Uno-Klimagipfel Happy End auf Bali

Es gab Tränen, Buhrufe und am Ende Umarmungen: Nach langem Ringen einigten sich die Delegierten auf Bali doch noch auf eine gemeinsame Roadmap. Konkrete Zahlen fehlen zwar, für die meisten ist es dennoch ein Erfolg. Vor allem für die Kyoto-Staaten - sie einigten sich auf handfeste Reduktionsziele.

Aus Nusa Dua berichtet


Sie saßen mitten unter rund 200 Menschen, aber sie waren plötzlich sehr allein: Paula Dobriansky, Leiterin der US-Delegation, und ihr Kollege James Connaughton bekamen nicht nur Unmut, sondern teils nackte Feindseligkeit zu spüren. Als Dobriansky ankündigte, die USA würden der Bali-Roadmap nicht beitreten, hallten Buhrufe durch den Saal. Anschließend wurden die Amerikaner von mehreren Delegationen scharf angegriffen.

Klima-Aktivisten in Bali: Am Ende der Uno-Umweltkonferenz hatten die meisten Grund zur Freude
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Klima-Aktivisten in Bali: Am Ende der Uno-Umweltkonferenz hatten die meisten Grund zur Freude

"Unwillkommen und ohne jede Basis" nannte etwa der Vertreter Südafrikas die Anschuldigungen der USA an die Entwicklungsländer. "Sie sind nicht in der Lage, die Führung zu übernehmen. Gehen Sie aus dem Weg", griff der Vertreter Papua-Neuguineas die USA direkt an. Der entscheidende Punkt in diesem Moment war wohl, dass Japan, Australien oder Russland - die anderen Gegner von bindenden Treibhausgas-Emissionen - den USA in diesem Moment nicht beisprangen. Um die völlige Isolierung zu vermeiden, knickten die Amerikaner ein. "Wir treten dem Konsens bei", sagte Dobriansky. Diesmal gab es teils stehende Ovationen der Delegierten.

"Dass die USA sich in diesem Moment nicht bockig angestellt haben, ist nobel", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel nach der Einigung. Eine Inszenierung vermutet er dahinter nicht. "Die USA hätten es sich auch einfacher machen können, indem sie gleich zu Anfang zugestimmt und den Konflikt in der G77 belassen hätten", so Gabriel. Die Vereinigung von 130 Entwicklungsländern plus China ist inhaltlich zerstritten, weil die großen Staaten am Ende mit Erfolg verhindert haben, dass nationale Unterschiede gemacht werden. Insbesondere den kleinen Inselstaaten, die vom Klimawandel am meisten bedroht sind, schmeckte das gar nicht. Doch hier habe die Kehrtwende der USA eine weitere gute Seite gehabt: "Dadurch haben Costa Rica und andere ihre Änderungsanträge zurückgezogen", so Gabriel.

Kyoto-Staaten einigen sich auf harte Ziele

In der Roadmap fehlt also das von den Europäern und dem IPCC geforderte Langfrist-Ziel, den Treibhausgas-Ausstoß der Industrieländer bis 2050 auf die Hälfte des Werts von 1990 zu drücken. Auch der in früheren Versionen enthaltene Hinweis, die Kehrtwende bei den weltweiten Emissionen muss in 10 bis 15 Jahren geschafft sein, ist nun gestrichen.

Zumindest aber für die Unterzeichner-Staaten des Kyoto-Protokolls war Bali ein voller Erfolg: Wie Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE bestätigte, haben sie sich untereinander auf wesentlich schärfere Ziele geeinigt.

In einem ihm vorliegenden separaten Abschlussprotokoll dieser Staaten stünden alle ursprünglich angestrebten Reduktionsziele - unter anderem die gemeinsame Vereinbarung, "eine deutlich mehr als 50-prozentige Reduktion der Emissionen bis zum Jahr 2050" anzustreben. Als Zwischenschritt wird das in dem anderen Abschlusspapier nur als Fußnote erwähnte Ziel der Treibhausgas-Reduktion um 25 bis 40 Prozent bis zum Jahr 2020 in Bezug auf die Höhe der Emissionen im Jahr 1990 explizit aufgeführt. Am bemerkenswertesten laut Schellnhuber aber ist, dass sich auch Japan und Russland, die zu den Unterzeichner-Staaten des Kyoto-Protokolls gehören, mit dieser Abschlusserklärung klipp und klar zum Klimaschutz bekannt haben - trotz ihrer vorherigen Blockade-Haltung.

