Urzeit Armageddon aus dem All

Lange vor dem Ende der Dinosaurier vernichtete eine Katastrophe fast alles irdische Leben. Nun haben US-Forscher Hinweise auf die Ursache des Massentodes gefunden.


Washington - Das größte und rätselhafteste Massensterben der Erdgeschichte fand vor gut 250 Millionen Jahren statt und veränderte das Aussehen des Planeten völlig. Die Katastrophe am Ende des Perm vernichtete an Land 70 Prozent der Arten, im Meer überlebten nur zehn Prozent aller Spezies. Von den 15.000 Arten der Trilobiten - kakerlakenhafte Kreaturen, die über Millionen Jahre die Ozeane bevölkerten - blieb keine einzige übrig.

Meteoriteneinschlag: "Eine Million Mal vernichtender als das stärkste Erdbeben im letzten Jahrhundert"
NASA

Meteoriteneinschlag: "Eine Million Mal vernichtender als das stärkste Erdbeben im letzten Jahrhundert"

"Es war die Mutter aller Massensterben", sagt die Geowissenschaftlerin Luann Becker von der University of Washington. Über das urzeitliche Armageddon kursieren seit Jahren die abenteuerlichsten Theorien: Manche Forscher vermuteten, die Explosion einer Supernova habe zu dem Artensterben geführt, andere machten die Drift des Superkontinents Pangäa verantwortlich, durch die sich die Landmasse in eine Eiswüste verwandelt haben soll.

Weit verbreitet ist auch die Erklärung, nach der ein Meteoriteneinschlag die Katastrophe verursachte - nur leider gab es dafür bislang keinen stichhaltigen Beweis. Den will nun Becker mit ihrem Team gefunden haben: Die Forscher entdeckten in Ablagerungen aus der Zeit der Katastrophe chemische Verbindungen, die nach Ansicht der Wissenschaftler außerirdischen Ursprungs sind.

Dabei handelt es sich um Moleküle, die Buckminsterfullerene oder einfach "Buckyballs" genannt werden. Diese Bezeichnung verdanken die Fullerene ihrem fußballähnlichen Aufbau aus mindestens 60 Kohlenstoffatomen, der an die vom amerikanischen Philosophen und Architekten Richard Buckminster Fuller entworfenen Kuppelbauten erinnert.

Buckyball mit eingeschlossenem Edelgasatom: "Solche Moleküle bilden sich in Sternen"
REUTERS

Buckyball mit eingeschlossenem Edelgasatom: "Solche Moleküle bilden sich in Sternen"

Aufschlussreich sind die skurrilen Moleküle vor allem deshalb, weil sie unter Extrembedingungen andere Atome in ihrem Innern einschließen können. Genau solche Rückstände entdeckten Becker und ihre Kollegen bei der Analyse: Die Buckyballs enthielten Edelgase in einer ungewöhnlichen Zusammensetzung, die normalerweise nicht auf der Erde vorkommt. Für Becker ist klar: "Solche Moleküle bilden sich in Sternen."

Das Forscherteam glaubt deshalb, dass die Buckyballs mit einem 6,5 bis 13 Kilometer großen Meteoriten oder Kometen auf die Erde kamen, der vor rund 250 Millionen Jahren einschlug. "Der Aufprall setzte eine Vernichtungskraft frei, die eine Million Mal größer war als die des stärksten Erdbebens im letzten Jahrhundert", schätzt Robert Poreda, der ebenfalls an der in der aktuellen Ausgabe von "Science" veröffentlichten Studie beteiligt war.

Die Kollision sei zwar nicht direkt für das Massensterben verantwortlich gewesen, glauben die Wissenschaftler. Doch der Einschlag könnte von einer erhöhten Vulkanaktivität über Klimaschwankungen bis hin zu Veränderungen des Sauerstoffgehalts im Ozean eine Vielzahl fataler Entwicklungen in Gang gesetzt haben, vermutet Becker: "Um 90 Prozent aller Lebewesen zu vernichten, muss man sie schon von mehr als nur einer Seite angreifen."



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.