Hurrikan "Dorian" Das Energiemonster vor der US-Küste

Die Bahamas wurden vom schwersten Sturm seit Beginn der Aufzeichnungen getroffen. Jetzt bewegt sich "Dorian" Richtung US-Küste - nur in Schrittgeschwindigkeit, doch das macht ihn noch bedrohlicher.

NASA EARTH OBSERVATORY HANDOUT/ EPA-EFE/ REX

Für Donald Trump müssen es immer Superlative sein. Als der US-Präsident kürzlich die Katastrophenschutzbehörde Fema besuchte, war natürlich der nahende Hurrikan "Dorian" Thema - Trump hatte wegen der Gefahr, die US-Bundesstaaten durch den Hurrikan droht, sogar einen Besuch in Polen abgesagt. Er wisse zwar, sagte der Präsident, dass es die Warnstufe 5 gebe, aber er habe noch nie von einem Wirbelsturm gehört, der diese höchste Stufe tatsächlich erreicht habe.

Wie so oft, wenn es um Fakten geht, lag Trump daneben: Allein während seiner Amtszeit gab es schon vier Hurrikane dieser höchsten Kategorie, die über das US-amerikanische Festland fegten.

Dennoch: Eindrucksvoll und bedrohlich ist "Dorian" allemal.

Erst am Sonntag war der Hurrikan in die Kategorie 5 hochgestuft worden. In diesen höchsten Bereich gelangen Stürme nur, wenn sie Windgeschwindigkeiten von mehr als 250 Kilometern pro Stunde erreichen. Das Satellitenbild oben, das die Nasa mit ihrem Erdbeobachtungssatelliten "Aqua" aufgenommen hat, zeigt "Dorian" über den Bahamas. Das Bild wurde am Sonntag um 14.05 Uhr (Ortszeit) gemacht. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Auge des Sturms genau über der Insel Great Abaco.

Laut dem U.S. National Hurricane Center (NHC) ist "Dorian" der stärkste Sturm im Nordwesten der Bahamas seit Beginn der Aufzeichnungen. Dort hat er massive Schäden verursacht: Dächer wurden abgedeckt, Autos umgestürzt und Stromleitungen gekappt. Nach Angaben des Roten Kreuzes sind mehr als 13.000 Häuser beschädigt.

"Dorian" hatte am Sonntag mit Windgeschwindigkeiten von nahezu 300 Kilometern die nördlichen Ausläufer des Inselstaats erreicht. Über das Ausmaß der Schäden gibt es bislang keine genauen Angaben, sie dürften erheblich sein.

Nun könnte der Wirbelsturm bald die Küste der USA erreichen - nach letzten Prognosen frühestens am Montagabend oder am Dienstag. Nach jüngsten Schätzungen könnte er Florida knapp verfehlen, aber dennoch kräftige Stürme an die Küsten treiben. Die Bundesstaaten Georgia oder South Carolina könnte es schwerer treffen: Erreicht der Sturm hier das Land, drohen Schäden wie abgedeckte Häuser, eingeknickte Bäume und Strommasten sowie ein Zusammenbruch der Strom- und Kommunikationsnetze. Auch hohe Sturmfluten werden erwartet.

Für die laufende Hurrikansaison, die noch bis Ende November dauert, hat der National Weather Service mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent fünf bis neun Wirbelstürme vorhergesagt, bis zu vier könnten eine hohe Intensität erreichen.

Damit Hurrikane entstehen können, braucht es verschiedene Faktoren: Ein windstilles Tiefdruckgebiet über dem Meer und warme Wassertemperaturen über 26 Grad. Dann steigt verdunstetes Wasser auf, kondensiert und bildet sich zu großen Wolken aus.

Vereinfacht gesagt, nimmt der Sturm durch das Wasser riesige Energiemengen auf: Durch das Aufsteigen und Kondensieren entsteht ein Unterdruck, der ihn vorwärts treibt. In der Folge strömt immer mehr Luft nach oben und wird schließlich herumgewirbelt. Ein ausgeprägter Hurrikan kann eine Energieleistung von 50 bis 200 Billionen Watt freisetzen. Der Großteil davon tritt als Wärme auf.

Erreicht die Rotation der Luft eine Windgeschwindigkeit von etwa 120 Kilometern pro Stunde, spricht man von einem Hurrikan der Kategorie eins. Doch auch die Geschwindigkeit, mit der sich das gesamte Hurrikansystem bewegt, spielt eine Rolle. "Dorian" kommt laut Daten des NHC derzeit kaum vom Fleck - er zieht mit nicht einmal zwei Kilometern pro Stunde Richtung Westen.

