Umweltdreck Die zehn schmutzigsten Orte der Welt

Blei, Cadmium, Quecksilber, dreckige Luft und Radioaktivität: Mancherorts macht der Mensch die Erde zur Hölle - und sich selbst krank. Jetzt haben Umweltschützer die Top Ten der dreckigsten Orte des Planeten erstellt.

Die Bilder zeigen die Hölle - eine Hölle, die von Menschen gemacht ist. Linfen, Haina, Ranipet und sieben andere bilden die apokalyptisch anmutende Galerie der "zehn am schlimmsten verschmutzten Orte der Erde". Diese Bezeichnung ist zumindest plakativ, wenn nicht gar willkürlich. Doch sie gibt einem weltweiten Problem ein konkretes Antlitz. Die US-Umweltschutzorganisation Blacksmith Institute hat aus 300 Kandidaten 35 hochverschmutzte Orte ausgewählt - die Zehnerliste soll repräsentativ das Grauen zeigen, das in diesen Brennpunkten der Umweltverschmutzung herrscht.

"Ein Schlüsselkriterium für die Auswahl war die Art der Schadstoffe", sagte Richard Fuller, Direktor des Instituts. "Schwermetalle sind die größten Übeltäter, zum Beispiel Blei, Chrom und Quecksilber, aber auch hartnäckige organische Substanzen." Die tatsächlichen Schuldigen, das zeigt jedes der zehn Beispiele, sind jedoch die Menschen. Jeder Ort wurde verseucht - durch industrielle Ausbeutung, gewissenlose Abfallentsorgung, verheerende Unfälle.

So ist es keine Überraschung, dass das ukrainische Tschernobyl in der Galerie des Schreckens auftaucht - ebenso wie drei russische Städte. In der Dominikanischen Republik führte ungeschütztes Batterierecycling zu einer schweren Bleivergiftung bei zahlreichen Menschen - beispielhaft für viele Orte der Dritten Welt. Die chinesische Stadt Linfen repräsentiert das Problem exzessiver Luftverschmutzung.

Die "World's 10 worst-polluted places" sind nach Auswahl des Blacksmith Institute :

• Tschernobyl, Ukraine

• Dserschinsk, Russland

• Bajos de Haina, Dominikanische Republik

• Kabwe, Sambia

• La Oroya, Peru

• Linfen, China

• Mailuu-Suu, Kirgisien

• Norilsk, Russland

• Ranipet, Indien

• Dalnegorsk und Rudnaja Pristan, Russland

"Es gibt Städte, in denen die Lebenserwartung mittelalterliches Niveau erreicht, wo Geburtsdefekte der Normfall sind", steht in einer begleitenden Studie, die auch im Internet abrufbar ist. Erst kürzlich hatte die Uno berichtet, dass die Umweltverschmutzung 13 Millionen Menschen im Jahr tötet.

Die weltweite Umweltverschmutzung mache bis zu einer Milliarde Menschen krank und sei in Entwicklungsländern für bis zu 20 Prozent der Todesfälle verantwortlich, sagte Blacksmith-Direktor Fuller. In den aufgelisteten Orten seien Boden, Luft und Wasser derart verseucht, dass die Bewohner einem hohen Risiko ausgesetzt seien, Krebs oder schwere Lungeninfektionen zu bekommen oder geistig behinderte Kinder zu gebären.

Wissenschaftliche Unterstützung erhielt das Blacksmith Institute - das selbst auf die Altlasten-Entsorgung in Entwicklungsländern spezialisiert ist - von Forschern der Johns Hopkins University, dem Mount Sinai Medical Center und der City University in New York. Weil aus einigen Entwicklungsländern keine ausreichenden Gesundheitsdaten vorliegen, hat das Blacksmith Institute auf eine Rangordnung innerhalb der Gruppe verzichtet.

fba/stx/rtr

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