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14. Dezember 2007, 18:24 Uhr

Uno-Konferenz

Die miese Umweltbilanz von Bali

Von Sebastian Knauer

Eine Untersuchung für SPIEGEL ONLINE belegt, wie umweltbelastend der Uno-Klimagipfel auf Bali tatsächlich ist. Der Kohlendioxidausstoß der Mammut-Konferenz erreicht nach einer Berechnung von ClimatePartner ein sehr hohes Niveau. Die Uno operiert dagegen mit viel niedrigeren Zahlen.

Die frohe Botschaft durfte der Direktor des Uno-Umweltprogramms (Unep), Achim Steiner, bei der Klimakonferenz auf Bali verkünden: Die Flüge der 400 Uno-Delegierten sollen mit 68.000 Euro Einzahlung in einen Klimafonds für Entwicklungsländer "klimaneutral" gemacht werden. Damit sollen die "3370 Tonnen" Kohlendioxid (CO2) aus den Düsen der Jets für An- und Abreise der großen Uno-Tagung auf der Ferieninsel kompensiert werden. Das wäre schon mal ein guter Anfang.

Für die gesamte Konferenz mit rund 10.000 Teilnehmern geht das UN-Klimasekretariat von einem CO2-Ausstoß von rund 47.000 Tonnen aus, hauptsächlich verursacht durch Flugreisen. Doch die Angaben der Uno zu den CO2-Emissionen durch die Klimakonferenz sind offenbar deutlich optimistischer angesetzt als die von Experten. Nach einer Berechnung der Münchener Unternehmensberatung ClimatePartner für SPIEGEL ONLINE sind die Emissionen durch die Konferenz in Indonesien insgesamt "überraschend hoch". Die Gründe: Das Flugzeug ist nahezu das einzige Transportmittel auf die Tropeninsel, und dort wird überwiegend in klimatisierten Räumlichkeiten übernachtet und getagt.

Die weite An- und Abreise der Delegierten, Journalisten und Sicherheitskräfte führt der Untersuchung zufolge insgesamt zu einem Kohlendioxidausstoß von rund 76.000 Tonnen. Alleine rund 35.000 Tonnen CO2 entfallen dabei auf die Flüge der 5000 Delegationsmitglieder.

Laut der Berechnung von ClimatePartner schlagen die Übernachtungen in dem Ferienort Nusa Dua, hauptsächlich durch die Klimaanlagen in den Hotels, mit fast 25.000 Tonnen zu Buche. Die Emissionen durch die Mobilität vor Ort, die Verpflegung und das Tagungshotel tragen mit weiteren 9000 Tonnen Kohlendioxid zum Gipfel-Ergebnis bei.

Insgesamt entfallen auf die Klimakonferenz nach den Berechnungen von ClimatePartner damit über 110.000 Tonnen Kohlendioxid. Das entspricht etwa dem jährlichen CO2-Ausstoß des afrikanischen Landes Tschad mit zehn Millionen Einwohnern. Damit würde Bali beim Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen einen Spitzenwert erreichen. Der G-8-Gipfel im Sommer 2007 in Heiligendamm kam noch mit 30.000 Tonnen aus, wie ClimatePartner damals ermittelte. "Die Berechnungsmethoden der Uno können wir nicht ganz nachvollziehen", sagt ClimatePartner-Geschäftsführer Moritz Lehmkuhl. Zur Kompensation der insgesamt durch die Klimakonferenz ausgestoßenen Treibhausgase müssten danach rund 2,2 Millionen Euro eingezahlt werden.

Unep-Chef Steiner will für das Umweltprogramm der Uno mit Sitz in Nairobi die Treibhausgas-Netto-Emissionen bis Januar 2008 "auf Null" reduzieren. Er ahnt schon, dass das für die "gesamte Organisation keine Kleinigkeit" wird. Und sogar die gesamte Uno mit über 53.000 Mitarbeitern und Verwaltungen in aller Welt soll auf Dauer "klimaneutral" werden.

Noch vor dem Bali-Gipfel hatte die Mehrheit der Uno-Mitglieder Zuschläge für "klimaneutrale Flugtickets" wegen der Mehrkosten abgelehnt. Für die Flüge der deutschen Delegierten will Umweltminister Sigmar Gabriel zur Kohlendioxid-Kompensation einen entsprechenden Beitrag in klimaschonende Energietechnik in Entwicklungsländern investieren.

Anmerkung der Redaktion: Zunächst wurde durch eine missverständliche Formulierung der Eindruck erweckt, dass die Uno-Angaben über den CO2-Ausstoß der 400 Uno-Delegierten mit den Berechnungen von ClimatePartner für die gesamte Delegiertenzahl vergleichbar sind. Tatsächlich sind diese Werte nicht vergleichbar. Der Text wurde entsprechend berichtigt. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen. Inzwischen hat ein Sprecher des Uno-Umweltprogramms den von ClimatePartner errechneten CO2-Ausstoß von mehr als 110.000 Tonnen bei der gesamten Konferenz als "möglich" eingestuft.

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