflichen Partei auch nicht weit her, wie die Aigner(CSU) beweißt, denn mit der Bewahrung der Schöpfung hat die BASF-Kartoffel nichts zu tun, auch soll sie nicht Ernährungsprobleme lösen helfen. Nein, diese Ausgeburt eines Chemiekonzerns soll irgendwelche Produktionsprozesse erleichtern, ob die das wirklich tut sei mal dahingestellt. Merkwürdig ist zudem, daß Parteien die, angeblich oder tatsächlich, nicht von Unternehmen in dem Maße gesponsert werden, die Dinge anders sehen, als die bezahlten Parteien.
firefly 02.03.2010
4. klassisch?
Zitat von Sneaky PieDas ist nur mal ein Beispiel, das dagegen spricht. Nur mal eine weitere Frage: Wie wirkt sich die Gen Veränderung auf Organismen aus, die damit in Kontakt kommen (bei Masttieren über Futter, bei Insekten direkter Kontakt, bei Menschen über das Fressen von Masttieren)? So etwas kann bisher kein Hersteller beantworten. Warum wohl wurde z.B. in Kanada seit der ersten Zulassung von vier Gentechnisch veränderten Pflanzen keine weiteren mehr zugelassen? Nett ist dort auch Monsanto ./. Schmeisser
Das ist bei klassischer Züchtung doch viel schlimmer, da entstehen doch viel mehr neue bzw. veränderte Gene. Wie wirken sich da die veränderten Gene auf die Umwelt bzw. Mensch aus? Bei Amflora wird ja sogar nur ein Gen ausgeschaltet.
Patriot Act 02.03.2010
5. Schöne neue (Gen)-Welt
Die EFSA teilt uns mit das die Kartoffel sicher sei. Wow! Wahrscheinlich hat die BASF der EFSA mitgeteilt das die Kartoffel sicher ist. Genau wie Monsanto der FDA mitteilt das ihre transgenen Pflanzen sicher sind. Das reicht heutzutage aus, ohne einen einzigen Fütterungsversuch, um uns zu Teilnehmer in einem globalen Versuch zu machen. Vor 10 Jahren waren die Wissenschaftler der Meinung das der horizontale Gentransfer theoretisch möglich, aber praktisch unmöglich sei! Tja, die Realtiät aber zeigt das Versuchstiere schon beim einmaligen Verzehr die Gensequenzen in ihren Genpool einbauen. Einmal ausgesetzt wird ein unkontrolliertes Verbreiten in der freien Natur nicht mehr aufzuhalten sein. Folgendes ist von http://therealstories.wordpress.com/genfood/ zitiert. Dort gibt es weitere interessante Links. Neuste Studien lassen böses erahnen: Russische Wissenschaftler fütterten eine Testgruppe von Ratten mit genmanipulierten Sojabohnen. Das erschreckende Ergebnis: Innerhalb von nur 3 Wochen nach der Geburt starben 55% (!) der Ratten! Die Sterberate in der Kontrollgruppe lag dagegen bei nur 9%. Versuche mit britischen Ratten, die mit Genmais gefüttert wurden zeigten, dass die Blutwerte der Ratten dramatisch abstürzten. Bei mit Roundup-Ready-Sojabohnen (genmanipuliert) gefütterten Mäusen traten nach 120 Tagen folgende Schäden auf: dichtgepackte und vergrößerte Zellkerne der Leber, das Vorstadium von Krebs! Da – entgegen bisherigen Erwartungen – Bruchstücke der Nahrungs- mittelgene in die Blutlaufbahn und somit auch in die Organe gelangen, kann beim Menschen die eigene DNA stark geschädigt werden! Das könnte zu dramatischen Funktionsstörungen von Zellen und Organen führen. Monsanto ist ein US-Konzern, der sich auf genmanipuliertes Saatgut spezialisiert hat. Er macht jährlich einen Umsatz von ca. 1 Milliarden US-Dollar. Doch das ist dem Konzern offensichtlich nicht genug! Insider und Exmitarbeiter bestätigen einen Plan, mit dem Monsanto eine Abhängigkeit der Landwirte vom Konzern schaffen möchte, sodass Monsanto seine Haupteinnahmequelle für immer sichern würde. Doch noch viel schlimmer ist der Versucht, ein Patent auf Lebensmittel zu erreichen, also die MACHT über unsere Nahrung zu bekommen!Damit hätte der Konzern die absolute Kontrolle über die Menschen. Denn wer die Nahrungsversorgung kontrolliert, kontrolliert auch die Menschen! Dieser Plan und die Gefahren der Gentechnik kommen nach und nach an die Öffentlichkeit. Das gefällt den Industrie-Giganten der Gen-Technik natürlich nicht. Die Risiken werden verschwiegen, Skeptiker aus den eigenen Reihen mundtot gemacht! Denn ein so großer Imageschaden würde Verluste in Milliardenhöhe bedeuten… Nach neusten Informationen beschränkt sich Monsanto aber nicht nur auf die eigenen Mitarbeiter, sondern geht sogar noch viel weiter: sogar Politiker aus Deutschland werden bestochen. http://www.gentechnikfreies-europa.org/ http://aoeg.itaasa.ws/index_fs.php?seite=1&menueid=5
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