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24. September 2014, 07:01 Uhr

Obama beim Uno-Klimagipfel

Und nun zum Wetter

Von , New York

Luftangriffe auf den "Islamischen Staat", Ebola-Epidemie, Ukraine-Krise: Beim Uno-Klimagipfel fällt es den Staats- und Regierungschefs schwer, sich auf das eigentliche Thema zu konzentrieren. US-Präsident Obama versucht es trotzdem.

New York - Barack Obama hat ihn noch drauf, den Sound von einst. "Wenn wir die Luft, die unsere Kinder atmen werden, und das Essen, das sie zu sich nehmen werden, und wenn wir die Träume all unserer Nachkommen über unsere kurzfristigen Interessen stellen - ja, dann ist es vielleicht noch nicht zu spät." Das sagte der US-Präsident am Dienstag auf dem Klimagipfel der Uno in New York. Es war der durchaus selbstkritische Appell an die mehr als 120 anwesenden Staats- und Regierungschefs, gemeinsam den weltweiten CO2-Ausstoß deutlich zu senken.

Obama gab sich als der Präsident, der er gern sein würde: als Aufrüttler und Motivator, als Manager eines weltweiten Wandels. Doch in den vergangenen sechs Jahren ist er nicht zu diesem Präsidenten geworden. Dass seine ehrgeizigen Klimapläne von einst im innenpolitischen Klein-Klein lahmgelegt wurden, ist nur Symptom für ein größeres Problem seiner Präsidentschaft: Der Mann konnte wegen der Umstände nie so, wie er vielleicht wollte. Seine Kritiker würden sagen: Nix gewesen außer Rhetorik.

Und bei diesem Klimagipfel? Mehr als eine gute Rede? Das Problem auch hier wieder: die Umstände. Und das gilt nicht allein für Obama, sondern für alle Beteiligten. Auf der To-do-Liste des US-Präsidenten bündelt sich wie in einem Brennglas das ganze Chaos der gegenwärtigen Welt. Der Klimawandel, so gefährlich seine Auswirkungen auch sein mögen, wird von der Krisenlage in Nahost, der aktuellen Bedrohung durch die Terrormilizen des "Islamischen Staats" (IS), der Ukraine-Krise und dem Ebola-Wüten in den Hintergrund gedrängt.

Entsprechend mager fielen die Ergebnisse des Treffens in New York aus. Der Grüne Klimafonds der Uno, der vor immerhin fünf Jahren beschlossen wurde, soll bis Jahresende eigentlich zehn Milliarden Dollar enthalten. Ab 2020 sollen dann sogar jährlich 100 Milliarden Dollar bereitstehen, um ärmeren Ländern bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Doch bisher haben die Staaten lediglich 2,3 Milliarden zugesagt, sagte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in New York.

Das wirklich entscheidende Treffen findet 2015 statt

Dabei hatte Ban Ki Moon alles prima zurechtgelegt. Ganz bewusst hatte er just in jener Woche zum Gipfel geladen, in der die Vereinten Nationen traditionell ihre Generalversammlung abhalten. Die ganze Welt schaut dann auf New York.

Bans Gipfel im Vorfeld der an diesem Mittwoch beginnenden Generalversammlung war gedacht als Katalysator, als Signal zum Aufbruch, auch als Show natürlich. Denn im nächsten Jahr steht das wirklich entscheidende Treffen in Paris an: Dort sollen konkrete Ziele vereinbart werden für eine Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad Celsius; ein globales Klimaschutzabkommen für die Zeit nach dem Ende des Kyoto-Protokolls im Jahr 2020 ist das Ziel.

"Wir sind hier, um Geschichte zu schreiben", rief Ban den Mächtigen der Welt zur Eröffnung seines Klimagipfels zu. Alle Regierungen sollten bis zum Pariser Treffen "ernsthafte Zusagen" zur Reduzierung ihres CO2-Ausstoßes machen, sonst würden die "menschlichen, ökonomischen und ökologischen Kosten des Klimawandels bald untragbar" sein.

Dann kamen die Promis dran: Ex-US-Vizepräsident Al Gore sagte, man habe nun die "Phase der Konsequenzen, aber auch der Hoffnungen" erreicht, wobei er an die Protestkundgebungen in den Tagen zuvor erinnerte, als allein 400.000 Menschen in New York und Hunderttausende in aller Welt für mehr Klimaschutz auf die Straße gingen. Es folgte Schauspieler Leonardo DiCaprio, direkt sprach er die Staatenlenker an: Alle Subventionen für Kohle-, Öl- oder Gaskraftwerke müssten abgeschafft werden: "Ihr seid dran!" So ging das noch ein bisschen weiter.

Krieg statt Klima

Auf der Bühne redeten alle übers Klima, doch auf den Fluren ging es eher um die Luftangriffe der Amerikaner und Araber gegen die IS-Milizen und andere Dschihadisten in Syrien. Krieg statt Klima. Das US-Magazin "Politico", politischer Taktgeber des Landes, setzte über seine aktuelle Obama-Story nicht die Zeile: "Der Klimapräsident". Sondern: "Amerikas neuer Kriegspräsident."

So gesehen schlug die beabsichtigte große Klimashow fehl, die allgemeine Weltlage ließ es nicht zu. Anlass zur Hoffnung aber gab es dennoch:

Bleibt abzuwarten, was aus New York 2014 folgt. "Die größte Massendemo für mehr Klimaschutz in der Geschichte und die vielen Zusagen von Politik und Industrie bringen nur etwas, wenn ihnen jetzt auch schnell konkrete Taten folgen", sagt Alexander Ochs, Direktor für Klima und Energie beim Washingtoner Worldwatch Institute.

Mitarbeit Ralf Neukirch, mit Material von AFP, dpa und Reuters

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