Uno-Konferenz in Glasgow Deutschland gibt 150 Millionen Euro für Betroffene des Klimawandels

Zum Start der zweiten Woche der Uno-Klimakonferenz sendet Deutschland ein Signal: Für Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel gibt es Unterstützung in Millionenhöhe.
Projekt zur Wiederherstellung eines Mangrovenwaldes zum Küstenschutz in Mexiko

Projekt zur Wiederherstellung eines Mangrovenwaldes zum Küstenschutz in Mexiko

Foto: Eduardo Verdugo / AP

Jetzt geht es – mal wieder – ums Geld. In der zweiten Woche des Uno-Klimagipfels von Glasgow stehen Finanzhilfen der reicheren Staaten dieser Welt an die ärmeren, am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder im Mittelpunkt der Verhandlungen. Vereinfacht lassen sich diese Gelder in zwei Kategorien einteilen: Neben Mitteln, die Staaten den klimafreundlichen Umbau ihrer Wirtschaft ermöglichen sollen, fließen auch Hilfen, mit denen Projekte zur Anpassung an bereits jetzt unvermeidliche Folgen der Erderhitzung bezahlt werden sollen.

Wirtschaftlich schwer gebeutelte, ärmere Staaten pochen angesichts von Dürren, Überschwemmungen und steigendem Meeresspiegel auf diese Gelder – als Unterstützung bei der Lösung eines Problems, zu dessen Entstehung sie aus ihrer Sicht nichts beigetragen haben. Schon beim Klimagipfel in Kopenhagen im Jahr 2009 haben die Industrieländer versprochen, dass sie pro Jahr 100 Milliarden Dollar an Klimahilfen bereitstellen. Vom Jahr 2020 an sollte das passieren. Doch inzwischen haben die Staaten eingestanden, dass sie ihr Versprechen erst 2023 halten werden. Für die Klimagespräche ist das eine Belastung.

Deutschland hat sich nun offenbar entschieden, die Verhandlungen in Glasgow mit einem Signal voranzubringen: Berlin stellt 150 Millionen Euro bereit, um ärmere Staaten bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu unterstützen. Das teilten Umwelt- und Entwicklungsministerium auf der Konferenz mit. Demnach sollen 50 Millionen Euro in einen Fonds (»Adaptation fund«) für konkrete Hilfsprojekte fließen. Dabei geht es unter anderem um Frühwarnsysteme gegen Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen oder Waldbrände oder effiziente Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft. Deutschland ist wichtigster Zahler dieses Anpassungsfonds.

Weitere 100 Millionen investiert das Entwicklungsministerium in den sogenannten Least-Development Countries Fund, der speziell den am wenigsten entwickelten Ländern zugutekommt. Auch hier ist Deutschland aktuell größter Geber. Fast drei Viertel der geförderten Projekte werden derzeit in Afrika umgesetzt.

Alle Artikel zum Uno-Klimagipfel

Anfang November trifft sich die Staatengemeinschaft im schottischen Glasgow zur 26. Uno-Klimakonferenz, der COP26. Auf dem zweiwöchigen Treffen geht es darum, die Ziele der Länder zu erhöhen und gemeinsame Regeln für den Kampf gegen die Klimakrise zu definieren. Lesen Sie hier alle Artikel zum Gipfel.

Die Zahlungen in die Fonds sind Teil der öffentlichen Mittel, die Deutschland jährlich für Klimaschutz und Klimaanpassung in ärmeren Staaten zur Verfügung stellt. Im vergangenen Jahr waren dies insgesamt 7,64 Milliarden Euro. Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth betonte die Notwendigkeit, besonders betroffene Staaten zu unterstützen. »Wenn einem das Wasser an den Füßen steht, wenn man Ernteverluste zu beklagen hat, wenn es Stürme gibt und Hitzewellen, dann muss man dringlich vor diesen Auswirkungen geschützt werden.«

Deshalb seien die internationalen Mittel immer wichtiger, so Flasbarth. Der Anpassungsfonds sei eines der »wesentlichen Instrumente«, um ärmere Staaten zu unterstützen. Dieser Fonds umfasse derzeit eine Milliarde Euro. Deutschland stocke seinen Anteil nun von 390 Millionen auf 440 Millionen Euro auf.

Bundesregierung hat Anstieg der Hilfen bereits angekündigt

Nach Angaben der Bundesregierung hat Deutschland seine internationale Klimafinanzierung seit 2014 mehr als verdoppelt. Die Bundesregierung habe zudem bereits beim G7-Gipfel im Sommer angekündigt, ihre Klimafinanzierung aus Haushaltsmitteln bis 2025 von derzeit vier auf sechs Milliarden Euro zu erhöhen.

Beobachter wiesen angesichts der aktuellen Zusage darauf hin, dass die 150 Millionen Euro vom Montag in diesen sechs Milliarden Euro bereits enthalten sind. Das Geld bringe die reichen Staaten also nicht näher an ihr 100-Milliarden-Versprechen heran. Das schmälere den Wert der deutschen Zusagen nicht, sei aber wichtig für den Kontext.

chs/dpa
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