Viktoriafälle Simbabwe und Sambia leiden unter Wasserknappheit

Die Viktoriafälle gelten als breitester Wasserfall der Welt. Wegen einer schweren Dürre läuft derzeit nur wenig Wasser über die Klippe der Touristenattraktion. Liegt das am Klimawandel?
Viktoriafälle: Stromausfälle durch niedrigen Sambesi-Pegel

Viktoriafälle: Stromausfälle durch niedrigen Sambesi-Pegel

Foto: Mike Hutchings/ Reuters

An den Viktoriafällen im Nordwesten Simbabwes stürzen normalerweise tosende Wassermassen in die Tiefe. Der Sambesi-Fluss fällt hier einhundert Meter tief. Seit Jahrzehnten lockt der breiteste Wasserfall weltweit Millionen Urlauber nach Simbabwe und Sambia, die Fälle trennen die Länder. Doch eine Dürre hat die bedeutendste Touristenattraktion der Region verkümmern lassen.

Die Bilder schüren die Befürchtung, dass der Klimawandel die Viktoriafälle für immer austrocknen könnte. Dass die Wassermenge während der Trockenzeit abnimmt, ist den Behörden des Landes zufolge normal. Doch dieses Jahr habe es im November einen beispiellosen Abfall des Wasserspiegels an den Viktoriafällen gegeben, die sonst doppelt so hoch und eineinhalb Mal so breit wie die Niagarafälle zwischen den USA und Kanada sind.

"Wir sehen das zum ersten Mal so"

Vor Ort ist die Stimmung bedrückt. "In früheren Jahren hatte es während der Trockenheit nicht dieses Ausmaß", sagt Dominic Nyambe, ein 30-jähriger Kunsthandwerksverkäufer. Er hat seinen Laden in Livingstone auf sambischer Seite der Fälle. "Wir sehen das zum ersten Mal so." Wenn die Touristen nun ausbleiben sollten, fürchtet er um sein Geschäft.

Sehen Sie hier zwei Aufnahmen vom 4. Dezember 2019, aufgenommen während der aktuellen Trockenperiode, im Vergleich mit aufgenommenen Bildern vom 17. Januar 2019, die außerhalb der Trockenzeit entstanden:

Foto: Mike Hutchings/ Reuters / Mike Hutchings/ Reuters
Foto: Reuters Staff/ REUTERS / Reuters Staff/ REUTERS

Derzeit treffen sich die Staats- und Regierungschefs der Welt in Madrid zur Uno-Klimakonferenz. Das südliche Afrika leidet aber bereits vielerorts unter den Folgen des Klimawandels. In Sambia herrscht extreme Dürre. Im Nachbarland Simbabwe hat die Trockenheit die schwerste Hungerkrise seit zehn Jahren ausgelöst. Millionen Menschen müssen mit Lebensmittelimporten ernährt werden, vielerorts fehlt es auch an Wasser.

Furcht vor dem Monsun nach der Dürre

Sambia und Simbabwe verzeichnen wegen der Wasserknappheit auch Stromausfälle, da das Wasserkraftwerk an der Kariba-Talsperre, stromaufwärts der Fälle, nicht mehr ausreichend gespeist wird. Daten der sambischen Flussbehörde zeigen, dass der Durchfluss so niedrig ist wie seit 1995 nicht mehr. Der Präsident des Landes, Edgar Lungu, sprach von einer "deutlichen Erinnerung daran, was der Klimawandel für unsere Umwelt bedeutet".

Wissenschaftler zögern, den Klimawandel allein für die extremen Wasserrückgänge des Sambesi verantwortlich zu machen, schließlich gebe es immer Schwankungen. Der östliche Teil des Wasserfalls fällt in der Trockenperiode öfter trocken. Dem Hydrologen Harald Kling zufolge sind Entwicklungen über Jahrzehnte aussagekräftiger als Momentaufnahmen einzelner Jahre.

Ein paar Touristen sind noch da

Ein paar Touristen sind noch da

Foto: Mike Hutchings/ Reuters

Doch auch Kling beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Überraschend sei, dass sich die Dürren im Sambesibecken so häufen: Das bislang letzte Trockenjahr war erst vor drei Jahren.

Richard Beilfuss von der International Crane Foundation, die sich seit Jahrzehnten mit der Natur am Sambesi befasst, denkt bereits weiter. Er fürchtet, dass die Dürre nun auch noch den Monsun hinauszögern könnte - der dann in noch kürzerer Zeit noch heftigere Regenfälle mit sich bringen könnte.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung ließ der Vergleich der Bilder in den Schiebereglern den Schluss zu, dass Bilder aus der Trockenperiode miteinander verglichen würden. Wir haben klargestellt, dass zwei der Fotos während und zwei der Fotos außerhalb der Trockenzeit aufgenommen wurden. Da es sich bei der Dürre zudem um ein überwiegend jahreszeitliches Ereignis handelt, haben wir in einer weiteren Überarbeitung die Überschrift geändert. Der ursprüngliche Titel "Den Viktoriafällen geht das Wasser aus" verliert mit Auslaufen der Trockenperiode nämlich seine Gültigkeit. Desweiteren haben wir Formulierungen angepasst, wonach die Fälle in Gänze ausgetrocknet waren. Dies traf nur auf einen Teil der Fälle zu.

apr/Reuters