Klimaforscher der University of East Anglia haben gegen geltendes Recht verstoßen - sie hielten Daten zurück. Zu diesem Schluss kommt eine britischen Regierungsbehörde. Bestraft werden die Wissenschaftler wohl trotzdem nicht.
Mann vor Klimaprognose (auf dem Uno-Klimagipfel in Kopenhagen): Umkämpfte Daten
Foto: Miguel Villagran/ Getty Images
London - E-Mails von Klimaforschern,
die im November gestohlen und ins Internet gestellt worden waren, haben unter Wissenschaftlern und in der Öffentlichkeit
für Diskussionen gesorgt. Einige der Nachrichten deuten darauf hin, dass Klimaforscher voreingenommen mit Daten umgegangen waren. Nun kommt eine britische Regierungsbehörde zu dem Schluss, dass Wissenschaftler der University of East Anglia auch gegen geltendes Recht verstoßen haben.
Universitäten in Großbritannien dürfen ihre Erkenntnisse nicht für sich behalten. Wie alle staatlichen Organisationen des Landes müssen sie ihre Daten bei Bedarf zur Verfügung stellen. Das fordert das Informationsfreiheitsgesetz (Freedom of Information Act). Die Forscher an der University of East Anglia hätten ihre Daten aber auf Nachfrage nicht übermittelt, erklärte das Information Commissioner's Office (ICO). Damit läge ein Verstoß gegen Paragraf 77 des Freedom of Information Act vor.
Regelmäßig waren die britischen Klimaforscher um die Übermittlung ihrer Daten der Klimaentwicklung der vergangenen Jahrzehnte gebeten worden. Insbesondere sogenannte Klimaskeptiker, die grundlegende Ergebnisse der etablierten Wissenschaft bezweifeln, warfen den Forschern um
Phil Jones, Chef der Climatic Research Unit (CRU), eine Blockadehaltung vor. Auch andere Wissenschaftler hatten sich beschwert, nicht an die Daten heranzukommen. Die CRU-Forscher hatten wiederum argumentiert, dass sie die Informationen nicht herausgeben könnten, weil sie nicht die Rechte an allen Daten hätten. Ein Teil der Informationen sei von nationalen Wetterdiensten gesammelt worden und gehöre diesen damit auch.
Mail mit Aufforderung zum Löschen
Mit Anfragen sei das Institut nicht so umgegangen, wie es das Gesetz verlange, erklärte das ICO nun britischen Medien zufolge. Besonders eine E-Mail, die Jones im Jahr 2007 geschrieben hatte, erregte den Unmut der Prüfer. In der Nachricht forderte er Kollegen zum Löschen aller E-Mails auf, die diese aus Anlass des Klimareports der Vereinten Nationen geschrieben hatten.
Nachdem die E-Mails im November auf illegale Weise öffentlich geworden waren,
hatten zahlreiche Forscher Konsequenzen gefordert. Phil Jones hatte im Dezember angekündigt,
sein Amt vorerst ruhen zu lassen. Er bestritt aber, dass sein Institut Daten manipuliert habe. Die Vorgänge werden derzeit von einer unabhängigen Untersuchungskommission unter Leitung des früheren Rektors der Universität Glasgow, Muir Russell, untersucht.
Rechtliche Schritte müssen die beschuldigten Wissenschaftler einstweilen wohl nicht fürchten. Die Vorgänge lägen länger als sechs Monate zurück und damit außerhalb der Rechtsfrist, erklärte das ICO. In Großbritannien war bereits im vergangenen Sommer über eine Änderung der Sechs-Monats-Frist beraten worden. Die Regierung hatte entsprechende Forderungen von Bürgerrechtsaktivisten aber mit dem Verweis abgelehnt, die bisherige Praxis habe keine Probleme bereitet.