Inventur im Tierreich Eine von acht Vogelarten ist vom Aussterben bedroht

Mehr als 160 Vogelarten sind in den vergangenen 500 Jahren vom Planeten verschwunden, berichtet eine Schutzorganisation. Und das Tempo des Sterbens nimmt zu. Verantwortlich sind vor allem drei Faktoren.
Seit 1970 ist der Bestand der Sekretäre in Kenia um schätzungsweise 94 Prozent zurückgegangen

Seit 1970 ist der Bestand der Sekretäre in Kenia um schätzungsweise 94 Prozent zurückgegangen

Foto: Wolfgang Kaehler / LightRocket / Getty Images

Eine von acht Vogelarten weltweit ist mittlerweile vom Aussterben bedroht. Das ist das Ergebnis des aktuellen »State of the World's Birds«-Berichts  der gemeinnützigen internationalen Organisation Birdlife, die alle vier Jahre systematisch Daten aus der Forschung und dem Artenschutz zusammenträgt. Bei fast der Hälfte aller Vogelarten schrumpft demnach die Zahl der Tiere, nur sechs Prozent der Arten haben noch wachsende Populationen.

Seit 1970 soll allein Nordamerika drei Milliarden Vögel verloren haben. Weitere 600 Millionen Tiere waren es demnach im Gebiet der Europäischen Union, die nur rund ein Fünftel der Fläche hat. Auch in anderen Weltregionen ist die Entwicklung dem Bericht zufolge dramatisch.

»Wir haben in den vergangenen 500 Jahren mehr als 160 Vogelarten verloren, und das Tempo des Aussterbens nimmt zu«, sagte Lucy Haskell, die wissenschaftliche Leiterin bei Birdlife, einer Mitteilung zufolge . »In der Vergangenheit war der Großteil der aussterbenden Arten auf Inseln zu Hause, aber leider sehen wir mittlerweile auch eine steigende Zahl an Verlusten auf den Kontinenten.«

Bedrohung durch Landwirtschaft, Waldsterben und Klimawandel

Die Landwirtschaft ist dem Bericht zufolge wegen des Einsatzes von Maschinen und Chemikalien die größte Gefahr für Vögel und gefährdet rund drei Viertel aller bedrohten Arten. Auch das Waldsterben ist für viele Vögel ein großes Problem – insbesondere für Arten, die in riesigen, alten Bäumen zu Hause sind. Die Harpyie, eine große Greifvogelart, nistet etwa auf großen, alt gewachsenen Bäumen, die häufig abgeholzt werden.

Erntemaschinen

Erntemaschinen

Foto: ArtistGNDphotography / Getty Images

Nicht zuletzt macht auch die Erderhitzung den Tieren das Leben schwer: Rund ein Drittel der bedrohten Vögel sind durch Klimawandelfolgen wie Stürme, Waldbrände und Dürren bedroht – Tendenz steigend.

Als wichtigster Lösungsansatz gilt es den Studienautoren zufolge, die für Vögel überlebenswichtigen Lebensräume zu erhalten oder zu renaturieren. Birdlife hat 13.600 Regionen ausgemacht, in denen dies beispielhaft verfolgt werden soll. Außerdem seien Projekte notwendig, mit denen gefährdete Arten gezielt geschützt werden.

Ein Waldrapp landet auf einer Brutwand in Überlingen am Bodensee, wo die Tiere wieder angesiedelt werden

Ein Waldrapp landet auf einer Brutwand in Überlingen am Bodensee, wo die Tiere wieder angesiedelt werden

Foto: Felix Kästle / dpa

Der Erfolg einiger Artenschutzprojekte der vergangenen Jahre gebe auch Anlass zur Hoffnung, heißt es in dem Bericht. Ohne diese Projekte wären in den vergangenen knapp 30 Jahren bis zu 32 Vogelarten bereits ausgestorben, darunter der Waldrapp, schreiben die Forscher. Der Erhalt der Natur und der Biodiversität müsse bei politischen Entscheidungen künftig oberste Priorität bekommen.

jme/dpa
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