Satellitenbild der Woche Ein See sieht schwarz

Im Norden Venezuelas gibt es viel Grün, doch manche Gegenden sind so verschmutzt, dass sie als Erholungsgebiet nicht taugen. Unser Satellitenbild zeigt einen Ort, der schon Alexander von Humboldt negativ auffiel.

Der Valenciasee im Norden Venezuelas
ESA

Der Valenciasee im Norden Venezuelas


Als Alexander von Humboldt im späten 18. Jahrhundert den Valenciasee im Norden Venezuelas erreichte, wurde ihm klar, wie sehr der Mensch die Natur beeinflussen kann. Ihm fiel das öde Land rund um das Ufer auf. Dichte Vegetation war Zucker- und Tabakplantagen gewichen. Den sinkenden Wasserspiegel führte er auf klimatische Veränderungen zurück.

"Wenn Wälder zerstört werden, trocknen Wasserquellen aus", schrieb er zwischen 1814 und 1817 in seinem Reisebericht "Relation historique du voyage aux régions équinoxiales du nouveau continent".

Er beobachtete außerdem, wie sich Flüsse in reißende Ströme verwandelten, sobald es in höheren Lagen regnete. Die Zerstörung der Wälder, der Mangel an Trinkwasser und die reißenden Flüsse seien drei Phänomene, die eng miteinander zusammenhängen, berichtete von Humboldt.

Am schlechten Zustand der Natur rund um den Valenciasee hat sich bis heute kaum etwas verändert, wie eine Aufnahme der "Sentinel-2"-Satelliten vom 2. Februar 2019 zeigt, das die Esa nun veröffentlicht hat. Das Falschfarbenbild stellt die Vegetation im nördlich des Sees gelegenen Nationalpark Henri Pittier in hellem Grün dar, das einen starken Kontrast zum deutlich dunkleren See bildet. Gebäude erscheinen in hellem Violett.

Dreck im See

Der Valenciasee ist 370 Quadratkilometer groß und vor einigen Millionen Jahren entstanden. Im Nordosten grenzt die Stadt Maracay an das Gewässer, im Westen die Stadt Valencia. Bis heute gelangt aus den Industriegebieten der Städte und von landwirtschaftlichen Flächen Schmutzwasser in den See.

Er ist so stark kontaminiert, dass es immer wieder zu starken Algenblüten kommt. Sterben die Algen ab, können durch Sauerstoffmangel tote Zonen im Wasser entstehen. Zwischen 1960 und 1990 ging mehr als 60 Prozent des ursprünglichen Fischbestands im See verloren.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Das schadet auch der Wirtschaft in der Region. Tourismus gibt es hier kaum, und auch als Naherholungsgebiet eignet sich der See nicht.

jme



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