Verloren geglaubte Tierart Der Maushirsch ist wieder da

28 Jahre lang galt der Vietnamesische Maushirsch als verschollen. Dann sind gleich mehrere der kurios aussehenden Tiere in Kamerafallen getappt.

Vietnamesische Maushirsche: Seit 1990 hatte kein Forscher sie mehr lebend dokumentiert
outhern Institute of Ecology/Global Wildlife Conservation/Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research/ NCNP/ AP

Vietnamesische Maushirsche: Seit 1990 hatte kein Forscher sie mehr lebend dokumentiert


Die Art gehört zu den kleinsten derzeit lebenden Huftieren und sieht aus wie eine Mischung aus Reh und Hase. 28 Jahre lang hatte kein Forscher den Vietnamesischen Maushirsch (Tragulus versicolor) zu Gesicht bekommen, dann wurde die Art erstmals wieder in freier Wildbahn gesichtet. Die Tiere sind unter Fachleuten als Vietnam-Kantschile bekannt.

Die nun entdeckten Exemplare seien im Osten Vietnams in Kamerafallen getappt, berichtet ein Team um Andrew Tilker von der Organisation Global Wildlife Conservation (GWC) in den USA im Fachjournal "Nature Ecology and Evolution". 1990 seien die letzten bekannten Tiere der Art von einem Jäger erschossen worden.

Die Wissenschaftler waren in der Nähe der Küstenstadt Nha Trang Hinweisen von Anwohnern nachgegangen, die die Tiere mit dem silbergrauen Rückenfell gesehen hatten. Innerhalb von sechs Monaten hätten 30 aufgestellte Fotofallen mehr als 200 Mal unabhängig voneinander einen Vietnamesischen Maushirsch aufgezeichnet.

Wie viele der Tiere in der Region leben, sei derzeit nicht bekannt, berichten die Forscher. Durch die teils schlechte Qualität der Aufnahmen könne man nicht ableiten, wie viele unterschiedliche Exemplare zu sehen seien.

Erstmals wurde der Vietnamesische Maushirsch als Art im Jahr 1910 beschrieben. Als Basis dienten fünf Exemplare, die Forscher zuvor von Expeditionen nach Süd- und Zentralvietnam mitgebracht hatten. Anschließend gab es keine einzige bestätigte Sichtung mehr. Die GWC führte den Vietnamesischen Maushirsch daher auf ihrer Liste der 25 meistgesuchten verlorenen Arten.

Für die Bevölkerung vor Ort war das Tier nie verschwunden

Durch ihre Seltenheit ist nur wenig über Vietnamesische Maushirsche bekannt. Anders als der umgangssprachliche Name vermuten lässt, sind die Tiere weder mit Mäusen noch mit Hirschen verwandt. Sie gehören zur Familie der Hirschferkel, sind nur etwas größer als ein Hase und wiegen weniger als fünf Kilogramm. Ein Geweih haben sie nicht.

Vietnamesischer Maushirsch: Vorsicht Kamerafalle
outhern Institute of Ecology/Global Wildlife Conservation/Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research/ NCNP/ AP

Vietnamesischer Maushirsch: Vorsicht Kamerafalle

Außerdem sind die Maushirsche Einzelgänger, leben also meist allein. Sie laufen auf der Spitze ihrer Hufe und haben zwei winzige Reißzähne. Die Art könne nun wissenschaftlich als wiederentdeckt gelten, schreiben die Experten um Tilker, der das Projekt im Rahmen seiner Arbeit als Doktorand am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin betreut hat. Für die Bevölkerung vor Ort sei sie allerdings nie verschwunden gewesen.

jme/dpa



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