Verbotene Wachstumsmittel Die meisten Hähnchen bekommen Antibiotika

Illegales Doping fürs Geflügel: Laut einer neuen Studie setzen deutsche Hähnchen-Mastbetriebe deutlich mehr Antibiotika ein als bisher bekannt. Doch mit der Gabe der Medikamente werden nicht nur die Tiere größer - sondern auch die Gesundheitsgefahren für Menschen.

Torsten Mehltretter

Hamburg - Hähnchen werden einer unveröffentlichten Untersuchung zufolge deutlich stärker mit Antibiotika gefüttert als angenommen. Einer bundesweiten Studie zufolge setzen Züchter die Medikamente weitaus häufiger ein als bekannt. Das berichtet der Hörfunksender NDR Info am Freitag. Danach seien in 83 Prozent der untersuchten Mastdurchgänge antimikrobiell wirksame Mittel verabreicht worden. Mäster hätten bis zu acht verschiedene Antibiotika ins Futter gemischt.

Das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium verantwortet die Studie und widersprach dem Bericht auf Nachfrage nicht. Es gebe jedoch keinen Kommentar, solange die Studie nicht offiziell veröffentlicht worden sei, sie liege bisher nur im ersten Entwurf vor, sagte ein Sprecher. Die Publikation solle Ende November erfolgen.

Die Überwachungsbehörden haben dem NDR-Bericht zufolge die Daten von 962 Hähnchenmastdurchgängen aus 182 Betrieben im ersten Halbjahr 2011 ausgewertet. Die Studie legt demnach den Schluss nahe, dass Mäster Antibiotika trotz Verbots als Wachstumsdoping einsetzen.

Vor der Schlachtung soll ein Amtstierarzt die Tiere kontrollieren, ob genügend Zeit zwischen dem letzten Tag der Medikamentengabe und der Schlachtung vergangen ist. Die Ruhezeit ist so festgelegt, dass in den Nieren und im Muskelfleisch nur noch Antibiotikamengen festgestellt werden, die unterhalb eines Grenzwertes liegen.

Das Bundesverbraucherschutzministerium hat die Länder aufgerufen, mögliche Verstöße gegen den Antibiotika-Einsatz in der Hähnchenmast konsequent zu verfolgen. Es gebe klare Vorschriften für die Nutzung von Antibiotika, sagte eine Sprecherin des Ministeriums am Freitag in Berlin. Wer dagegen verstoße, mache sich strafbar. Die Einhaltung dieser Regeln kontrolliere jedoch nicht der Bund. "Das ist Aufgabe der Länder."

Erst kürzlich waren Forscher zu einem anderen beunruhigendem Ergebnis bei der Tierzucht gekommen: Bakterien, die gegen Antibiotika resistent sind, bedrohen demnach die Gesundheit von Millionen. Zu den Brutstätten der Bakterien zählen neben Kliniken Mastanlagen mit ihrem hohen Antibiotika-Einsatz.

Resistente Keime sind seit Urzeiten im Umlauf. Vermutlich sind sie einst durch zufällige Mutationen im Erbgut entstanden. Besonders gut breiten sie sich aus, wenn Antibiotika im Spiel sind: Die Medikamente töten jene Bakterien, die sensibel für diese Substanzen sind - und machen so das Feld frei für die resistenten Keime, die sich dann ungehindert vermehren können. Die Experten warnten: Die Gefahr könnte weitaus größer sein als bisher gedacht.

boj/dapd

insgesamt 51 Beiträge
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Beduine, 28.10.2011
1. Würg!!!
Der Film über diesen Hühnerquäler Wiesenhof hat mir den Rest gegeben. Seidem der Film vor einigen Monaten im Fernsehen lief, habe ich kein Fleisch in Restaurant oder Kantine mehr angerührt. Auf den Teller kommt nur noch einmal pro Woche das Fleisch vom Metzger meines Vertrauens. Geflügel kaufe ich zweimal im Monat bei Hermannsdorfer. Das reicht an Fleisch. Lieber wenig Fleisch und dafür was Ordentliches, als diese verbrecherischen perversen Dreckspraktiken irgendwie zu unterstützen.
Teile1977 28.10.2011
2. Gefahr
Jährlich sterben in deutschen Krankenhäusern ca 10 000 Menschen an resistenten Bakterien, tendenz Steigend. Genetische untersuchungen an diesen Bakterien besagen das ca 70% von ihnen aus Tiermastanlagen stammen. Um die Gewinne dieser Bauern zu steigern nehmen wir bewust den Tot von Menschen in Kauf. Gefährlich wird es aber wenn ein Killerbakterium (Typhus, Pest, Colera, Grippe...) nicht mehr auf unsere Medikamente reagiert.
maxgil 28.10.2011
3. Unglaublich
Der Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung ist unverantwortbar. Es wurde dringend Zeit, dass dieses Thema aufgegriffen wird. Hier setzt sich die Gier einer Lobby von Pharmafirmen und Massentierhaltern gegen jeden gesunden Menschenverstand durch und wird auch noch von usneren Politikern gedeckt. AB wurden schon in der Umgebung von Massenställen nachgewiesen, sowie resistent Staphylokokken (MRSA), kein Wunder dass wir n der Medizin immer mehr damit zu kämpfen haben und die Patienten an eigentlich simplen Infektionen wegsterben. Das muß endlich aufhören!!
@zend 28.10.2011
4. Einfach nur kriminell
Auf Einsicht ist bei den Mästern offensichtlich nicht zu setzen. Das maximal rudimentäre Verständnis für die heraufziehende Gefahr der nicht mehr zu bekämpfenden Multiresistenzbildung wird gegen den kurzfristigen Nutzen der Mastbeschleunigung sträflichst ignoriert. Ich kann mich an die gleichen Warnungen schon aus den 80ern des letzten Jahrtausends erinnern - oder war es schon davor? Profitgier frist wohl IMMER die Vernunft :-( Hilft wohl nur Gefängnis...
herbert 28.10.2011
5. eine ganz einfache Lösung !
die Massenhähnchen nicht mehr essen ! In den Fischteichen macht man das doch auch ! Jeder der den Verstand hat, weiss doch was da abgeht. Also zum klassischen Bauern gehen und ein Huhn vom Felde kaufen. Die Hähnchenlobbyisten sitzen in der Politik und machen nichts. Hier geht es um Geld und Gewinn ! Es gibt doch genug Umweltorganisationen und besonders die Dagegenpartei Die Grünen, die mit einer Anzeige und Überprüfung auf Antibiotika ganz schnell Klarheit bringen können. Was machen die Grünen? Ich höre nichts !
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