Virus Maul- und Klauenseuche in Großbritannien alarmiert deutsches Krisenmanagement

Der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche auf einem Hof in Großbritannien setzt auch das deutsche Krisenmanagement in Gang: Die Task-Force Tierseuchenbekämpfung von Bund und Ländern berät den Fall. Mehrere Höfe in fünf Bundesländern mussten vorübergehend ihren Betrieb einstellen.


Berlin - In einer Telefonkonferenz will die Task-Force Tierseuchenbekämpfung heute über den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) in Großbritannien sprechen. Dies teilte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums mit. Im Laufe des Tages werden außerdem die Untersuchungsergebnisse von insgesamt fünf Importen von Tieren nach Deutschland erwartet.

Abgeriegelt: Die mit MKS verseuchte Woolford's Farm im britischen Elstead
Getty Images

Abgeriegelt: Die mit MKS verseuchte Woolford's Farm im britischen Elstead

In Deutschland sind bereits vorsorglich Schutzmaßnahmen angelaufen. Behörden untersuchten fünf Transporte mit rund 40 Tieren von der Insel aus den vergangenen Wochen. Sie seien nach Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein gegangen, sagte gestern ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Es handele sich um einen Transport mit einem Rind aus Schottland sowie um vier Transporte mit insgesamt 39 Schafen.

Von den betroffenen Höfen dürfen derzeit keine Tiere wegtransportiert werden. Zudem stellten die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern ein aus Großbritannien eingeführtes Pferd unter Quarantäne. Auch in Bayern ordneten die Behörden für zwei Betriebe, die Tiertransporte aus England erhalten hatten, vorsichtshalber die Beobachtung an. Die zuständigen Umweltministerien sprachen von "reinen Vorsichtsmaßnahmen". Nach Angaben des Bundesagrarministeriums deuten alle Anzeichen darauf hin, dass die importierten Tiere nicht von MKS befallen sind.

Die Tiere stammten nicht aus der Region in Südengland, in der jetzt die Seuche ausgebrochen ist, sagte der Sprecher. "Aber selbstverständlich wird alles geprüft."

Das von der britischen Regierung verfügte Exportverbot sorgt unterdessen automatisch dafür, dass kein weiteres Fleisch aus Großbritannien nach Deutschland gelangt.

Die Behörden gehen bislang davon aus, dass ein Virus aus einem Labor für den Ausbruch der Tierseuche verantwortlich ist. Der Virusstamm, der in mehr als 60 getöteten Rindern eines südenglischen Bauernhofs nachgewiesen wurde, gleicht dem, der in einer nahe gelegenen Forschungseinrichtung verwendet wurde. Dies berichtete der britische Premierminister Gordon Brown gestern. Endgültige Klarheit werde es aber erst nach Abschluss der Analysen geben.

Der britische Premierminister betonte, es seien rasch umfassende Maßnahmen zur MKS-Eindämmung eingeleitet worden. Ziel sei es nun, sie vollständig unter Kontrolle zu bringen und schließlich auszumerzen. Experten vermuteten, dass MKS-Viren vom Typ 01 BFS67 aus einem Labor der weltweit tätigen US-Firma Merial Animal Health in der Ortschaft Pirbright auf die Herde des nur fünf Kilometer entfernten Viehbetriebes übergesprungen sind. Dabei handelt es sich um abgeschwächte Erreger für Impfstoffe gegen die Seuche.

hen/dpa/AP



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