Ernährung und Klima Umweltbundesamt fordert Halbierung des Fleischkonsums

Im vergangenen Jahr haben die Menschen in Deutschland öfter auf Fleisch verzichtet. Doch das reicht nicht, betont der Präsident des Umweltbundesamtes und dringt auf eine sehr deutliche Reduktion.
Halbierte Schweine in einem Schlachthof in Niedersachsen

Halbierte Schweine in einem Schlachthof in Niedersachsen

Foto: Mohssen Assanimoghaddam / dpa

Um umweltschädliche Massentierhaltung zu reduzieren, dringt das Umweltbundesamt (UBA) auf eine Halbierung des Fleischkonsums in Deutschland.

Klimakrise

Lesen Sie mehr über die neuesten Entwicklungen, Hintergründe und spannenden Lösungsansätze in unserem Themenspezial.

Alle Artikel

»Wir müssen die Massentierhaltung reduzieren, damit die zu hohen Stickstoffeinträge sinken und Böden, Wasser, Biodiversität und menschliche Gesundheit weniger belastet werden«, sagte UBA-Präsident Dirk Messner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Dafür müssen wir uns ehrlich machen und über den zu hohen Fleischkonsum reden.«

Weniger, dafür besseres Fleisch

Weniger Fleisch würde der Gesundheit und der Umwelt sehr guttun, betonte Messner.

Schon jetzt werde in Deutschland etwas weniger Fleisch gegessen. »Aber wenn wir wirkungsvoll etwas ändern und uns an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation halten wollen, dann wäre eine Halbierung des Fleischkonsums in Deutschland das Ziel«, sagte der UBA-Chef. »Das würde die Massentierhaltung reduzieren und hätte vielfältige positive Umweltwirkungen.«

Wer weniger Fleisch esse, dafür aber qualitativ besseres, könne das auch »im Geldbeutel ausbalancieren«, sagte Messner weiter. Auch Landwirte würden dann besser bezahlt. Klimaschutz und Gerechtigkeitsfragen müssten zusammengebracht werden.

»Wenn wir nichts tun, unser Ernährungs- und Konsumverhalten nicht verändern, wird es dramatische und sehr teure Klimafolgen geben, unter denen einkommensschwächere Haushalte oft viel stärker leiden«, so der Fachmann.

2020 so wenig Fleisch gegessen wie lange nicht mehr

In Deutschland wurde 2020 so wenig Fleisch gegessen wie seit mindestens 30 Jahren nicht mehr. Laut den vorläufigen Angaben  der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung entfielen auf jede Person im Schnitt zuletzt 57,3 Kilogramm. So niedrig war der Wert noch nie seit Beginn der Berechnung des Verzehrs im Jahr 1989. Im Vergleich zu 2019 aß jede Person im Schnitt 750 Gramm weniger Fleisch.

Vor allem der Konsum von Schweinefleisch ging stark zurück – im Schnitt um 940 Gramm pro Kopf. Bei Rind und Kalb waren es 40 Gramm weniger als 2019. Der Verzehr von Geflügelfleisch nahm dagegen um 180 Gramm zu. Zu den Gründen für den sinkenden Fleischkonsum machte die Behörde am Montag zunächst keine Angaben.

jme/AFP