Schutz vor Parasiten Forscher schmuggeln Insektizid in Vogelnester

Fliegenlarven sind eine Lebensgefahr für frisch geschlüpfte Darwinfinken. Biologen haben nun einen Trick ersonnen, um die jungen Vögel auf den Galápagos-Inseln vor den Parasiten zu schützen: Sie mogeln ihnen lebensrettende Insektizide ins Nest.

Darwinfinken-Nest: Insektizidgetränkte Fasern als Baumaterial
REUTERS

Darwinfinken-Nest: Insektizidgetränkte Fasern als Baumaterial


Salt Lake City - Finken klauen manchmal Baumwollfasern für den Nestbau. Biologen haben nun diese Vorliebe genutzt und ihnen mit Insektengift getränkte Wattebällchen untergejubelt. Dadurch konnten sie die Vögel und ihren Nachwuchs vor gefährlichen Fliegenlarven in ihren Nestern schützen, wie die Wissenschaftler um Sarah Knutie von der University of Utah in Salt Lake City in der Fachzeitschrift "Current Biology" berichten.

Das Experiment fand auf den Galápagos-Inseln statt, wo neben vielen anderen Vogelarten auch Darwinfinken (Geospizinae) leben. Ende des vergangenen Jahrhunderts tauchte dort eine aggressive Fliegenspezies (Philornis downsi) in großer Zahl auf. "Die Vögel sind auf diese Fliegen völlig unvorbereitet und ein gefundenes Fressen", sagt Knutie. Die Fliegen legen ihre Eier in Vogelnester, und ihre Larven befallen Küken und erwachsene Weibchen, um Blut zu saugen.

Dabei sind die Larven eine tödliche Bedrohung. Manchmal würde in einer bestimmten Region die gesamte Brut der Darwinfinken den Larven zum Opfer fallen, schreiben die Forscher. Das würde den Bestand der Vögel gefährden.

Eine wirksame Waffe gegen die Fliegen ist das gängige Insektizid Permethrin. Es sei für Vögel und Menschen ungefährlich. "Das ist dasselbe Zeug, das auch in Anti-Läuse-Shampoo für Kinder vorkommt", erklärt Knutie. Bislang sei es jedoch schwierig gewesen, jedes einzelne Nest mit dem Mittel zu besprühen.

Als Knutie Darwinfinken beobachtete, wie sie Baumwollfäden von einer Wäscheleine mopsten, kam ihr eine Idee: Warum können die Tiere das Insektizid nicht selbst zu ihren Nestern bringen? Die Biologen um Knutie hängten Watte aus Baumwolle mit und ohne Insektengift in die Nähe von 26 Finkennestern. Die meisten Vögel nutzten die Watte als Nistmaterial und woben sie in ihre Brutstätten ein.

Darwinfinken, die mit Insektizid getränkte Watte erwischten, hatten dabei im Schnitt nur halb so viele Fliegenlarven in ihren Nestern. Hatten die Vögel mindestens ein Gramm der behandelten Watte verbaut, waren sieben von acht Nestern sogar frei von Larven. Unbehandelte Watte hatte hingegen keine Wirkung.

jme/dpa



insgesamt 14 Beiträge
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Mario V. 06.05.2014
1. Darwinfinken
Ich frage mich, wie es die Tierwelt so lange ohne den Menschen geschafft hat zu überleben, oder einen solchen Artenreichtum wie auf den Galapagos-Inseln zu entwickeln. Jetzt mal im Ernst. Muss der Mensch dort wirklich eingreifen? Die Evolution hat es bis hierher geschafft, die braucht den Menschen nicht. Der Darwinfink wird selbst einen Abwehrmechanismus gegen diese Fliegen entwickeln, oder aussterben. Dann wird eine andere Spezies seinen Platz einnehmen, die vielleicht noch toller ist, und sei es nur dahingehend, dass sie mit der Philornis downsi zurecht kommt. Ausgerechnet bei einem Vogel, der den Namen des Begründers der Evolutionstheorie trägt, will man der Evolution ins Handwerk pfuschen. Muss man in dieses Naturparadies wirklich Insektizide einbringen??? Am Ende verursacht das mehr Schaden als Nutzen. Könnte ja sein dass es allergische Reaktionen verursacht, oder andere Insekten abtötet, von denen sich der Fink oder andere Tiere ernährt usw. Ich halte das für sehr bedenklich.
zorga 06.05.2014
2. Gesund?
Ich kann mir kaum vorstellen, dass es für die Vögel besonders gesund ist in einem giftigen Nest aufzuwachsen. Ich sehe auch gar nicht, warum der Mensch hier eingreifen sollte. Warum nicht einmal der Natur ihren Lauf lassen? Wenn die Art ausstirbt, dann ist es eben so. Ansonsten wird sie sich anpassen.
tutnet 06.05.2014
3. @ Mario V. Einseitige Blickweise
Könnten Sie sich vielleicht vorstellen, daß die aggressive Fliegenart gerade durch den Menschen eingeschleppt wurde? Ich halte es für sehr sinnvoll diese einmaligen Vögel zu schützen.
weserwasser 06.05.2014
4.
Zitat von zorgaIch kann mir kaum vorstellen, dass es für die Vögel besonders gesund ist in einem giftigen Nest aufzuwachsen. Ich sehe auch gar nicht, warum der Mensch hier eingreifen sollte. Warum nicht einmal der Natur ihren Lauf lassen? Wenn die Art ausstirbt, dann ist es eben so. Ansonsten wird sie sich anpassen.
wenn man Natur oder deren Evolution ihren lauf lassen will , darf man tun und handeln des menschen nicht in frage stellen - der Mensch ist teil der Natur alles was der mensch hat , die Erde gibt den menschen die Grundlagendie Evolution das Hirn , um es zu nutzen Was richtig oder falsch ist , wird man feststellen wenn zeit vergeht und die folgen absehbar sind . Wenn der Mensch ausstirbt dann ist das so dann zeigt die Evolution der mensch wird nicht gebraucht
taglöhner 06.05.2014
5. Frauenkirche
Zitat von zorgaIch kann mir kaum vorstellen, dass es für die Vögel besonders gesund ist in einem giftigen Nest aufzuwachsen. Ich sehe auch gar nicht, warum der Mensch hier eingreifen sollte. Warum nicht einmal der Natur ihren Lauf lassen? Wenn die Art ausstirbt, dann ist es eben so. Ansonsten wird sie sich anpassen.
Als besonders ungesund hat sich der Madenbefall erwiesen, sonst wäre wohl niemand auf diese Idee gekommen. Auch ohne Darwinfinken dreht sich die Erde weiter und ihren Dienst als Inspiration für die bisher wichtigste Entdeckung der Menschheit haben sie getan. Sehen Sie diese und alle anderen Spezies vielleicht auch einmal unter dem Aspekt unwiederbringliches Welterbe, wenn sie sie dem "natürlichen", aber endgültigen Verfall überlassen wollen.
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