Satellitenbild der Woche Gefährliche Nähe

Jederzeit kann der Vesuv bei Neapel erwachen. Ein spektakuläres Foto verdeutlicht, warum der Vulkan einer der gefährlichsten der Welt ist.
Vesuv von oben

Vesuv von oben

Foto: ESA/ NASA

Kürzlich flog die Internationale Raumstation in rund 350 Kilometer Höhe direkt über den italienischen Vulkan Vesuv. Astronaut Thomas Pesquet drückte auf den Auslöser seiner Kamera. Das spektakuläre Foto des 1300 Meter hohen Bergs, das die Nasa nun veröffentlicht hat, erlaubt gruselige Einblicke.

Es verdeutlicht, warum der Vulkan als einer der gefährlichsten der Welt gilt: Seine Flanken sind dicht besiedelt, Häuser stehen bis weit hinauf - es bleibt nicht viel Abstand zwischen Krater und Menschen. Die Großstadt Neapel ist in Gefahr.

Drei Millionen leben in der Gefahrenzone, mahnen Geologen, mindestens 600.000 von ihnen in der sogenannten Roten Zone auf den Hängen des Vulkans. Der Staat hatte diesen Bewohnern 30.000 Euro geboten, falls sie wegzögen - nur ein paar Tausend nahmen die Offerte bislang an.

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Stattdessen wuchern die Siedlungen immer weiter die Hänge hinauf. Tausende neue Häuser wurden gebaut in den vergangenen Jahren; darunter sogar ein Krankenhaus. Was würde dort geschehen, wenn der Vesuv seine Schlafpause beenden und ausbrechen würde?

Ein Gemisch aus fast tausend Grad heißer Lava, Asche und Steinen könnte dann auf heißen Dämpfen wie auf einem Luftkissen mit Rennwagengeschwindigkeit zu Tal rasen. Wer nicht geflüchtet ist, hat keine Chance. Doch wie sollen Hunderttausende im Ernstfall schnell genug aus der Gefahrenzone gebracht werden?

Der aktuelle Notfallplan sieht eine Evakuierung der Vulkanhänge vor, sobald Geoforscher in spätestens einer Woche einen Ausbruch erwarten. 16.500 Polizisten und Soldaten sollen täglich 80.000 Menschen mit Autos, Bussen und Schiffen aus der Zone bringen - in einer Gegend, in der schon alltags Verkehrschaos herrscht.

Ungewöhnlich lange ruht der Vesuv, seit 73 Jahren schon. Kaum ein Anwohner hat noch selbst erlebt, was eine Eruption bedeuten kann; das Risiko bleibt abstrakt.

Wissenschaftler vergleichen die Situation mit der in Nordost-Japan vor dem Tsunami 2011: Dort siedelten die Küstenbewohner neben Wegsteinen aus dem Mittelalter, deren Inschriften vor Riesenwellen warnten.

Das Problem werde verdrängt, warnen Vulkanologen seit Langem. "Besser einen Tag als Löwe leben als ein Leben als Feigling", aber zitieren die Anwohner ein süditalienisches Sprichwort - und ziehen immer weiter hinauf auf die Flanken des Vesuv.

boj
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