Uno-Gipfel in Nagoya Naturschützer feiern Gipfel-Durchbruch

Es sind gute Nachrichten für den Umweltschutz: Das Uno-Gipfeltreffen in Nagoya ist mit einer umfassenden Einigung zu Ende gegangen. Arme Länder sollen künftig für die Nutzung ihres biologischen Reichtums entlohnt werden. Auch weitreichende Maßnahmen zum Schutz der Arten wurden beschlossen.
Von Christian Schwägerl
Japanischer Umweltminister Matsumoto, Gipfelteilnehmer: 20 Ziele für den Artenschutz

Japanischer Umweltminister Matsumoto, Gipfelteilnehmer: 20 Ziele für den Artenschutz

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Es ist ein Erfolg, wie er kaum zu erwarten war: Die Uno-Naturschutzkonferenz von Nagoya hat nach zweiwöchigen zähen Verhandlungen weitreichende Beschlüsse für den globalen Naturschutz gefasst. Die Versammlung akzeptierte am Freitag unter Vorsitz des japanischen Umweltministers Ryu Matsumoto das sogenannte Nagoya-Protokoll. Es soll Länder mit großem biologischen Reichtum erstmals konkret ermöglichen, Geld zu verlangen, wenn Firmen reicher Länder aus ihren Naturstoffen zum Beispiel Medikamente oder Kosmetika entwickeln. Zudem wurden weitreichende Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt beschlossen.

Nach Angaben aus EU-Kreisen betreffen die neuen Regeln eine Vielzahl von Wirtschaftsbereichen, von der Pharmaindustrie bis zur Lebensmittelbranche. Mit dem Nagoya-Protokoll werde ein Weltmarkt reguliert, der 350 Milliarden Euro pro Jahr umfasst. Dieser Markt werde sich nun zugunsten des Naturschutzes verändern. Die Einnahmen aus dem sogenannten "Access and Benefit Sharing" (ABS) sollen Entwicklungsländern helfen, ihre Wirtschaft nachhaltig zu finanzieren und so die Fehler westlicher Länder nicht zu wiederholen.

Das Nagoya-Protokoll legt fest, dass Firmen, die sich auf der Suche nach neuen Wirkstoffen oder Produkten an Organismen etwa aus Regenwäldern oder Korallenriffen bedienen, dafür zuerst um Erlaubnis bitten und einen Vertrag aushandeln müssen. Der Vertrag kann neben Gebühren und Auflagen auch festlegen, dass das Herkunftsland des Naturstoffs an der Entwicklung des Produkts oder sogar späteren Profiten beteiligt wird.

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Mit den weitreichenden Möglichkeiten haben sich die Entwicklungsländer durchgesetzt. Solche Regeln hatte es bisher nicht gegeben, weshalb Entwicklungsländer sich über die "Biopiraterie" des Westens beklagt hatten. Die Vertragsstaaten der sogenannten Uno-Biodiversitätskonvention hatten bereits zahlreiche vergebliche Versuche unternommen, ein ABS-Protokoll zu verabschieden. Deshalb gilt die Einigung von Nagoya nun als der lange erhoffte Durchbruch, der dem globalen Naturschutz zusätzliche Einnahmen bescheren könnte.

Große Fortschritte für den Naturschutz

Zudem legte die Konferenz 20 Ziele fest, die bis zum Jahr 2020 erreicht sein sollen. Dazu zählen folgende Maßnahmen:

  • Schutzgebiete an Land sollen von heute 13 Prozent auf 15 Prozent vergrößert werden. Noch größer sind die Fortschritte für die Ozeane: Statt bisher einem Prozent sollen künftig zehn Prozent der Meeresfläche geschützt sein.
  • Umweltfeindliche Subventionen sollen abgeschafft und die frei werdenden Summen dafür benutzt werden, eine schonende Bewirtschaftung der Natur zu belohnen.
  • Die Überfischung der Ozeane soll gestoppt und das dramatische Aussterben von Arten verhindert werden.
  • Die globale Landwirtschaft und Aquakulturen sollen bis zum Jahr 2020 nachhaltig werden, was tiefgreifende Veränderungen nötig machen würde.
  • Umweltverschmutzung und Überdüngung sollen generell so stark reduziert werden, dass sie die lebensspendenden Prozesse auf der Erde nicht länger bedrohen. Wo nötig, sollen Lebensräume restauriert werden, so dass sie ihre "natürlichen Dienstleistungen" für den Menschen weiter erbringen können.

Die wenigsten Fortschritte machte die Konferenz bei der Finanzierung zusätzlicher Naturschutzmaßnahmen. Entwicklungsländer hatten die Zusage verlangt, dass die Industrieländer bis zum Jahr 2020 zusätzlich 200 Milliarden Dollar bereitstellen. Zu einer derart konkreten Zusage waren die EU und Japan aber nicht bereit. Die USA sind kein Vertragsstaat der Uno-Biodiversitätskonvention und waren deshalb an den Verhandlungen nicht beteiligt.

Nun soll bis zum nächsten Naturschutzgipfel 2012 in Indien ermittelt werden, wie viel Geld genau für die zusätzlichen Naturschutzmaßnahmen nötig ist und aus welchen Quellen das Geld kommen kann. Die EU und Japan erklärten ihre generelle Bereitschaft, die Ausgaben für den Erhalt der Biodiversität deutlich anzuheben.

Umweltschützer hatten bis zuletzt für den Naturschutzgipfel von Nagoya ein ähnliches Scheitern befürchtet wie beim Klimagipfel von Kopenhagen und vor einer generellen Blockade der globalen ökologischen Modernisierung gewarnt. Ein solches Szenario wurde nun aber unter japanischer Führung verhindert. Umweltorganisationen bewerteten das Ergebnis von Nagoya in ersten Reaktionen positiv.