SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

11. April 2014, 10:40 Uhr

Genetische Raritäten

Forscher ermitteln schützenswerteste Vögel

Schon ihre Namen klingen exotisch: Kurol und Kakapo, Schuhschnabel und Fettschwalm gehören zu den Vogelarten, deren Erbgut besonders wertvoll ist. Biologen haben ermittelt, welche Arten am dringendsten erhalten werden sollten.

Auf manche Vögel sollte der Mensch besonders gut achtgeben. Das Erbgut einiger Arten sei derart ungewöhnlich, dass der Verlust für die Welt besonders schlimm wäre, schreibt ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Current Biology. "Evolutionäre Verschiedenheit hilft uns, jene Arten zu ermitteln, deren Verlust wir uns nicht leisten können", wird Co-Autor Dave Redding vom University College London in einer Mitteilung zur Studie zitiert.

In der Untersuchung trug das Team um Walter Jetz von der Yale University in New Haven (US-Staat Connecticut) Daten zu Erbgut, Brutgebieten und Populationen von 9993 Vogelarten zusammen. Anhand der genetischen Merkmale ermittelten die Forscher zunächst jene Vögel, deren Erbgut sich sehr stark von dem anderer unterscheidet. Dazu zählen etwa Arten wie Fischadler, Strauß, Schuhschnabel oder der urige Hoatzin in Südamerika, der auch Stinkvogel oder Schopfhuhn genannt wird.

"Die evolutionäre Verschiedenheit ist ein Maß dafür, welchen Verlust evolutionärer Information das Aussterben einer bestimmten Art verursachen würde", erläutert Jetz. "Unter sehr eng verwandten Arten erwarten wir viel genetische Übereinstimmung. Aber wenn es eine einzigartige Spezies gibt, wie etwa den Fettschwalm, und die aussterben sollte, wäre alle Information dazu, was diese Art ausmacht, für immer verloren."

Besonders eigen sind demnach aus genetischer Sicht der auf Madagaskar lebende Kurol (Leptosomus discolor) und der besagte, in Südamerika beheimatete Fettschwalm (Steatornis caripensis). Beide sind die einzigen Vertreter ihrer Gruppe und seit mehr als 65 Millionen Jahren von anderen Vögeln getrennt.

Vögel auf der Weihnachtsinsel besonders bedroht

Aus den Daten schufen die Forscher dann eine weitere Einheit: Die evolutionäre Verschiedenheit und Seltenheit (Evolutionary Distinctness Rarity, EDR) kombiniert die genetische Verschiedenheit mit dem Areal des Brutgebietes und zeigt damit, wie anfällig eine sehr charakteristische Art ist. An der Spitze liegen der Weißbauch-Fregattvogel (Fregata andrewsi), der auf der Weihnachtsinsel im Indischen Ozean brütet, und der in Neuseeland heimische Eulenpapagei oder Kakapo (Strigops habroptilus), ein flugunfähiger Papagei. Beide Arten sind vom Aussterben bedroht.

Selbst kleine Störungen könnten große Teile des Vogelstammbaums zerstören, mahnen die Forscher. Die meisten gefährdeten eigentümlichen Arten beherbergen der Studie zufolge die Länder Indonesien, Brasilien, Neuseeland und Australien. Zwar sei es schwierig, besonders schützenswerte Arten auszuwählen, sagt Co-Autor Arne Mooers von der kanadischen Simon Fraser University in Burnaby. Aber so könne man angesichts des schnellen globalen Wandels und begrenzter finanzieller Ressourcen effektiv und wirtschaftlich Umweltziele festlegen.

che/dpa

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung