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07. Juni 2012, 10:05 Uhr

Vor "Rio+20"-Gipfel

Uno-Experten warnen vor Öko-Kollaps

Es ist eine Anklage auf 525 Seiten. Zwei Wochen vor dem Gipfel "Rio+20" in Brasilien warnen Experten der Vereinten Nationen eindringlich, dass der internationale Umweltschutz kaum Fortschritte macht.

Rio de Janeiro - Experten der Vereinten Nationen haben der weltweiten Umweltpolitik ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Das Uno-Umweltprogramm (Unep) warnt in seinem neuen Bericht "Geo-5", bei einem Drittel von 90 wichtigen Umweltzielen seien in den vergangenen fünf Jahren keine Fortschritte erzielt worden. Bei 40 gebe es gewisse Verbesserungen.

Deutliche Fortschritte habe es nur in vier Bereichen gegeben. Konkret gebe es

Die schlechten Nachrichten sind dagegen weit zahlreicher, weshalb die Autoren der Studie vor einem Kollaps von Ökosystemen warnen. "Dies ist eine Anklage", sagte der Unep-Chef Achim Steiner auf einer Pressekonferenz in Rio de Janeiro. "Wir leben in einem Zeitalter der Verantwortungslosigkeit, was in diesem Bericht dokumentiert ist." Ein Wandel sei jedoch möglich. Steiner forderte umgehende Maßnahmen, um den Raubbau an der Umwelt zu stoppen.

"Während der menschliche Druck auf die Erde wächst, sind mehrere kritische globale, regionale und lokale Grenzen bereits erreicht oder überschritten", heißt es in dem Bericht. "Wenn sie überschritten sind, kommt es wahrscheinlich zu jähen und möglicherweise unumkehrbaren Veränderungen der lebenserhaltenden Funktionen des Planeten."

Auf 525 Seiten zeichnen die Experten der Organisation ein düsteres Bild von unserem Planeten. So bedrohten unter anderem das Abschmelzen der Polarkappen, die Ausbreitung der Wüsten in Afrika und die Abholzung der Tropenwälder das Leben auf der Erde. Schon jetzt seien 20 Prozent der Wirbeltiere vom Aussterben bedroht, die Korallenriffe seien seit 1980 um 38 Prozent geschrumpft, und die Treibhausgasemissionen könnten sich in den kommenden 50 Jahren verdoppeln.

"Wenn der Trend so weitergeht und die Verhaltensweisen von Produktion und Verbrauch natürlicher Ressourcen nicht umgekehrt werden können, dann werden die Regierungen eine beispiellose Dimension von Schäden und Verlusten erleben", warnte Steiner.

In gut zwei Wochen findet in Brasilien der Uno-Umweltgipfel "Rio+20" statt. Der Name erinnert an den Uno-Erdgipfel aus dem Jahr 1992. Aus diesem Treffen entwickelte sich unter anderem die Klimarahmenkonvention und später das Kyoto-Protokoll sowie die Biodiversitätskonvention.

Bisher konnten sich die Industriestaaten und die Entwicklungsländer allerdings nicht über die Ziele von "Rio+20" einigen. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon räumte ein, die Verhandlungen über ein Abschlussdokument seien schwierig. Er sei jedoch "vorsichtig optimistisch", dass die 193 Uno-Mitglieder sich auf eine Vereinbarung verständigen könnten.

Umweltorganisationen wie der WWF warnten dagegen vor einem Scheitern. Es gebe zwei wahrscheinliche Szenarien, sagte WWF-Generaldirektor Jim Leape dem "Guardian": Entweder verabschiede die Konferenz ein windelweiches und inhaltsloses Dokument - oder sie scheitere ganz.

chs/dapd/dpa

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