Ein Grund zur Entwarnung ist das nicht - im Gegenteil. Denn Wirbelstürme bringen verheerenden Regen und Überschwemmungen mit sich, sie verursachen oft mehr Zerstörung als die Winde allein. Treffen Hurrikane mit niedriger Geschwindigkeit auf Land, regnen auch größere Niederschlagsmengen herab, weil sie länger verweilen.

Forscher haben schon länger beobachtet, dass Hurrikane, Taifune und Zyklone, wie solche Stürme je nach Region heißen, langsamer werden. Dafür steigt aber das Maß der Zerstörung, die sie anrichten. Auch die Kategorie, in der sie eingeordnet sind, sagt nicht unbedingt etwas über die Höhe der Schäden aus, die sie an Land hinterlassen. Teils waren auch Stürme mit den Kategorien 1 bis 3 in den vergangenen Jahren sehr zerstörerisch. Aufgrund der Klimakrise werden Wirbelstürme nicht unbedingt zunehmen, aber sie könnten höhere Intensitäten erreichen, glauben Klimaforscher.

Immerhin: Zuletzt hatte das National Hurricane Center mitgeteilt, dass der Hurrikan sich vermutlich abschwächen wird. Aber ein gefährlicher Sturm wird er auch in den nächsten Tagen bleiben. Die Lage bleibt also angespannt.

joe

insgesamt 43 Beiträge
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shmubu 02.09.2019
1. Polemik vs. Fakten
Eingangs wird Trump vorgehführt, weil er die vergangenen Kat 5 Stürme "verpasst" hat, in der Grafik unten fehlen diese dann aber ebenfalls. Zudem stützt sich die Polemik auf einen Twitter Post ab, in dem "Irma" als Kat 5 genannt wird. In der Grafik ist Irma aber eindeutig als Kat 4 verzeichnet. Bitte führt Trumps faktennegierendes Geschwafel weiter auf und demaskiert ihn mit Inhalten. ABER: Bevor Ihr selbst Falschnachrichten vertreibt (entweder Text oder Grafik stimmen nicht), lasst es lieber bleiben.
mwroer 02.09.2019
2.
"Wie so oft, wenn es um Fakten geht, lag Trump daneben: Allein während seiner Amtszeit gab es schon vier Hurrikans dieser höchsten Kategorie, die über das US-amerikanische Festland fegten." Welche sind das denn gewesen? Ausgehend davon das Donald Trump seit 2017 Präsident ist, fällt mir spontan nur Irma ein und die ist als Kategorie 4 Hurrikane auf die USA gestoßen. Selbst wenn ich Maria, der Hurrikane der auf Puerto Rico getroffen ist, mitzähle weil irgendwie US Außengebiet - auch der war dort 'nur noch' Kategorie 4. Harvey hatte beim Landkontakt auch 'nur' Kategorie 4. Also welche vier Hurrikans der Kategorie 5 haben die USA tatsächlich als Kategorie 5 getroffen? Würde mich jetzt wirklich interessieren.
bigroyaleddi 02.09.2019
3. Es ist ein bekanntes Wetterphänomen
Gut, die Auswirkungen könnten immer erheblicher werden. Aber das ist doch für die Amis nichst neues. Die kennen das doch schon seit Anfang an. Das einzige, was mich an diesem Artikel erschreckt ist die Unwissenheit von Donald. Aber da bin ich halt mit meinen Voruerteilen wieder einmal bestätigt worden.
davidmasch 02.09.2019
4. Hurrikane der Stufe 5
"Allein während seiner Amtszeit gab es schon vier Hurrikane dieser höchsten Kategorie, die über das US-amerikanische Festland fegten." steht oben im Artikel. Die Grafik liefert nur drei solche Ereignisse in den letzten Jahrzehnten. Was stimmt denn nun?
quacochicherichi 02.09.2019
5. Erstaunlich
das Trump noch nicht verlangt hat, der Grösse seiner Präsidentschaft entsprechend, eine Kategorie 6 einzuführen. Twitter Trump: es gab noch nie einen grösseren Wirbelsturm als in meiner Präsidentschaft. Erst wollte ich ihn mit einer Atombombe stoppen, aber als man mir auf meine Nachfrage die Folgen erklärt hat, habe ich das 10 Sekunden vor dem Start gestoppt. Sobald Melania ihr Outfit ausgewählt hat, packen wir die Haushaltrollen ein und fliegen ins Katastrophengebiet.
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