Uno-Klimagipfel in Bonn Der Druck auf die Europäer wächst
Die Karawane zieht weiter: Als nächstes wird in Doha über das Weltklima verhandelt.
Foto: Henning Kaiser/ dpaBonn - Die internationale Klimadiplomatie ist ein äußerst zähes Geschäft. Und das ist schon milde ausgedrückt. So verwundert es auch nur wenig, dass die am Freitag zu Ende gegangene Uno-Klimakonferenz in Bonn noch nicht den Weg für eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls geebnet hat. Das Problem: Das Protokoll läuft Ende 2012 aus - und vor allem die EU will eine Kontinuität bei diesem einzigen internationalen Klimaschutzregelwerk.
Doch bislang ist das noch nicht geglückt. Die Verständigung auf ein Kyoto-Nachfolgeabkommen soll nun auf dem nächsten Klimagipfel Ende des Jahres in Doha (Katar) erfolgen - wie es auf dem Gipfel in Durban Ende 2011 beschlossen worden war.
Die EU bekräftigte bei der zweiwöchigen Vorbereitungskonferenz in Bonn, sie wolle "Kyoto II" Anfang 2013 starten. Die EU plädierte für eine achtjährige Laufzeit (2013-2020). Darüber gab es keine Vorverständigung. Acht Jahre Laufzeit würden bedeuten, dass auch Klimaziele so lange festgeschrieben werden - ungeachtet der fortschreitenden Erderwärmung.
Mit der Verlängerung des Kyoto-Protokolls von 2013 an soll die Zeit bis zum Inkrafttreten des anvisierten Weltklimavertrags überbrückt werden. Neben dem Akutproblem "Kyoto II" wurde in Bonn erstmals auch über die Vorgaben von Durban ("Durban Plattform") für einen globalen Weltklimavertrag verhandelt. Bis zum Jahr 2015 soll eine Vereinbarung über einen solchen Vertrag erarbeitet werden, der von 2020 an für alle Länder verbindlich gelten soll. Dazu wurde in Bonn ein vages Verhandlungsprogramm beschlossen.
Die Chefin des Uno-Klimasekretariats, Christiana Figueres, mahnte zum Abschluss der Konferenz am Freitag ambitioniertere Ziele bei den Zusagen für die Treibhausgasminderung bis 2020 an. Andernfalls könne das Ziel einer Begrenzung der Erderwärmung auf höchstens plus zwei Grad Celsius nicht erreicht werden. In Bonn gab es dazu keine Bewegung.
Auf Kurs für Temperaturerhöhung von mindestens 3,5 Grad
Der "Climate Action Tracker", ein gemeinsames Projekt von Climate Analytics, Ecofys und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, untersucht, zu was für einer vermuteten Temperaturerhöhung die bisherigen CO2-Reduktionszusagen der Länder führen würden. Nach den Gesprächen in Bonn steht er bei einem langfristigen Plus von 3,5 Grad. Falls nicht alle Versprechungen eingelöst werden, steigt die Zahl sogar noch weiter.
Vonseiten der ärmeren Länder und von den Umweltorganisationen wurde insbesondere die EU gedrängt, ihr Ziel zur Verminderung der Treibhausgase zu verschärfen. Statt einer bisher zugesagten Reduzierung um 20 Prozent bis 2020 gegenüber den Daten des Jahres 1990 solle sie sich zu mindestens minus 30 Prozent verpflichten.
"Die Erhöhung des Klimaschutzziels auf mindestens 30 Prozent muss jetzt oberste Priorität haben", erklärte Sven Harmeling, Teamleiter Internationale Klimapolitik bei der Umweltschutzorganisation Germanwatch. "Dann kann man gemeinsam mit den Entwicklungs- und Schwellenländern Druck auf die Industriestaaten ausüben, die sich vor Klimaschutzverpflichtungen drücken wollen." Für die EU schloss der Klimadirektor der EU-Kommission, Artur Runge-Metzger, eine solche Anhebung zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus.
Die EU-Länder haben mit minus 17 Prozent ihre gesamten Zielverpflichtungen schon fast erreicht. Sie würden "Kyoto II" aber nahezu alleine bestreiten. Die größten Klimasünder USA und China sind beim Kyoto-Prozess nicht dabei, Kanada ist inzwischen ausgestiegen und auch Russland und Japan haben sich zu "Kyoto II" abweisend positioniert.
Figueres äußerte sich zufrieden mit dem Konferenzverlauf. "Die Verhandlungen sind auf dem richtigen Weg, aber sicherlich fehlt noch das richtige Tempo." Umweltorganisationen bewerteten die Verhandlungen überwiegend negativ. "Von der Aufbruchstimmung von Durban war hier nichts mehr zu spüren", erklärte etwa der Leiter der Politischen Vertretung Berlin von Greenpeace, Stefan Krug.
Bei Germanwatch hieß es, man freue sich zumindest darüber, dass bei den Verhandlungen zum Umgang mit den Schäden und Verlusten aus dem Klimawandel vereinbart worden sei, beim Klimagipfel in Katar konkret über die Einrichtung eines internationalen Mechanismus zu verhandeln: "Langfristige Gefahren wie der Meeresspiegelanstieg oder Gletscherschmelze geraten damit verstärkt in den Blick."