Uno-Bericht Industrieländer sperren sich gegen mehr Klimaschutz

Bei einem Sondergipfel in der kommenden Woche will Uno-Chef Antonio Guterres die Welt zu mehr Klimaschutz bewegen - was dringend nötig ist. Ein neuer Bericht zeigt, dass gerade die schlimmsten Klimasünder strengere Ziele ablehnen.

US-Kohlekraftwerk: Die Länder, die für ein Viertel der globalen CO2-Emissionen verantwortlich sind, tun zu wenig
Mark Wilson/ Getty Images

US-Kohlekraftwerk: Die Länder, die für ein Viertel der globalen CO2-Emissionen verantwortlich sind, tun zu wenig


Es war ein Kunstgriff, der Historisches möglich machte. Der Klimavertrag von Paris wurde bei den Verhandlungen im Jahr 2015 so formuliert, dass die Staaten der Welt nicht dazu gezwungen werden Treibhausgase einzusparen. Stattdessen verpflichten sie sich freiwillig dazu. Das brachte dem Abkommen die breite Zustimmung, die es für eine globale Wirkung braucht.

Allerdings ist klar, dass die aktuellen Versprechen der Länder nicht ansatzweise ausreichen, um die Erderwärmung auf zwei oder gar anderthalb Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung zu begrenzen. Dabei ist dieses Ziel im Vertrag eigentlich festgelegt. Was also tun?

Bevor die Regeln des Abkommens im Jahr 2020 überhaupt zu wirken beginnen, sollten möglichst viele Staaten ihre Selbstverpflichtungen noch einmal verschärfen. So wünscht es sich Uno-Generalsekretär Antonio Guterres. Für den kommenden Montag hat er in New York dafür eigens einen Sondergipfel einberufen. Ein nun kurz vor diesem Treffen veröffentlichter Bericht von Uno-Klimasekretariat (UNFCCC) und Uno-Entwicklungsprogramm (UNDP) könnte ihm dabei helfen, den Druck gerade auf die Industriestaaten noch einmal zu erhöhen.

Der Bericht "The Heat Is On: Taking Stock of Global Climate Ambition" belegt, dass zwar mindestens 112 Länder planen, ihre aktuellen Klimapläne bis 2020 zu überarbeiten - ob sie ihre Klimaschutzbemühungen tatsächlich verstärken, ist jedoch völlig unklar. Möglich ist auch, dass sie lediglich ohnehin geplante Einzelmaßnahmen leicht variieren. Zwar sehen die Regeln von Paris vor, dass sich das Ambitionsniveau nicht verschlechtern darf. Einen Automatismus für strengere Selbstverpflichtungen gibt es aber nicht. Verpflichtend ist es nur, alle fünf Jahre einmal darüber zu reden.

Immerhin 75 Länder haben laut dem Bericht zugesagt, ihre Klimapläne auf jeden Fall zu verbessern. Bei diesen Staaten handele es sich allerdings fast ausnahmslos um Entwicklungsländer so UNFCCC und UNDP. Der Großteil der Industrieländer habe sich dagegen noch nicht festgelegt, ob und wie sie ambitionierteren Klimaschutz betreiben wollten.

"Einige Länder haben sich bereits sehr ehrgeizige Ziele gesetzt, andere suchen nach Wegen, dies zu tun", so Patricia Espinosa, die Chefin des Uno-Klimasekretariats. "Es ist Zeit, dass der Rest der Welt sich anschließt und die Ambitionen unterstützt."

Doch nicht alle mögen solche Aufforderungen hören: Insgesamt 14 Länder, die für 26 Prozent der globalen Treibhausgase verantwortlich sind, haben bereits signalisiert, dass sie bis 2020 nichts an ihren Klimaplänen ändern werden. Darunter viele Industrieländer. Die USA wollen den Vertrag von Paris gar verlassen, auch Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro hat sich extrem kritisch geäußert. Beide Staaten sollen bei Guterres' Sondergipfel am Montag kein Rederecht erhalten, heißt es.

