Langzeituntersuchung Schadstoffbelastung der Nordsee hat abgenommen

Verbote von Umweltgiften sind ein wirksames Mittel, um Gewässer sauberer zu machen. Das folgern Wissenschaftler aus der Analyse von Sedimenten in der Nordsee.
Nordseestrand bei Sylt

Nordseestrand bei Sylt

Foto: Axel Heimken / picture alliance / dpa

Gute Nachricht für den Gewässerschutz: Laut Daten des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) ist die Schadstoffbelastung der Nordsee in den vergangenen vier Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Die Behörde mit Sitz in Hamburg wertet dies als Beleg dafür, dass gesetzliche Verbote von Schadstoffen und die Überwachung der Einhaltung der Gesetze wirksam seien, wie es in einer Mitteilung vom Dienstag  heißt. Für ein Forschungsprojekt hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des BSH, des Helmholtz-Zentrums Hereon sowie der Hochschulen HAW Hamburg und RWTH Aachen 90 verschiedene anorganische und organische Schadstoffe in Sedimentkernen aus der Nordsee bestimmt.

»Anhand der Proben konnten in den Sedimentschichten der vergangenen rund hundert Jahre mehrere Belastungshöhepunkte mit hohen Konzentrationen unterschiedlicher Schadstoffe nachgewiesen werden.« Dazu gehöre auch die als PCB bekannte Gruppe der Polychlorierten Biphenyle. Das sind giftige organische Chlorverbindungen, die unter anderem als Weichmacher in Lacken und Dichtungsmassen von 1929 bis zum Verbot der Nutzung in offenen Anlagen 1979 verwendet wurden. »Die Belastung des Sedimentes mit PCB ist in dem Zeitraum kurz vor dem Verbot am höchsten.«

Die Forscher berichten, dass die Sedimentkerne ein natürliches Archiv seien, das als wertvolle Datenquelle diene, um historische Emissionstrends zu rekonstruieren und Wirksamkeit der sich ändernden Umweltgesetzgebung zu überprüfen. Untersucht wurden vor allem Bodenablagerungen im Skagerrak nördlich von Dänemark.

»Bestimmte Schadstoffe lagern sich überwiegend an Schwebstoffen an und werden mit ihnen über große Strecken transportiert«, berichtete das BSH. »Aufgrund der natürlichen geologischen Gegebenheiten im Skagerrak lagern sich dort die Schwebstoffe als Sediment ab.« Eingetragen werden die Schadstoffe dem BSH zufolge vorwiegend über Flüsse und über die Luft.

Die Forschungsbefunde zeigen laut Behörde allerdings auch den Eintrag neuer Substanzen, die der Meeresumwelt schaden. »Oftmals reichen kleinste Veränderungen der chemischen Zusammensetzung von verbotenen Substanzen aus, um sie aus der Liste verbotener Stoffe herauszunehmen«, so das BSH. Bis zu einem Verbot neuer schädlicher Substanzen vergingen aber oft sehr viele Jahre.

joe/dpa
Mehr lesen über