Entwicklungsländer setzten sich durch

Unter dem Strich konnten die Entwicklungsländer ihre Sicht, ein Recht auf Wirtschaftswachstum zu haben, gut durchsetzen. Mit einer Last-Minute-Initiative zwang Indien die Industriestaaten, sich zu "messbaren, meldepflichtigen und überprüfbaren" Hilfen auf den Gebieten des Technolgie-Transfers, der Entwicklung und der Finanzierung zu verpflichten. Die Entwicklungsländer haben sich im Gegenzug bereit erklärt, ihre Treibhausgas-Emissionen zu senken und ihre Naturschätze nachhaltig zu bewirtschaften - insbesondere die Wälder.

Zwischenzeitlich sah es so aus, als könnte die Konferenz trotz des in einer Nachtsitzung ausgehandelten Kompromisspapiers noch scheitern. Die niederländische Umweltministerin Jacqueline Cramer bezeichnete den Änderungswunsch Indiens als "völlig inakzeptabel". Doch später schluckte die EU die Kröte: Im Plenum erklärte der Portugiese Humberto Rosa, die EU werde den Vorschlag akzeptieren. Jubel brandete auf.

Als Witoelar anschließend versuchte, die Plenarsitzung fortzusetzen, obwohl außerhalb noch verhandelt wurde, ließ die chinesische Delegation alle Diplomatie fahren. "Wir verlangen eine Entschuldigung vom Klimasekretariat." Als dessen Chef Yvo de Boer sich vor dem Plenum rechtfertigen wollte, verließ er unter Tränen den Saal.

Trotz aller Erleichterung über die Einigung in letzter Minute kritisierten Umweltschützer die Bali-Roadmap. Man habe zwar ein "belastbares Mandat" mit einem Enddatum: 2009 sollen die Schlussverhandlungen über ein neues Klimaabkommen in Kopenhagen stattfinden. "Aber wir haben für die Industriestaaten keine Ziele hinbekommen", sagte Regine Günther von der Umweltorganisation WWF.

Gabriel: Bali-Roadmap ist "nicht ausreichend"

Damit bezog sie sich auf eine Fußnote in der Bali-Erklärung, die auf ein Papier des Uno-Klimarats IPPC verweist. Sie wurde mit aufgenommen, weil die EU sich nicht mit dem Ziel durchsetzen konnte, die Treibhausgas-Emissionen der Industriestaaten bis 2020 um 25 bis 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken.

Christoph Bals von der Umweltorganisation Germanwatch mochte die negative Einschätzung seiner Kollegin nicht ganz teilen. Das IPCC-Papier enthalte zwar neben dem 25- bis 40-Prozent-Ziel auch weitere Bandbreiten, wie etwa eine von 0 bis 40 Prozent. "Aber da in der fraglichen Stelle von 'tiefen Einschnitten' die Rede ist, kann es nicht die unterste Grenze sein."

Gabriel zog eine geteilte Bilanz des Gipfels. "Es muss zwei Perspektiven geben", so der Minister. Angesichts der "Dramatik" des Klimawandels sei die Bali-Roadmap "nicht ausreichend". "Aber wir haben ein Verhandlungsergebnis erreicht, das weit mehr beinhaltet, als wir angesichts der Ausgangsvoraussetzungen und der unterschiedlichen Interessenlagen haben erwarten dürfen." Man habe etwa beschlossen, dass es deutlich stärkere Beiträge der Industrienationen geben müsse. "Und zwar aller Industrienationen - einschließlich den Vereinigten Staaten", so Gabriel. "Wer hätte das vor drei Monaten oder drei Tagen schon erwartet?"

