Virusinfektion EU rechnet mit Schweinegrippe-Toten in Europa

"Es ist nicht die Frage, ob Menschen sterben, sondern wie viele": Die Europäische Kommission geht fest davon aus, dass die Schweinegrippe auch in Europa zu Todesfällen führen wird. Im Ursprungsland Mexiko reagiert die Regierung mit neuen Maßnahmen - sie legt für fünf Tage das öffentliche Leben lahm.

Brüssel/Mexiko-Stadt - Krisensitzung in Luxemburg: Wegen der rasanten Ausbreitung der Schweinegrippe kommen die EU-Gesundheitsminister an diesem Donnerstag zu einem Sondertreffen zusammen. Die Minister der 27 EU-Mitgliedstaaten wollen ein gemeinsames Vorgehen bei der Bekämpfung der Krankheit und mögliche Reisewarnungen beraten.

Arzt auf Isolierstation (in Düsseldorf): "Wir kennen nicht das Ausmaß der Pandemie. Aber Europa ist besser vorbereitet als jemals zuvor"

Arzt auf Isolierstation (in Düsseldorf): "Wir kennen nicht das Ausmaß der Pandemie. Aber Europa ist besser vorbereitet als jemals zuvor"

Foto: AP

Die EU-Kommission rechnet mit Todesopfern durch die Schweinegrippe auch in Europa. "Menschen werden dadurch sterben, es ist nicht die Frage, ob Menschen sterben werden, sondern wie viele", sagte der EU-Generaldirektor für Gesundheit, Robert Madelin, am Mittwochabend der Nachrichtenagentur Reuters in Brüssel. "Werden es Hunderte, Tausende oder Zehntausende sein?", fragte der EU-Beamte. Zugleich bemühte sich die Kommission um Beruhigung: "Wir kennen nicht das Ausmaß der Pandemie. Aber Europa ist besser vorbereitet als jemals zuvor", sagte Madelin. Ein Impfstoff könne innerhalb von hundert Tagen in Europa zur Verfügung stehen.

Ungeachtet der Ausweitung der Schweinegrippe wird die Europäische Kommission Madelin zufolge keine Aussetzung des Flugverkehrs zwischen Europa und den USA und Mexiko vorschlagen. Stattdessen sollten Reisende zur Vorsicht aufgerufen werden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte zuvor ihre Pandemie-Warnung um einen Rang auf die zweithöchste Stufe fünf angehoben. Es war bereits die zweite Verschärfung seit Anfang der Woche. "Die Ausrufung der Phase fünf ist aber ein starkes Signal, dass eine Pandemie bevorsteht und die Zeit für einen Abschluss der Organisation und Umsetzung der geplanten Schutzmaßnahmen kurz ist", heißt es in den Erläuterungen der Uno-Organisation.

Das Europäische Seuchenkontrollzentrum (ECDC) in Stockholm nannte die Erhöhung der Alarmstufe eine angemessene Antwort auf die Entwicklung der Lage. Grund seien die anhaltenden Übertragungen des Virus von Mensch zu Mensch in Mexiko und den USA. Die US-Streitkräfte bestätigten unterdessen den ersten Schweinegrippe-Fall auf einer Militärbasis. Ein Marineinfanterist auf dem Stützpunkt 29 Palms in Kalifornien und 30 seiner Kameraden, die mit ihm Kontakt hatten, seien unter Quarantäne gestellt worden.

Um eine weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern, greift Mexikos Regierung zu rigorosen Mitteln. Sie ordnete eine mehrtägige Schließung aller Unternehmen an, deren Waren oder Dienstleistungen für die Versorgung der Allgemeinheit nicht unbedingt nötig sind. Die auf fünf Tage angesetzte Maßnahme solle dazu dienen, Menschenansammlungen zu vermieden, bei denen der Schweinegrippe-Erreger sich weiter ausbreiten könnte, sagte Gesundheitsminister Jose Angel Cordova am Mittwoch. Ausgenommen seien Lebensmittel- und Verkehrsbetriebe sowie die öffentliche Gesundheitsversorgung und der Finanzsektor.

"Wir wollen diese Maßnahme so großangelegt wie möglich umsetzen, um den Zyklus der Reproduktion des Virus zu unterbrechen", sagte Finanzminister Agustin Carstens. Auch die Regierung plant, so viele Angestellte wie möglich nach Hause zu schicken. Carstens zufolge sollten aber etwa die Armee, Polizei und auch Schlüsselindustrien wie die Ölbranche weiterarbeiten.

Mexiko, wo die Schweinegrippe ausgebrochen ist, ist das am stärksten von der Epidemie betroffene Land. Nach offiziellen Angaben starben dort bereits 176 Menschen an dem Virus.

Das Schweinegrippe-Virus

US-Präsident Barack Obama sprach sich am Mittwochabend gegen eine Schließung der Grenze zu Mexiko wegen der Schweinegrippe aus. "Das wäre, als schließe man das Scheunentor, nachdem die Pferde ausgerissen sind", sagte er. Das Virus sei bereits in den USA. Deshalb mache eine Schließung der Grenzen keinen Sinn.

als/Reuters/dpa/AP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.