Urvogel Archaeopteryx Forscher entdecken Spuren des Federkleids

Bisher bezeugen Abdrücke in Stein das Leben der Urzeit. Nun haben Forscher auf einem Archaeopteryx-Fossil Substanzen seines Gefieders nachgewiesen. Die Methode könnte die Kenntnis über ausgestorbene Tiere revolutionieren - sofern die Spuren nicht in Museen verwischt werden.

AP/ Science

Seit fast 150 Jahren liegt das wohl berühmteste Dinosaurierfossil nun schon im Museum. Generationen von Wissenschaftlern haben den Archaeopteryx untersucht, der als Bindeglied zwischen Dinosauriern und Vögeln gilt. Doch erst jetzt entdeckten Forscher, dass sich auf den versteinerten Knochen Originalspuren der Dinosaurier befinden, die vor 150 Millionen Jahren im Jura-Zeitalter lebten. Wo Paläontologen bisher lediglich Abdrücke des Gefieders wähnten, erspähten sie nun chemische Rückstände der Federn.

"Wir haben eine chemische Verbindung zwischen Vögeln und Dinosauriern nachgewiesen", berichtet der Geochemiker Roy Wogelius von der Universität Manchester. In letzter Zeit war eine nahe Verwandtschaft zwischen Vögeln und Dinosauriern in Frage gestellt worden. Die neue Arbeit indes rückt beide Tiergruppen wieder näher zusammen.

Der Durchbruch gelang den US-Forschern um Uwe Bergmann vom Stanford Linear Accelerator Center in Menlo Park, mit Röntgenstrahlung: Sie regt Spurenelemente zum Leuchten an - die Substanzen fluoreszieren. Das farbige Licht verrät, um welche chemischen Elemente es sich handelt. "Die Strahlung war so intensiv, dass wir kleinste Rückstände orten konnten", sagt Bergmann.

"Ein neues Fenster in die Vergangenheit"

Wie die Forscher nun im Wissenschaftsblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten, entdeckten sie in dem Fossil diverse Substanzen, aus denen Vögel ihr Gefieder aufbauen, etwa Phosphor und Schwefel. Auch Kupfer und Zink wurden gefunden. Beide Substanzen stärkten die Widerstandskräfte der Vögel. Dass die Substanzen nachträglich auf das Fossil geraten sein könnten, schließen die Forscher aus. Schließlich fänden sich die Elemente nur auf dem Fossil, nicht in dem umliegenden Gestein.

Die Röntgenmethode verspreche einen besseren Einblick in ausgestorbene Lebewesen, meinen die Forscher. Die Technologie öffne "ein neues Fenster" in die Vergangenheit, sagt Derek Briggs, Paläontologe an der Yale Universität in den USA. Nun ließen sich Fossilien erforschen, ohne sie jemals anzufassen. Eine Mahnung richten die Wissenschaftler jedoch an die Mitarbeiter von Museen: Sie sollten beim Präparieren von Fossilien vorsichtiger vorgehen - um die chemischen Spuren des Lebens nicht zu verwischen.

boj



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