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Unwetter über Deutschland: Katastrophe im Süden, Warnung im Norden

Foto: Paul Zinken/ dpa

Unwetter Starkregen bringt ARD und ZDF in Erklärungsnot

Unwetter haben Orte verwüstet, vier Menschen starben: Nun steht das öffentlich-rechtliche Fernsehen in der Kritik. Neun Regeln, wie man sich bei Überschwemmungen und Blitzschlag verhalten soll.

Gewitterlagen wie diese Woche gehören zum gefährlichsten Wetter in Mitteleuropa. Immer wieder verursachen die großen Regenmengen Katastrophen; so auch diesmal: Menschen ertranken, Ortschaften wurden verwüstet.

Trotz der Wiederholung solcher Desaster werden Menschen meist von den Fluten überrascht. Kommunikationsprobleme sind offensichtlich.

Der Meteorologe Jörg Kachelmann erhob am Montag schwere Vorwürfe gegen die ARD: Regionalsender des öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramms hätten ihr Programm wegen des Unwetters umstellen, die Bevölkerung warnen müssen, meint er .

Die ARD hatte in Wettervorhersagen zwar allgemein vor Gewittern gewarnt. Ausmaß und Orte der Unwetter lassen sich aber nur kurzfristig ankündigen, meist nur Minuten im Voraus, sodass auch diesmal Betroffene sich überrascht fühlten. Vier Menschen in Süddeutschland starben.

In den "Tagesthemen" hinterfragte die ARD ihre Berichterstattung. Es würde sich lohnen zu diskutieren, wie man die Bevölkerung besser mit kurzfristigen Warnungen versorgen könnte, sagte der ARD-Meteorologe Karsten Schwanke in der Sendung .

Starkregen wie früher

Denkbar wäre etwa die Übertragung von Live-Bildern des Regenradars, von Gewitterzugbahnen samt Kommentar von Fachleuten. Diese Warnsignale lassen sich zwar auch im Internet abrufen. Bei Unwetter aber, sagt Kachelmann, bräche die Internetverbindung oft ab; umso mehr seien Fernsehen und Radio gefragt.

Der andere öffentlich-rechtliche Sender, das ZDF, schob im "heute journal" die Regenkatastrophen im Wesentlichen auf den Klimawandel; als Kronzeugen wurden zwei Wissenschaftler interviewt .

Zwar scheint es plausibel, dass Gewitter im Zug der Erwärmung weltweit häufiger werden . In Deutschland aber scheint der Effekt noch klein: Das "heute journal" unterschlug Daten des Deutschen Wetterdienstes DWD, denen zufolge starke Niederschläge in Deutschland bislang konstant geblieben sind: Es gebe keinen Trend zu heftigeren Regenfällen, schreibt der DWD ; siehe Grafik:

Zahlen des Deutschen Wetterdienstes: Kein Trend bei Starkregen in Deutschland

Zahlen des Deutschen Wetterdienstes: Kein Trend bei Starkregen in Deutschland

Foto: DWD

Was aber können Menschen tun, wenn sie in ein Unwetter geraten? Mit drei einfachen Maßnahmen lässt sich bei Überschwemmungen wenigstens Lebensgefahr vermeiden:

  • Nach Gewittern niemals in Wasserlachen gehen oder fahren.
  • Nicht in einen Keller gehen, der mit Wasser vollläuft. Neben Fluten droht dort auch Stromschlag.
  • Nicht in Unterführungen, Tunneln oder Garagen Schutz suchen.

Und das sind die wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen bei Blitzschlag:

  • Obacht ist spätestens geboten, wenn weniger als zehn Sekunden zwischen Blitz und Donner liegen - Blitze sind dann nur noch gut drei Kilometer entfernt.
  • Wenn möglich, sollte man ein Gebäude oder Auto aufsuchen.
  • Zu meiden sind: Bäume, Anhöhen, feuchte Wände und am besten auch feuchte Böden. Keine Metallteile anfassen und weg mit dem Regenschirm.
  • In die Hocke gehen, Füße zusammenhalten. Abstand halten zu anderen Menschen.
  • Absteigen von Fahrrad oder Motorrad; mindestens drei Meter Abstand zu den Zweirädern.
  • Raus aus dem Wasser. Im Boot weg vom Mast, und sich klein machen.

Gewitter wie jene dieser Tage lassen gewaltige Wassermengen vom Himmel fallen; vielerorts brachten sie die Regenmenge eines normalen Monats. Ursache sind die hohe Feuchtigkeit und Langsamkeit der Luftmasse: Warme Luft, die mit Feuchtigkeit aus dem Mittelmeer vollgesogen ist, schiebt sich so langsam voran, dass Regenfälle lange auf dieselbe Stelle prasseln.

Die Folgen entziehen sich dem Alltagsdenken: Die Wassermassen verhalten sich exponentiell, sie nehmen also nicht gleichmäßig zu, sondern kaskadenartig: Bäche schwellen nicht allmählich an wie bei einer Flutwelle, sondern binnen Minuten oder Sekunden: Denn von allen Seiten schwemmt Wasser herbei, es sammelt sich auf Straßen, in Senken und Rinnen - Sturzfluten entstehen.

Von den Beinen gerissen

Bereits ein Wasserstand von wenigen Zentimetern reißt in solchen Strömen Menschen von den Beinen. Gegen kniehohe Sturzfluten kommen auch Autos nicht mehr an. Senken werden zu Wasserfallen; allen vier Todesopfern vom Sonntag wurden entweder Unterführungen, Keller oder Tunnel zum Verhängnis.

Gerade Siedlungen in Tälern sind in Gefahr. In vielen Orten mit kleinen Bächen zeugen Gedenktafeln von hohen Fluten. Besucher fragen sich dort oft, woher das Wasser gekommen sein mag - das örtliche Rinnsal scheint nicht infrage zu kommen. Ein Irrtum.

Wissenschaftler arbeiten an Warnsystemen: Bei Starkregen und alarmierenden Pegelständen an kleinen Bächen sollen sie Feuerwehr und Behörden informieren. Noch laufen aber nur Testsysteme an einzelnen Orten.

Eine direkte Warnung der Bürger unter Umgehung der Behörden sieht die deutsche Rechtslage ohnehin nicht vor. Weil hierzulande zudem viele Alarmsirenen abgebaut wurden, bleibt Anwohnern am ehesten die eigene Wachsamkeit - gerade in dieser Woche: Wetterdienste warnen vor weiteren Unwettern.