Urzeit Half ein Meteorit den Sauriern?

Nicht nur das Ende, auch der Aufstieg der Saurier könnte auf den Einschlag eines Meteoriten zurückgehen. Eine neue Studie legt nahe, dass die Riesenechsen Unterstützung aus dem All erhielten.


Rekonstruktion eines frühen Raubsauriers: Leitete ein Meteorit die Blütezeit ein?
AP

Rekonstruktion eines frühen Raubsauriers: Leitete ein Meteorit die Blütezeit ein?

Die Geschichte des irdischen Lebens ist reich an Katastrophen: Immer wieder wurden zahlreiche Arten schlagartig ausgelöscht, das große Sterben schaffte Platz für neue Kreaturen. Die wohl berühmteste dieser Katastrophen ereignete sich vor rund 65 Millionen Jahren und bereitete den Dinosauriern ein plötzliches Ende.

Viel früher hatten die Riesenechsen jedoch selbst von einem Artensterben profitiert. Im Trias mussten sie sich den Lebensraum an Land noch mit großen, säugetierähnlichen Reptilien teilen. Das änderte sich, als diese Konkurrenten vor etwa 200 Millionen Jahren von der Bildfläche verschwanden. Kleine Säugetiere und viele Saurierarten überlebten die Katastrophe, Letztere entwickelten sich im folgenden Jura zu den unangefochtenen Herrschern des Planeten.

Unklar ist bislang, was damals rund 50 Prozent aller Arten auf der Erde vernichtete. Wichtige Aufschlüsse könnte jedoch eine neue Studie liefern, die ein Team um Peter Ward von der University of Washington jetzt in der Fachzeitschrift "Science" veröffentlichte. Das Massensterben, so die Forscher, vollzog sich vermutlich in weniger als 10.000 Jahren - in geologischer Zeitrechnung ein Wimpernschlag. Dieses Ergebnis widerspricht früheren Spekulationen, nach denen sich der Wandel über Millionen Jahre erstreckte.

Nasa-Vision eines Meteoriten-Einschlags: Drastisch veränderte Lebensbedingungen
NASA/ Don Davis

Nasa-Vision eines Meteoriten-Einschlags: Drastisch veränderte Lebensbedingungen

Ward und seine Kollegen hatten auf abgelegenen Inseln vor der Westküste Kanadas Ablagerungen in Gesteinsschichten untersucht. Dabei entdeckten sie, dass der Anteil an organischem Kohlenstoff, der von Pflanzen stammt, genau zum Zeitpunkt der Katastrophe rapide abfiel. Gleichzeitig wurden einzellige Lebewesen im Meer in kurzer Zeit ausgerottet. Eine mögliche Erklärung für diesen Kollaps wäre der Einschlag eines Meteoriten, durch den sich die Lebensbedingungen auf der Erde drastisch veränderten.

Ein konkreter Hinweis auf eine solches urzeitliches Armageddon am Ende des Trias fehlt allerdings noch. Für die Theorie, nach der das spätere Massensterben der Dinosaurier durch einen Meteoriteneinschlag ausgelöst wurde, gelten erhöhte Iridiumkonzentrationen in den entsprechenden Gesteinsschichten als bestes Argument. In den Ablagerungen aus der Zeitenwende am Ende des Trias ließ sich dieser Effekt bislang noch nicht nachweisen. Ward und seine Kollegen wollen im Sommer auf die Inseln zurückkehren, um weitere Proben zu entnehmen.

Auch ein passender Meteoritenkrater ist bislang nicht gefunden. Ward hat den Manicouagan-Krater im kanadischen Quebec in Verdacht, der früheren Datierungen zufolge vor 214 Millionen Jahren entstand - deutlich vor dem Beginn des Massensterbens. Diese zeitliche Einordnung könnte jedoch falsch sein, vermutet der Geologe. Eine erneute Überprüfung soll demnächst klären, ob der Einschlag möglicherweise doch später erfolgte und somit für die Katastrophe verantwortlich sein könnte.

Wenn die Forscher die Umwälzungen am Ende des Trias tatsächlich auf den Aufprall eines Meteoriten zurückführen können, wäre es das dritte der fünf großen Massensterben in der Erdgeschichte, das mit einem Einschlag in Verbindung gebracht wird. Dazu zählt auch die Katastrophe am Ende des Perm, bei der vor 250 Millionen Jahren rund 90 Prozent aller Meeresorganismen und viele Landtiere vernichtet wurden: Forscher entdeckten in Ablagerungen aus dieser Zeit fußballförmige Moleküle, die vermutlich außerirdischen Ursprungs sind.

Martin Paetsch



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