Untreue Eulen Wenn das Futter stimmt, machen Weibchen die Fliege

Bei gutem Futterangebot gründen Kauzweibchen eine zweite Familie - und lassen ihren Mann mit der Brut allein. Forscher in Norwegen haben beobachtet, dass 70 Prozent der Eulendamen untreu werden.


London - Von wegen "in guten wie in schlechten Zeiten": Raufußkauz-Weibchen sind ihren Gatten nur in Phasen von Nahrungsmittelknappheit treu. Bei gutem Futterangebot tendieren sie hingegen dazu, die Aufzucht ihrer Brut dem Männchen zu überlassen. Sie selbst machen sich dann aus dem Staub - und gründen viele Kilometer entfernt mit einem anderen Mann eine neue Familie.

Raufußkauz: Rund 70 Prozent der Weibchen ließen die Männchen mit der Brut zurück
Deutsche Wildtier Stiftung / Dr. P. Schmidt

Raufußkauz: Rund 70 Prozent der Weibchen ließen die Männchen mit der Brut zurück

Mit dieser Strategie steigern die Weibchen ihren Fortpflanzungserfolg, haben norwegische Forscher um Katrine Eldegard von der Universität in Ås herausgefunden. Die Tiere würden ihr Nest allerdings nur dann verlassen, wenn der erste Mann gut im Futter steht. Nur dann sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass er die Brut durchbringt, berichten die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B".

Das Verhalten ist einigermaßen unüblich: Bei der überwiegenden Zahl der Vogelarten kümmern sich beide Eltern um den Nachwuchs. Und wenn, dann ist es tendenziell der Vater, der sich selbständig macht und noch weiteren Nachwuchs zeugt. Nicht so bei den Raufußkäuzen. Sie hätten ihre besondere Fortpflanzungsstrategie entwickelt, um große Schwankungen ihres Nahrungsangebots zu kompensieren, erklärten die Forscher.

Die Wissenschaftler hatten in einem Brutgebiet im Südosten Norwegens Nistkästen aufgehängt. Vier Jahre lang schauten sie jeweils im März nach, ob die Eulen darin Jungtiere großzogen. Die Biologen befestigten dann kleine Radiotransponder an den Eltern und einem der Jungvögel. Damit konnten sie feststellen, dass rund 70 Prozent der Weibchen die Männchen mit der Brut zurückließen.

Mit einem Experiment versuchten die Forscher, die Hintergründe dieses Verhaltens zu ergründen: Sie legten dazu zusätzliche Mäuse in das Eulennest. Bei besserer Futterversorgung waren die Weibchen eher und früher dazu geneigt, das Nest zu verlassen. Dies taten sie aber nur dann, wenn die Männchen wohlgenährt waren, was die Forscher von Größe und Gewicht der Tiere ableiteten.

Dass die wegziehenden Weibchen mit neuem Männchen nochmals brüten und eine zweite Brut großziehen, konnten die Forscher nicht direkt beobachten: Sie verloren die Transpondersignale von fast allen Vögeln, die sich weiter als drei Kilometer vom Untersuchungsgebiet entfernten. Aus anderen Studien ist indes bekannt, dass die Tiere zwölf und mehr Kilometer weit fliegen, um erneut zu brüten.

chs/ddp



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