Mitarbeit: Jens Lubbadeh

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Hawieldt 15.12.2007
1.
zufriedenstellend ist doch nur die Tatsache, das wie immer Niemand am Ende als Buhmann da stehen möchte . Aber das war es auch schon . Die Frage ob Europa über den Tisch gezogen wurde .... kann ich nicht beantworten ,da ich der Ansicht bin , das die Natur Alle über den Tisch zieht . Was nutzt eine Reduzierung des CO2 Ausstosses ,wenn die Natur ihre Methangase aus dem Methaneis frei lässt . Soviel CO2 können Alle nicht reduzieren um den Methangasausstoss der Natur zu kompensieren . Ob das nun auch eine Folge der menschengemachten Erderwärmung ist wage ich als Ganzes zu bezweifeln . Ich denke das natürliche Zyklen auch eine gewichtige Rolle spielen . Für mich steht als Ergebnis der Balikonferenz fest, das sich wir Menschen klar werden müssen ,im Sinne für den Menschen ,nun wirklich gegen die Natur agieren zu müssen .Nur wie ? Beides aber vermögen wir nicht ,wie auch nicht im Einzelnen .
Hador, 15.12.2007
2. Zufriedenstellend?
Wie kann ein Ergebnis bei dem die einzige Zahl zur CO2 Reduzierung in irgendeiner Fußnote des Vorwortes auftaucht zufriedenstellend sein? Die Konferenz war, wie so oft, eine Farce und die Abschlusserklärung macht es nicht besser. Die Herren und Damen Politiker können nun nachhause fahren und jeder kann behaupten er habe bis zum Umfallen für die eigenen Überzeugungen gekämpft. Währenddessen steigen die Emissionen weiter, der Energieverbraucht wächst und die Temperatur gleich mit. Super Sache..... Aber davon abgesehen: Selbst WENN eine feste Zielvorgabe in diesem Dokument enthalten gewesen wäre, sie wäre das Papier nicht wert gewesen auf dem sie steht. Das sieht man sehr schön am Kyoto-Protokoll: Kaum ein Land arbeitet gezielt auf diese Vorgaben hin. Zwar erreichen einige Länder ihre Vorgaben, dies sind jedoch fast nur Länder des ehemaligen Ostblocks in denen ein Großteil der alten Industrie zusammengebrochen ist und die Emissionen deshalb gesunken sind. Deutschland erreicht trotz des Wegfalls ehemaliger DDR Industrieanlagen seine Vorgabe nicht und andere westliche Industrienationen liegen teilweise um mehrere 10% ÜBER den damaligen Emissionswerten. Fazit: Papier ist geduldig, nur ist das Weltklima es auch?
filou11 15.12.2007
3.
Alle jubeln und keiner wird sich daran halten, höchsten die Europäer. Da werden z.B. die Brandrodungen in Indoneseien lustig weiter gehen genauso wie dr Holzeinschlag um Raum für die Pflanzungen von Ölpalmen zu schaffen, damit wir mit Biosprit fahren können. Da gehe ich jede Wette ein. 300 Mio. Menschen müssen halt ernährt werden. Und der Bevölkerungszuwachs geht auch ungebremst weiter. Fazit: Der Wanderzirkus zieht weiter. Es gibt ja noch so viele touristisch interesante Reisezeile die auf Steuerzehlers Kosten besucht werden müssen.
Hador, 15.12.2007
4.
Zitat von filou11Alle jubeln und keiner wird sich daran halten, höchsten die Europäer. Da werden z.B. die Brandrodungen in Indoneseien lustig weiter gehen genauso wie dr Holzeinschlag um Raum für die Pflanzungen von Ölpalmen zu schaffen, damit wir mit Biosprit fahren können. Da gehe ich jede Wette ein. 300 Mio. Menschen müssen halt ernährt werden. Und der Bevölkerungszuwachs geht auch ungebremst weiter. Fazit: Der Wanderzirkus zieht weiter. Es gibt ja noch so viele touristisch interesante Reisezeile die auf Steuerzehlers Kosten besucht werden müssen.
An was denn halten? Es gibt ja, wieder mal, keine Zielvorgabe sondern nur eine Fußnote. Und die Europäer sind auch nur Weltmeister im Reden, schaut man sich aber mal die CO2 Emissions Entwicklung in der EU an, dann steigt auch hier in fast allen Ländern die Emission und sinkt nur dort wo alte Industriezweige kaputt gehen. Von gezieltem Klimaschutz keine Spur. Sieht man ja auch in Deutschland: Merkel tönt erst groß rum mit wer weiss wieviel Reduktion der CO2 Emissionen und dann verwässert sie eigenhändig eine EU Richtlinie, die dazu führen würde, dass die deutschen Autobauer mehr spritsparende Autos bauen müssten. Wenn nicht in den neuen Bundesländern fast die gesamte Industrie zusammengebrochen wäre, dann hätte Deutschland bis heute wohl keinen einzigen Prozentpunkt seiner CO2 Emissionen reduziert.
chirin 15.12.2007
5. Bali - ein befriedigendes Ergebnis?
Zitat von filou11Alle jubeln und keiner wird sich daran halten, höchsten die Europäer. Da werden z.B. die Brandrodungen in Indoneseien lustig weiter gehen genauso wie dr Holzeinschlag um Raum für die Pflanzungen von Ölpalmen zu schaffen, damit wir mit Biosprit fahren können. Da gehe ich jede Wette ein. 300 Mio. Menschen müssen halt ernährt werden. Und der Bevölkerungszuwachs geht auch ungebremst weiter. Fazit: Der Wanderzirkus zieht weiter. Es gibt ja noch so viele touristisch interesante Reisezeile die auf Steuerzehlers Kosten besucht werden müssen.
Antwort: Sie sagen es! Ein Ergebnis gibt es , aber nur hinsichtlich der Verseuchung durch die Flugzeuge mit denen dieser Wanderzirkus unterwegs ist. Überdies ist in Deutschland auch viel zu viel Land "begradigt" und abgeholzt worden, so dass hier ein großer Teil des Landes auch austrocknet, da sich kein Tau mehr bilden kann. Wasser und Bäume sorgen erheblich mehr für gutes Klima, als die albernen Verbote von Kfz. ´in den Innenstädten.
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