Verteidigungsstrategie Abgetrennte Geckoschwänze tanzen vor Angreifern

Wenn es brenzlig wird, ist Geckos selbst ihr eigener Schwanz nicht mehr heilig. Sie trennen sich von dem Anhängsel und ergreifen die Flucht. Der Schwanz bewegt sich noch bis zu 30 Minuten weiter - und lenkt Feinde so ab.

Leopardgecko-Nachwuchs: Schwanz reagiert wahrscheinlich über Sensoren auf der Oberfläche auf seine Umwelt
AP

Leopardgecko-Nachwuchs: Schwanz reagiert wahrscheinlich über Sensoren auf der Oberfläche auf seine Umwelt


London - Der Tanz des separierten Körperteils verblüffte die Forscher. Ein abgerissener Schwanz eines Geckos habe "ein kompliziertes Repertoire an verschiedenen und hochkomplexen Bewegungen", berichten Forscher der kanadischen University of Calgary und der Clemson University aus dem US-Bundesstaat South Carolina.

Die Reptilien trennen sich bei der Flucht vor einem Angreifer von ihrem Schwanz, ein bekanntes Phänomen. Die Bewegungen des abgestoßenen Körperteils waren bislang aber kaum untersucht worden. Dies haben Timothy Higham und Anthony Russell nun nachgeholt. Sie beobachteten Leopard-Geckos (Eublepharis macularius). Der abgeworfene Schwanz könne noch bis zu eine halbe Stunde vor dem Feind "herumtanzen" und ihn ablenken, schreiben die Forscher im Fachblatt "Biology Letters". Das Körperglied zucke, ruckele und schlage auch dann noch bis zu drei Zentimeter hohe Salti, wenn der Gecko selbst schon längst über alle Berge sei.

Noch ist den Wissenschaftlern nicht ganz klar, wie ein einzelner Nervenstrang ohne Verbindung zum Gehirn derart komplexe Bewegungen ausführen kann. Die plausibelste Erklärung dafür sei, dass der Schwanz über Sensoren auf der Oberfläche auf seine Umwelt reagiere und dementsprechend zu hüpfen oder zu tanzen beginne. Weitere Forschungen an Geckos könnten möglicherweise neue Erkenntnisse über die Funktionen der Wirbelsäule und die Folgen von Wirbelsäulenverletzungen geben.

hda/AFP

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