Renaissance der Kohle Regierungsberater sieht Klimagipfel in Gefahr

Deutschlands führender Klimaökonom warnt vor einem Scheitern des Klimagipfels in Paris. Im SPIEGEL beklagt Ottmar Edenhofer: Die Politik verkündet zwar den langfristigen Ausstieg aus der Kohle - aber genau das Gegenteil passiert.
Ottmar Edenhofer (im April 2014): "Erfolg der Energiewende steht noch aus"

Ottmar Edenhofer (im April 2014): "Erfolg der Energiewende steht noch aus"

Foto: STEFANIE LOOS/ REUTERS

Der Ökonom und Regierungsberater Ottmar Edenhofer sieht dem Klimagipfels Ende des Jahres in Paris skeptisch entgegen. "Leider haben die Politiker die Dringlichkeit des Problems noch nicht verstanden", sagte er in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

"Alle Welt redet derzeit von Dekarbonisierung. Aber was wir in der Realität sehen, ist das genaue Gegenteil: Wir erleben eine Renaissance der Kohle." Weltweit würden derzeit neue Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 1000 Gigawatt geplant. Wenn nur ein Drittel davon ans Netz gehe, lasse sich das Zwei-Grad-Ziel der internationalen Klimapolitik nicht halten, sagt Edenhofer dem SPIEGEL.

Zugleich kritisierte der Wissenschaftler die deutsche Energiewende: "Die CO2-Emissionen stagnieren und sinken nicht wie erhofft. Der langfristige klimapolitische Erfolg der Energiewende steht noch aus."

Auch den sogenannten Kohlekompromiss von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hält Edenhofer für verfehlt. "Die Energiekonzerne sollen dafür eine Entschädigung in Milliardenhöhe bekommen", sagte er dem SPIEGEL. "Das ist nichts anderes als eine neue, verdeckte Subvention der Kohle und damit das Gegenteil von dem, was wir brauchen."

Edenhofer ist Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change in Berlin. Der Wirtschaftswissenschaftler ist einer der Hauptautoren des Weltklimaberichts der Uno und berät die Bundesregierung im Vorfeld der Weltklimakonferenz in Paris.

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