Deutschland wird bei dem Treffen von Bundeskanzlerin Merkel vertreten. Ob sie dabei einen formalen Kabinettsbeschluss für strengere Regeln zum Klimaschutz verkünden kann, ist noch nicht klar. Union und SPD streiten unter anderem darüber, ob eine CO2-Steuer oder ein nationaler Emissionshandel für die Sektoren Gebäude und Verkehr eingeführt wird. Zwar trifft sich am Freitag das Klimakabinett, die Entscheidungen müssen aber von der gesamten Regierung verabschiedet werden. Ob es bis zum Gipfelstart dazu kommt, war am Mittwoch noch nicht klar.

chs

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Smarty- 18.09.2019
1. Gemeinsam
Bekommen wir den Planeten schon ruiniert. Noch ca 100 Jahre, dann wird es in vielen Teilen der Erde nicht mehr möglich sein, weder Landwirtschaft zu betreiben, noch dort zu leben. Der Erde ists Wurscht, die kommt auch ohne uns zurecht.
kika2012 18.09.2019
2. Toll
aber wir hier sollen auf alles verzichten. Nein Danke
flaffi 18.09.2019
3. Ich glaube nichts mehr
Wenn man diesen Beitrag liest, dann wird völlig klar, diese ganzen Absichtserklärungen sind totaler Stuß. Diese UN ist genauso wie der Völkerbund eine sinnfreie Veranstaltung, die irgendwelchen Pfeifen, Pöstchen, Dienstreisen und geile Buffets spendiert. Vielleicht trifft man noch jemand attraktives zum Fremdgehen. Politiker sind Mist, Journos sind verlogen. Was erwartet die Menscheit eigentlich noch?
nomadas 18.09.2019
4. Die Hoffnung stirbt zuletzt
Nach allem was wir heute wissen (99,94% der Fachwelt) und nach allem was wir aus dem Verhalten der Menschheitsgeschichte bereits kennen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Planet sich diesmal erstmalig -menschengemacht- so radikal verändern wird, dass er höchstens für eine minikleine Minderheit der Nordhalbkugel -vielleicht ein Rest- ein Überleben möglich sein könnte. Grönland spielt dabei eine große Rolle, weswegen Herr Trump es kaufen wollte. Das Steigen des Meeresspiegel und die extreme Hitze allein, reichen schon, um das Überleben für ganz Viele unmöglich zu machen. Dazu die zunehmenden, extremen Naturkatastrophen, die Vermüllung, die Verschmutzung, die Verseuchung, das Ausgehen der Ressourcen, insbesondere das Trinkwasserproblem, lassen schichtweg nichts Gutes erkennen. Wenn wir dazu -systemimmanent- noch Kriege implizieren müssen, dann ist jeder Kommnentar überflüssig. An einen atomaren SuprGAU nicht einmal zu denken. Herr Hawking gab dem homo sapiens noch 100 Jahre, das wird die Halbwertzeit des Status Quo widerlegen. Es wird alles viel schneller gehen als wir heute auch nur erahnen können. Die Gipfelhopping Politmaschine ist völlig sinnlos, denn sie ändert nichts wirklich, da sie keine Alternative hat, zum neoliberalen Kapitalismus, der, sebst wenn er GRÜN würde, nichts am Wesentlichen ändert. Mit andern Worten, machen wir uns nichts vor, verabschieden wir uns von Illusionen und sehen wir der Wahrheit erwachsen ins Auge. Das "Große Loslassen", wie Anselm Grün das Sterben bezeichnet, hat ganz sicher bereits begonnen. Nicht schimm, dank Margot Kässman, denn, wir fallen nur in Gottes Hände!
Marvin__ 18.09.2019
5. Für die Bundeswehr ist Geld da, nicht aber für das Klima
Schon bemerkenswert, dass sich ohne Grund und ohne konkrete Ziele praktisch unbegrenzt Geld findet für die Bundeswehr. Weil irgendwelche Kriegstreiber ohne Budgetmandant in Deutschland vor ein paar Jahren "beschlossen" haben, mehr Geld für Panzer und Raketen aus zu geben. Für das Klimaschutzabkommen, das von Regierungschefs beschlossen wurde, findet sich kein Geld. Warum eigentlich nicht? Im Zweifelsfall verzichten wir halt auf die Panzer.
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