Balzverhalten Froschweibchen stehen auf Cityboys - und nicht auf Landeier 

Ob ein Tungara-Frosch in der Wildnis oder in besiedelten Regionen lebt, hat Einfluss auf seinen Erfolg bei Weibchen. Denn die stehen auf die viel komplexeren Balzlaute der Stadtfrösche.

Männlicher Tungara-Frosch
Adam Dunn

Männlicher Tungara-Frosch

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Ich gebe es besser gleich zu: Ich komme vom Dorf. Und trotzdem habe ich eine Frau abgekriegt, wie es bei uns heißt. Doch wäre ich ein Tungara-Frosch, hätte es kompliziert werden können mit der Partnersuche. Denn als Tungara-Frosch vom Land hätte ich mich wohl einfach nicht so gut ausdrücken können, wie meine männliche Konkurrenz aus der Stadt.

Genau diesen Mechanismus haben Forscher bei der in Süd- und Mittelamerika häufig vorkommenden Art entdeckt. Die braungrünlichen und etwa drei Zentimeter großen Tiere leben sowohl in urbanen Regionen als auch in ländlichen. Sie bevorzugen kleinere Tümpel oder überflutete Graslandschaften als Lebensraum. Zur Paarungszeit hocken sie nachts in Tümpeln und probieren, mit ausgeprägten Lauten Weibchen anzulocken.

Die Balzlaute der Tiere sind bemerkenswert komplex. Sie beginnen mit einer Art Heullaut, dann kommen noch weitere Komponenten hinzu, sogenannte chucks, auf diese Laute reagieren die Weibchen besonders, haben Wissenschaftler in früheren Studien herausgefunden.

Ein Team um Wouter Halfwerk von der niederländischen Vrije Universität in Amsterdam hat sich nun angehört, wie sich die Rufe bei den Tungara-Fröschen (Engystomops pustulosus) aus urbanen und aus eher ländlichen Regionen unterscheiden. Dafür beobachteten die Forscher das Verhalten von Fröschen aus jeweils elf ursprünglichen und elf besiedelten Gebieten aus Panama. Die Biologen wollten wissen, welchen Einfluss die städtische Umgebung auf die Kommunikationsfähigkeit der Tiere hat.

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Panama: Comeback der Frösche

Tatsächlich stellten die Forscher in der Untersuchung, die im Fachmagazin "Nature Ecology & Evolution" veröffentlicht wurde, fest: Die Laute der Stadtfrösche sind viel komplexer. Zudem rufen sie auch häufiger als ihre männlichen Artgenossen aus der Wildnis.

Das hat Folgen für das Paarungsverhalten, schreiben die Experten. Denn offensichtlich finden Froschweibchen die Rufe der City-Frösche sehr viel interessanter. Das stellten die Wissenschaftler fest, als sie in Laborversuchen aufgenommene Rufe den Tungara-Weibchen vorspielten.

Die Biologen vermuten, dass Umweltgeräusche, aber auch sensorische Veränderungen wie Licht von Straßenlaternen die Veränderungen im Lautverhalten der Tiere hervorgerufen haben. Außerdem könnten es sich Stadtfrösche leisten, häufiger zu rufen, weil sie in der urbanen Umgebung weniger Fressfeinde wie Fledermäuse fürchten müssen als in der Wildnis.

Tierlaute-Quiz

Die Forscher machten aber noch ein weiteres Experiment: Sie setzten die Stadtfrösche in ländlichen Regionen und umgekehrt die Landeier in besiedelten Gebieten aus. Nun passten sich die Stadtmännchen an ihre neue Umgebung an: Sie reduzierten die Komplexität ihrer Rufe. Das gelang den Landfröschen in der Stadt dagegen nicht.

Die Forscher vermuten, dass sich die Anpassungsfähigkeit der Tiere im Laufe der Zeit eher auf den urbanen Raum fokussiert hat. Denn da haben die Tiere die Erfahrung gemacht: Selbst lautes Rufen nach Weibchen lockt hier nicht unbedingt mehr gefräßige Fledermäuse an.

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