Vibrations-Trick Kolibri-Männchen becircen Weibchen mit Federsummen

Liebeserklärung der besonderen Art: Manche Kolibri-Männchen nutzen zum Betören der Weibchen lieber ihre Federn als ihren Stimmkopf. Mit akrobatischen Flugmanövern bringen sie die Schwanzfedern zum Vibrieren - und erzeugen so Töne, die lauter sind als der eigene Gesang.

Anand Varma/ varmaphoto.com

Washington - Wenn ein männlicher Annakolibri ein Weibchen beeindrucken will, dann legt es sich mächtig ins Zeug: Vor der Dame seines Herzens geht er in einen Sturzflug über und erreicht dabei eine enorme Geschwindigkeit. Doch nicht das waghalsige Flugmanöver ist es, worauf das Weibchen abfährt: Während sich der Vogel in die Tiefe stürzt, spreizt er seine Schwanzfedern - und ein betörendes Zirpen erklingt. Dabei können die erzeugten Töne der Federn sogar lauter sein als der Gesang der kleinen Vögel.

Biologen um Christopher Clark von der Yale University in New Haven sind Experten, was diese außergewöhnliche Ton-Erzeugung betrifft. Vor einigen Jahren hatten sie entdeckt, woher der Ton kommt, nämlich aus dem Schwanz einiger nordamerikanischer Kolibris und nicht aus dem Stimmkopf. Jetzt berichten die Forscher im Wissenschaftsjournal "Science", was sich während des Liebeslied-Manövers genau in den Schwanzfedern der Vögel abspielt.

Clark untersuchte die Entstehung dieser Töne, indem er 31 Schwanzfedern von 14 verschiedenen Arten im Windkanal mit den typischen Windgeschwindigkeiten testete, die im Sturzflug auftreten. Die Schwingung der Federn maß er mit einem Hochgeschwindigkeits-Laser-Messgerät.

Dabei fand er, dass die Federn, die je nach Art und auch innerhalb eines Schwanzfächers sehr verschieden gebaut sind, unterschiedlich auf den vorbeistreichenden Wind reagieren und damit auch verschiedene Töne erzeugen.

Entscheidend ist die Form und Elastizität der einzelnen Federn, aber auch ihr Zusammenspiel, berichtet der Wissenschafter. Ein einzelner Vogel kann so einen "Akkord" verschiedener Töne erzeugen, deren Klang charakteristisch für die jeweilige Art ist. Die Federn bringen sich sogar gegenseitig zur Resonanz.

Auf diese Weise kann sich die Lautstärke der Töne um bis zu zwölf Dezibel verstärken. Einige Arten bereichern diesen Klang sogar noch durch einen dritten Ton. Der wird entweder durch die Luft erzeugt, die durch ihre Flügel streicht oder, indem sie einen weiteren Ton dazu singen. Dieser geht allerdings fast immer im lauteren Tongemisch der Federn unter.

Die "musikalischen" Schwanzfedern der Männchen haben sich wahrscheinlich durch die bevorzugte Partnerwahl der Weibchen herausgebildet, schreiben die Biologen. Viele steife Federn von Vögeln erzeugen beim Flug charakteristische Geräusche. Diese könnten eine weitere, bisher weitgehend übersehene Methode der Kommunikation zwischen den Tieren sein.

cib/dpa



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kifiso 09.09.2011
1. Himmelsziege
Das kann die Bekassine auch - deswegen heißt sie auch Himmelsziege.
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