Erste Sitzung Neuer Uno-Rat tritt zur Artenrettung an

Der Raubbau des Menschen an der Natur gefährdet Tausende Tier- und Pflanzenarten. Jetzt ist der Weltrat für biologische Vielfalt zur ersten Sitzung zusammengekommen. Er soll ähnlich arbeiten wie der Uno-Klimarat IPCC. Die Frage ist, ob dieses Modell noch zeitgemäß ist.
Ausgetrockneter Fluss (in Spanien, August 2005): Uno-Rat soll Artensterben bremsen

Ausgetrockneter Fluss (in Spanien, August 2005): Uno-Rat soll Artensterben bremsen

Foto: ANTON MERES/ REUTERS

Bonn - Der Mensch bedroht seine Umwelt. Ganze Meeresgebiete sind nahezu leergefischt, Verschmutzung und Klimawandel bedrohen die Lebensräume vieler Tiere. Die Weltnaturschutzunion IUCN hat im vergangen Jahr 64.000 Arten untersucht - und festgestellt, dass fast jede dritte vom Aussterben bedroht ist.

Mit dem neuen Weltrat für biologische Vielfalt soll der anhaltenden Umweltzerstörung nun Einhalt geboten werden. Der Rat traf am Montag in Bonn zu seiner ersten Plenarsitzung auf Uno-Ebene zusammen. Der Erhalt der natürlichen Umwelt sei "eine der drängendsten und schwierigsten Herausforderungen unserer Zeit", sagte Achim Steiner, Direktor des Uno-Umweltprogramms (Unep), zum Auftakt der Veranstaltung. Die sechstägige Konferenz mit mehr als 600 Teilnehmern will vor allem Organisationsfragen wie die Uno-Anbindung klären und auch die Mitglieder für den wissenschaftlichen Ausschuss berufen.

Der im Vorjahr eingesetzte Rat soll den Gefährdungszustand bei Pflanzen- und Tierarten sowie von ökologischen Lebensräumen wie etwa Meeren oder Wäldern erfassen. Zugleich soll er für die Politik Handlungsoptionen und Entscheidungshilfen zum Erhalt formulieren. Damit hat der Weltbiodiversitätsrat IPBES  (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) eine ähnliche Aufgabe wie der Uno-Klimarat IPCC bei der Einschätzung der Erderwärmung: Er soll den Stand der Wissenschaft zusammenfassen und die Politik beraten.

Unep-Direktor Steiner unterstrich zum Auftakt der Konferenz die Bedeutung des IPBES. Es sei notwendig, unabhängige wissenschaftliche Erkenntnisse und Vorschläge bereitzustellen, damit die Politik handeln könne. "Wir brauchen Antworten auf viele Fragen über die komplexe Einwirkung des Menschen und seinen Einfluss auf die biologische Vielfalt und die Ökosysteme." Bisher gebe es keine Modelle, um die komplexe Naturvielfalt und ihre Gefährdung durch den Menschen darzustellen und brauchbare künftige Szenarien zu entwickeln, sagte Steiner. Es müssten bessere Daten und "politikrelevante Informationen" geliefert werden, um die Wirksamkeit von politischen Maßnahmen zu verbessern.

Ist das IPCC-Modell noch zeitgemäß?

Die Frage ist allerdings, ob eine Organisation nach dem Vorbild des IPCC noch zeitgemäß ist. Der internationale Klimaschutz unter dem Dach der Uno gilt als weitgehend gescheitert, die jährlichen Weltklimagipfel produzieren fast keine Ergebnisse. Als Gründe gelten der Zwang der Vereinten Nationen zur Einstimmigkeit und die teils extrem unterschiedlichen Interessen der Staaten. Besonders Schwellenländer wie Indien, China oder Brasilien geben meist der wirtschaftlichen Entwicklung Vorrang vor dem Klimaschutz. Ob es beim Artenschutz anders sein wird, ist offen.

Umweltschützer geben sich dennoch optimistisch, dass der IPBES erfolgreich sein kann. Die Arbeit des Rats müsse dazu führen, Entscheidungen im globalen Naturschutz zu beschleunigen, sagte Günter Mitlacher von der Umweltorganisation WWF Deutschland. Der IPBES könne die Dringlichkeit zum Schutz von Biovielfalt und Ökosystemen und deren "Wert als Lebensgrundlage" deutlich machen.

Die biologische Vielfalt werde "in rasantem Tempo zerstört", erklärte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger. "Bislang werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber in politische Entscheidungen viel zu wenig einbezogen." Der Weltrat müsse dies ändern und auch Handlungswege aufzeigen.

Die Bildung des Gremiums war im April 2012 in Panama City beschlossen worden. Das IPBES-Sekretariat wird mit Unterstützung durch die Bundesregierung in der deutschen Uno-Stadt Bonn eingerichtet.

mbe/dpa