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421 Millionen weniger: Europa verliert seine Vögel

Foto: Z5327 Soeren Stache/ dpa

Star, Spatz, Lerche 421 Millionen Vögel weniger als vor 30 Jahren

Die Bestände vieler Vögel schrumpfen dramatisch. Laut einer Studie gibt es in Europa immer weniger Spatzen, Stare, Lerchen und Rebhühner. Forscher sind alarmiert.

Hamburg - In Europa leben einer Studie zufolge heute rund 421 Millionen Vögel weniger als noch vor drei Jahrzehnten. Verantwortlich dafür seien die moderne Landwirtschaft sowie der zunehmende Verlust des natürlichen Lebensraums der Tiere, heißt es in der am Montag im Wissenschaftsmagazin"Ecology Letters"  veröffentlichten Studie. Zu etwa 90 Prozent betrifft der Rückgang demnach gewöhnliche Arten wie Spatz, Star, Lerche sowie das graue Rebhuhn.

Der Co-Autor der Studie, Richard Gregory vom britischen Tierschutzverband, sprach von einer "Warnung für ganz Europa": "Es ist eindeutig, dass unser Umgang mit der Umwelt für viele unserer vertrautesten Vögel nicht nachhaltig ist", erklärte er. Umso wichtiger seien Maßnahmen und Gesetze zum Schutz der Vögel und ihres Lebensraums. Als Vorbild nannte er die bereits bestehenden Schutzmaßnahmen für seltenere Gattungen, deren Zahl in den vergangenen Jahren wieder gestiegen sei.

Für die Studie analysierten die Forscher Daten über 144 typische Vogelarten aus 25 europäischen Ländern. Als Reaktion auf die schrumpfenden Zahlen verlangen sie mehr Grünflächen in den Städten sowie eine ökologische Landwirtschaft.

Jäger in Deutschland machen auch wildlebende Katzen für die Dezimierung von Vögeln verantwortlich. Daher sollten sie weiterhin gejagt werden dürfen, fordern sie. In Nordrhein-Westfalen allerdings soll ein Gesetz genau dies demnächst verbieten. Rund zehntausend Katzen werden jedes Jahr in NRW von Jägern erlegt, in ganz Deutschland sollen es etwa 100.000 sein. Naturschützer sagen: So viele Vögel, wie die Jäger behaupten, fressen die Katzen gar nicht - sie abzuschießen sei keine Lösung.

Konkrete Zahlen, wie viele wilde Hauskatzen tatsächlich wie viele und welche Vögel fressen, gibt es nicht. Eine Studie aus dem Jahr 2013 ergab, dass allein in den USA 84 Millionen Hauskatzen plus 30 Millionen streunende Katzen jedes Jahr mindestens 1,4 Milliarden Vögel töten, vielleicht sogar 3,7 Milliarden. "Alles nur grobe Schätzungen", sagt James Brückner, Fachreferent für Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund. Und vor allem: "Die Ergebnisse sind nicht auf hiesige Verhältnisse übertragbar."

nik/khü/afp
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