Unterwasserorganismus entdeckt Unbekanntes Bakterium zerfrisst "Titanic"

Seit 100 Jahren verfällt die "Titanic" auf dem Grund des Nordatlantiks - ein bisher unbekanntes Bakterium scheint dabei kräftig mitzuhelfen. Meeresbiologen haben die Mikroben jetzt auf einem Stückchen Rost des berühmten Wracks entdeckt.

Halomonas titanicae: Unbekannte Bakterienart auf Rostteil der "Titanic" gefunden
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Halomonas titanicae: Unbekannte Bakterienart auf Rostteil der "Titanic" gefunden


London - Exotische Bakterien lauern überall. Weil sie mit bloßem Auge nicht sichtbar sind, ist es besonders schwer, neue Arten auszumachen - dabei besitzt so mancher Erreger erstaunliche Fähigkeiten.

Erst vor wenigen Tagen verblüfften Wissenschaftler mit der Entdeckung einer spektakulären Lebensform auf unserem Planeten: Ein bisher unbekanntes Bakterium kann mit giftigem Arsen umgehen. Und zwingt Forscher dazu, Lehrbücher der Biologie umzuschreiben.

Jetzt melden Meeresbiologen eine weitere kleine Sensation. Zwar wirft diese nicht gleich ganze Dogmen der Biologie um, dennoch ist sie verblüffend: Forscher haben auf dem Wrack der "Titanic" eine bisher unbekannte Bakterienart entdeckt - die das Wrack zerfrisst. Ein Forscherteam um Antonio Ventosa von der Universität Sevilla berichtet im Fachmagazin "International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology", es habe die Mikroben auf einem Stück Rost der "Titanic" entdeckt.

Das berühmte Wrack liegt auf dem Grund des Nordatlantiks in 3800 Metern Tiefe. Derzeit erkundet eine Expedition der Organisation "RMS Titanic" das gesunkene Schiff in der Tiefe. Ziel ist es, eine hochpräzise dreidimensionale Karte des Wracks zu erstellen.

Gute Nahrungsquelle am Meeresboden

Expeditionsmitglieder hatten das Stück Rost aus den Tiefen des Nordatlantiks hinaufbefördert. Das Team aus Spanien untersuchte es. In der Veröffentlichung sind die Details der Charakterisierung nachzulesen - Analysen des Erbguts, der Stoffwechselprodukte, der Wachstumsbedingungen und dergleichen. Die Forscher wollen beweisen, dass es sich tatsächlich um eine neue Bakterienart handelt.

Allerdings sind die Unterschiede zu bekannten Bakterien nicht riesig. Halomonas titanicae, wie die Forscher den Erreger tauften, ist zum Beispiel zu 98,4 Prozent identisch zu der verwandten Art Halomonas neptunia - zumindest wenn man Erbgutsequenzen einer bestimmten Art von RNAs betrachtet. Dabei handelt es sich um Bestandteile der sogenannten Ribosomen. Das sind jene Fabriken der Zelle, in denen aus der Erbgut-Information die Proteine hergestellt werden.

Die Bakterien seien für den Verfall des am 14. April 1912 gesunkenen Luxusdampfers mitverantwortlich, schreiben die Forscher. Sie gehen davon aus, dass die "Titanic"-Bakterien beim Abbau von Eisenkonstruktionen unter Wasser eine Rolle spielen. Auch für moderne Unterwasserbauwerke könnten die neuen Erkenntnisse Bedeutung erlangen, vermuten die Wissenschaftler. Man wisse zum Beispiel noch nicht, ob diese Bakterien ähnlichen Schaden auch an Unterwasser-Pipelines anrichteten, schreibt das Team.

Seit beinahe 100 Jahren verfällt die "Titanic" auf dem Grund des Atlantiks - die Bakterien haben eine gute Nahrungsquelle gefunden.

cib/dpa

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
hirn_einschalten 06.12.2010
1. Copy-Paste-Fehler?
Bakterien haben keine Mitochondrien. Nur Eukaryoten haben Mitochondrien.
Blubb1234 06.12.2010
2. Mitochondrien? Ja nee, is klar...
@hirn_einschalten: Mist, warst schneller ;-) Man könnte auch über die Verwendung des Begriffs "Erreger" diskutieren... Oder ist eine pathogene Wirkung gezeigt worden?
Riff 06.12.2010
3. Kontamination, oder: Wer hat an meiner Impföse geleckt?
Zitat von hirn_einschaltenBakterien haben keine Mitochondrien. Nur Eukaryoten haben Mitochondrien.
Wie wahr. Und ein Temperaturoptimum von über 30°C ist auch nicht gerade ein Hinweis auf einen typischen Tiefseebewohner!
drsven 06.12.2010
4. Wirklich unsäglich
... diese journalistischen Fehler hier - wie schon von meinen Vorgängern gepostet. Wie kann man jemanden einen Artikel schreiben und veröffentlichen lassen, der von der Materie so wenig Ahnung hat, dass er solche Knaller ohne Schmerzempfindung in den Text einbaut (alle Bakterien = Erreger; und dann noch mit Mitochondrien oder Dings da drin, nee, klar!). Absolut unterirdisch. Hauptsache hört sich toll kompliziert und wissenschaftlich an? Werde ab sofort keine Wissenschaftsartikel mehr auf spiegel.de lesen.
frau trallala 06.12.2010
5. ...
Entweder die Wissenschaftler haben etwas anderes analysiert als die mitochondriale DNA oder das Ding ist kein Bakterium sondern irgendein eukaryotischer Einzeller. Lieber Spiegel, bitte noch mal Hausaufgaben machen.
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