Ursachen der Erwärmung Umfragen sollen Klimastreit entscheiden

Welchen Anteil der Mensch am Klimawandel hat, ist umstritten. Eine Umfrage aber soll nun belegen, dass sich 97 Prozent der Klimaforscher einig sind. Doch eine weitere Studie zeichnet ein überraschenderes Meinungsbild. Was denken Experten über die Ursachen der Erwärmung?
Smog über Los Angeles: Treibhausgase wärmen die Luft

Smog über Los Angeles: Treibhausgase wärmen die Luft

Foto: Corbis

Hamburg - In den USA zweifelt Umfragen zufolge noch immer ein Gutteil der Bürger daran, dass der Klimawandel vom Menschen gemacht ist. Dabei zeigen schon physikalische Grundsätze, dass Treibhausgase die Luft erwärmen. Emissionen von Autos, Fabriken und Kraftwerken heizen die Atmosphäre auf, mahnen Klimaforscher deshalb seit Jahrzehnten. Lediglich über die Auswirkungen der Erwärmung streiten sie noch. Doch viele Amerikaner scheinen weiterhin überzeugt, dass der Mensch nichts mit der Erwärmung zu tun hat.

Um sie zu überzeugen, greifen Klimaforscher nun zu einem ungewöhnlichen Instrument: Die Analyse Tausender Studien und eine Umfrage unter den Autoren soll beweisen, dass nahezu alle Klimaforscher in ihrem Urteil übereinstimmen. Das Ergebnis: Von knapp 4000 Studien, die die Ursachen der Klimaerwärmung thematisierten, stützen 97 Prozent die Annahme vom menschgemachten Klimawandel.

"Wissenschaftler stimmen mit überwältigender Mehrheit darin überein, dass sich die Erde aufgrund des menschlichen Einflusses erwärmt", schreiben die Forscher um John Cook von der australischen University of Queenslandim Fachblatt "Environmental Research Letters" . Es gebe eine auffällige Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und Wirklichkeit. Die Autoren sprechen vom "Konsens über den menschgemachten Klimawandel" - und drohen damit die Verwirrung in der Öffentlichkeit weiter zu vergrößern.

Viele blieben außen vor

Denn die Umfrage belegt lediglich eine Banalität: Klimaforscher sind sich weitgehend einig, dass der Mensch zumindest einen Teil der Klimaerwärmung verantwortet. Die bedeutende Frage aber, wie groß der menschgemachte Anteil am Klimawandel ist, bleibt heiß umstritten - diesen zentralen Aspekt blenden die Autoren der Umfrage aus. Im Entwurf des nächsten Uno-Klimareports, der im September das Klimawissen zusammenfassen soll, heißt es: "Es ist extrem wahrscheinlich, dass menschliche Aktivitäten mehr als die Hälfte der Erwärmung seit den fünfziger Jahren verursacht haben". Die Schätzungen der Forscher über den genauen Anteil gehen allerdings auseinander - hier endet der Konsens.

Für die Erhebung haben Umweltaktivisten der Internetseite "SkepticalScience" Tausende Klimastudien ausgewertet. Die Freiwilligen prüften im Auftrag von Cook und seinen Kollegen, ob in den Zusammenfassungen der Arbeiten der menschgemachte (anthropogene) Klimawandel als gegeben vorausgesetzt wurde. Weniger als ein Prozent der Studien widersprachen ausdrücklich dem Einfluss des Menschen. Gut zwei Drittel hatten keine Position zu dem Thema - sie blieben außen vor. 97 Prozent der anderen legten einen menschlichen Einfluss zugrunde.

In einem zweiten Schritt wurden die Autoren schriftlich nach ihrer Bewertung gefragt, ob ihre Studien den menschgemachten Klimawandel voraussetzen. 35 Prozent gaben an, ihre Studien würden keine Position einnehmen - sie wurden für das Ergebnis nicht berücksichtigt. Jene Forscher, die ihren Studien hinsichtlich der Ursache der Erwärmung eine Position zuschrieben, waren sich fast alle einig: Rund 98 Prozent sagten, dass sie ihren Arbeiten einen Einfluss des Menschen zugrunde legten.

Skeptische Antworten

Eine andere aktuelle Umfragen kommt in dieser Hinsicht zu fast genau dem gleichen Ergebnis. 123 von 292 befragten Klimaforschern hätten an ihrer noch unveröffentlichten Studie teilgenommen, berichtet Senja Post von der Universität Mainz SPIEGEL ONLINE. Nur fünf von ihnen glaubten, dass natürliche Einflüsse die Hauptrolle bei der Erwärmung spielten. Allerdings fragte Post auch nach dem Ausmaß des menschlichen Einflusses - und da sah das Ergebnis anders aus. Nur 59 Prozent der Forscher gaben demnach an, dass die "Klimaentwicklung der vergangenen 50 Jahre überwiegend vom Verhalten der Menschen beeinflusst" werde. Ein Viertel meinte, menschliche und natürliche Einflüsse hielten sich die Waage.

Skeptisch hätten sich die teilnehmenden Forscher in ihrer Umfrage über Computermodelle geäußert, sagt die Kommunikationswissenschaftlerin Senja Post. Lediglich jeder zehnte habe Klimamodelle als "ausreichend präzise" bezeichnet. Und nur 15 Prozent hätten geantwortet, dass "klimatische Prozesse ausreichend verstanden" seien, um das Klima zu berechnen. Ein Fünftel bzw. ein Viertel meinten, dass empirische Messdaten bereits ausreichend verfügbar und präzise wären.

Die Wissenschaftler beweisen damit kritische Haltung angesichts hoher Unsicherheiten in ihrem komplexen Themengebiet. Daran, dass zahlreiche Studien Anlass zur Sorge um einen gefährlichen Klimawandel geben, ändern jedoch auch die Wissenslücken nichts. Genügend Futter für eine Fortsetzung der ideologisch geprägten Debatte ums Klima gibt es trotzdem - dem beschworenen Konsens zum Trotz.

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