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Eisbären: Fett? Na und!

Foto: Jonathan Hayward/ AP

Cholesterin-Trick Warum Eisbären fett und trotzdem gesund sind

Eisbären bestehen zu 50 Prozent aus Fett - zum Schutz gegen die Kälte. Der dafür notwendige Cholesterinspiegel würde Menschen im Nu Herz-Kreislauf-Erkrankungen bescheren. Doch die Raubtiere schützt ein genetischer Trick.

Eisbären haben eine besondere genetische Ausstattung, seit sie sich in der Evolution vom Braunbären abgespalten haben. Sie sorgt dafür, dass ihnen auch ein sehr hoher Cholesterinspiegel nichts ausmacht, wie ein internationales Forscherteam im Fachjournal "Cell"  berichtet. Nach der Abspaltung seiner Ahnenreihe von der des Braunbären vor weniger als 500.000 Jahren habe sich das Erbgut des Eisbären schnell an eine fettreiche Ernährung angepasst, schreiben die Wissenschaftler um Rasmus Nielsen von der University of California in Berkeley.

Das Team sequenzierte und analysierte das Erbgut von 79 grönländischen Eisbären und zehn Braunbären aus Skandinavien, Kanada und Alaska. Dabei stellte es fest, dass Eisbären und Braunbären später getrennte Wege gingen als bisher angenommen, nämlich vor 343.000 bis 479.000 Jahren. Eine frühere Studie hatte 600.000 Jahre ermittelt. "Es ist wirklich überraschend, dass der Zeitraum seit der Abzweigung so kurz ist", erklärt Nielsen.

"Das Leben des Eisbären dreht sich um Fett"

Womöglich hätten sich Braunbären während einer wärmeren Periode zwischen zwei Eiszeiten weit in den Norden gewagt, schreibt die University of California in einer Mitteilung. Als es wieder kälter wurde, sei ihnen der Rückweg durch Wasser abgeschnitten gewesen und sie hätten sich an die schwierigen Bedingungen der Arktis anpassen müssen. Einen Großteil ihrer Energie beziehen Eisbären aus Robben und ihrem Speck.

Wesentliche genetische Unterschiede zwischen Braun- und Eisbären betreffen der Studie zufolge das Herz-Kreislauf-System und den Fettstoffwechsel. Besonders viele Veränderungen habe es bei dem Gen APOB gegeben. Es spielt nach Angaben der Forscher eine wichtige Rolle bei dem Vorgang, Cholesterin aus dem Blut in die Körperzellen zu transportieren und damit Herz-Kreislauf-Risiken zu reduzieren.

"Das Leben des Eisbären dreht sich um Fett", sagte Koautorin Eline Lorenzen. Das gelte nicht nur für ihren Energiehaushalt. "Eisbären leben in der Polarwüste und haben die meiste Zeit des Jahres keinen Zugang zu frischem Wasser. Deshalb sind sie auf Stoffwechselwasser angewiesen, das ein Nebenprodukt der Fettaufspaltung ist." Die Forscher hoffen, dass die Studie auch zu neuen Therapien von Herz-Kreislauf-Erkrankungen des Menschen führen kann.

chs/dpa
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