Klimagipfel Die 181 Knackpunkte von Katowice

Wie streng wird der Weltklimavertrag? Im Finale der Uno-Konferenz schachern die Staaten noch um etliche Streitpunkte. Der Katowice-Poker im Überblick.

Zwei Wochen Klimaverhandlungen im polnischen Katowice gehen in die finale Phase. Vertreter aller Staaten beraten, wie die Erderwärmung auf unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau begrenzt werden könnte - zu diesem Ziel hatte sich die Welt vor drei Jahren in Paris im Weltklimavertrag verpflichtet.

Die Konferenz soll am Freitagabend enden, könnte aber verlängert werden. Wie stehen die Verhandlungen, was ist noch zu erwarten?

Die Ziele in Katowice:

  • Es sollen Regeln für den Weltklimavertrag erarbeitet werden. Diese sollen beispielsweise dafür sorgen, dass Klimaschutzpläne der Staaten vergleichbar und nachprüfbar sind. Auch der unterschiedlichen Verantwortung der Staaten für den Klimawandel soll Rechnung getragen werden.
  • Finanzhilfen für arme Länder sollen geregelt werden.
  • Der jüngste Uno-Klimareport soll als Grundlage für politische Entscheidungen anerkannt werden.

Die Aufgabe: Vertragsstellen, über die zwischen den Staaten keine Einigung besteht, werden mit eckigen Klammern versehen. Obwohl Delegierte das Regelwerk seit zwei Jahren in Verhandlungen vorbereitet hatten, stand am Anfang der Konferenz von Katowice noch immense Arbeit bevor - 1908 Klammern im Regelwerk mussten beseitigt werden. Das neunseitige Kapitel über die nationalen Klimaziele etwa enthielt 190 eckige Klammern. Und das Kapitel über Finanzen wies zu Anfang der Katowice-Konferenz auf elf Seiten noch 185 eckige Klammern auf.

Der erste Rückschlag: Eine Studie, veröffentlicht zu Beginn der Klimatagung, zeigte, dass der Ausstoß von Treibhausgasen auch 2018 weltweit zugenommen hat. Der Druck auf die Delegierten nahm damit noch zu.

Der zweite Rückschlag: Die Staatengemeinschaft konnte sich nicht auf eine "Begrüßung" des Klimareports einigen - vier Staaten wollten lediglich eine "Kenntnisnahme". Eine unerwarteter Rückschritt, der die Klimakonferenz bis zum Schluss beschäftigt.

Hilfskassen aufgefüllt: Industriestaaten kommen ihren Zusagen nach, armen Ländern zu helfen - sich vor Wetterextremen besser zu wappnen und auf erneuerbare Energien umzurüsten. Deutschland kündigte an, den deutschen Beitrag zum Grünen Klimafonds auf 1,5 Milliarden Euro zu verdoppeln. Dennoch klagen Entwicklungsländer, reiche Staaten würden "bei weitem nicht genug Wiedergutmachung leisten".

Trick zur Halbzeit: Nach einer Woche griff die polnische Konferenzleitung zu einem bewährten Trick - sie teilte die Verhandlungen nach Kapiteln auf. Zwei Gruppenleiter - einer aus einem Industrieland, einer aus einem ärmeren Staat - sollten jeweils ihr Kapitel möglichst von Widersprüchen befreien.

Streit ums Geld: Ein deutscher Staatssekretär leitete zusammen mit einer ägyptischen Kollegin die Gruppe über Finanzen. Inwiefern können Geberstaaten langfristige Finanzierungszusagen machen, wie sie Entwicklungsländer fordern? Geberländer verweisen auf die Haushaltshoheit der Parlamente, weshalb Zusagen für einen langen Zeitraum nicht möglich seien.

Streit um Verantwortung: Schwellenländer wie China und Indien betonen die historische Hauptschuld der Industrieländer am Klimawandel, sie wehren sich dagegen, dass für sie die gleichen Pflichten gelten sollen - obwohl gerade diese beiden asiatischen Staaten mittlerweile ebenfalls riesige Mengen Treibhausgase in die Luft pumpen. Arme Länder bestehen zudem darauf, dass Schäden und Verlusten durch den Klimawandel Rechnung getragen wird.

Südseebrauch: Um den Dialog der Staaten freundlicher zu gestalten, trafen sich die Delegierten nach Brauch der Bewohner der Fiji-Inseln in kleinen Gruppen zum "Talanoa-Dialog", um sich in "gegenseitigem Respekt Geschichten zu erzählen", ihre Positionen also ohne Widerrede darzustellen. Der Respekt wurde gewahrt, die Probleme blieben - "der Klimaschutz reiche bei Weitem nicht aus", heißt es im Abschlussdokument des Talanoa-Dialogs.

Geist von Katowice: Anders als bei der legendären Klimakonferenz von Paris 2015, wo alle Staaten eine Einigung anstrebten, zeigten in Katowice manche Länder wieder offen ihre Skepsis für ein ambitioniertes Regelwerk, vor allem arabische Ölstaaten, die USA, überraschenderweise auch Russland.

Geist von Paris: Mitte der zweiten Verhandlungswoche besannen sich vom Meeresspiegelanstieg bedrohte Inselstaaten und einige westliche Industriestaaten auf ihr Bündnis, das vor drei Jahren wesentlich den Pariser Klimavertrag möglich gemacht hatte: Die "High Ambition Coalition" (Koalition für großen Ehrgeiz) sollte wieder den Durchbruch einleiten - ohne die USA an Bord machte sie jedoch weniger Eindruck als 2015, der beschworene "Geist von Paris" verflog.

Uno-Klimakonferenz in Katowice
Foto: Getty Images/iStockphoto

Uno-Klimagipfel in Katowice

Moment der Wahrheit: In der Nacht zu Freitag präsentierte die polnische Verhandlungsleitung das Ergebnis der Arbeitsgruppen. Die gekürzten Kapitel wurden zu einem Vertragsentwurf von 144 Seiten zusammengeheftet. An 181 Stellen, die mit eckigen Klammern versehen sind, müssen die Delegierten nun noch weiterverhandeln, dort hatten sich die Arbeitsgruppen nicht einigen können.

Abschlusspoker: Die eckigen Klammern dienen den Verhandlern quasi als Pokerchips, die sie gegeneinander eintauschen. Wer an einer Stelle einen Vorteil will, muss an anderer Stelle nachgeben. Die Verhandlungen in Katowice könnten bis Samstag dauern.

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