Hochrechnung In den Meeren schwimmen 5.250.000.000.000 Plastikteilchen

Fünf Jahre lang haben Forscher weltweit Plastik aus den Meeren gefischt. Ihre Hochrechnung zeigt: 269.000 Tonnen Abfall treiben in den Ozeanen - große Mengen finden sich in Tieren.
Skulptur in Sydney: Plastikmüll als weltweites Problem

Skulptur in Sydney: Plastikmüll als weltweites Problem

Foto: Dean Lewins/ dpa

Würde man alle Plastikabfälle aus dem Meer fischen, könnte man damit 38.500 Lastwagen füllen. 269.000 Tonnen Plastik schwimmen weltweit in den Ozeanen, haben Forscher errechnet.

Die Zahlen übertreffen andere Schätzungen aus diesem Jahr bei Weitem: Die auf der Wasseroberfläche treibende Abfallmenge liege wohl zwischen 7000 und 35.000 Tonnen, schrieben andere Wissenschaftler im Sommer im Wissenschaftsblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences". Sie hatten Tausende Wasserproben auf Gewässern weltweit entnommen.

Die vergleichsweise niedrigen Zahlen hatten überrascht. Dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) zufolge könnten sich sogar in Meeren schon 142 Millionen Tonnen Plastikabfall angesammelt haben.

Sie sinken ab

Die Unterschiede der Abschätzungen erklären sich womöglich damit, dass vorsichtigere Schätzungen sich auf den Müll an der Oberfläche beziehen. Doch die Plastikflaschen, Tüten und sonstigen Plastikabfälle zerfallen und sinken ab.

Für die neue Studie, die im Wissenschaftsmagazin "PLOS one" veröffentlicht wurde , fischten die Wissenschaftler zwischen 2007 und 2013 bei insgesamt 24 Expeditionen Plastikteilchen aus dem Meer vor der australischen Küste, im Mittelmeer und im Golf von Bengalen. Von den Ergebnissen schlossen sie auf das weltweite Gesamtgewicht der Plastikabfälle.

Die schwersten Plastikbrocken stammten von alten Bojen und Fischernetzen, sagte Studienleiter Marcus Eriksen der "New York Times" . Er forderte ein internationales Programm, das Fischer für eingesammelte Netze belohnen würde. Andere Abfälle, etwa Flaschen, Zahnbürsten und Tüten, ließen sich so aber wohl kaum beseitigen, so Eriksen.

Mikroplastik in Fischen und Langusten

Obwohl die von ihm und seinen Kollegen geschätzten Zahlen höher sind als die der im Sommer veröffentlichten Studie, bestätigten sie doch deren Ergebnis: Auf den Meeren unseres Planeten treibt offenbar weniger Plastikmüll als bislang gedacht.

Gut fünf Billionen Plastikteilchen vermuten die Forscher im Meer. Sie würden von den Strömungen davongetragen. Somit sei das "gesamte Ökosystem der Meere" betroffen und die Partikel könnten letztlich in die Nahrungsmittelkette gelangen, warnen die Forscher. In einigen Nordseefischen und Langusten wurde bereits Mikroplastik entdeckt.

In den Großen Seen Nordamerikas sind die winzigen Kügelchen auch bereits in großen Mengen gefunden worden. Vor zwei Monaten hat Kalifornien als erster US-Bundesstaat Einwegplastiktüten in Supermärkten verboten.

Die Tragetaschen können mehrere Hundert Jahre fortbestehen, oft als schädliche, mikroskopisch kleine Partikel. Neben der Gefahr, dass diese über die Tiere in die Nahrungsmittelkette gelangen, sind Lebewesen auch deshalb gefährdet, weil sie sich in dem Plastikmüll verfangen können. Ein Verbot von Plastiktüten in Deutschland hatte im April vergangenen Jahres der damalige deutsche Umweltminister Peter Altmaier (CDU) abgelehnt.

vet/boj/AFP/AP
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