Klimakrise Viele Vögel können sich schnell steigenden Temperaturen nicht anpassen

Erwärmt sich das Klima, brüten manche Vogelarten früher. Doch diese Anpassungsfähigkeit hat Grenzen. Vor allem die bekannten Trottellummen auf Helgoland tun sich schwer.
Trottellummen auf der Isle of May: "Die Vögel spüren nicht, dass sich die Bedingungen verändern und sie auch ihren Fortpflanzungszyklus anpassen müssen"

Trottellummen auf der Isle of May: "Die Vögel spüren nicht, dass sich die Bedingungen verändern und sie auch ihren Fortpflanzungszyklus anpassen müssen"

Foto: Michael P. Harris

Vögel können sich an den Klimawandel anpassen - derzeit steigt die globale Temperatur jedoch so stark, dass die Tiere nicht mehr hinterherkommen, warnen Forscher.

Selbst anpassungsfähige Arten wie Kohlmeise, Rauchschwalbe und Elster seien langfristig bedroht. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und internationale Kollegen im Fachmagazin "Nature Communications". Sie hatten Daten aus 71 Studien zu 17 verschiedenen Vogelarten ausgewertet.

"Manche Arten wie Blaumeise, Kohlmeise, Rötelfalke und Eichelhäher legen ihre Eier früher im Jahr und sie legen insgesamt mehr Eier, doch langfristig reicht das Tempo der Anpassung nicht aus, um die Art zu erhalten", sagt Hauptautorin Viktoriia Radchuk vom Leibniz-IZW. "Es entsteht eine Lücke zwischen der tatsächlichen Brutzeit und der optimalen Brutzeit."

Optimal sei es, wenn Vögel zu einer Zeit brüten, in der die Natur die meiste Nahrung liefert. Wann das der Fall ist, hängt allerdings vom Klima ab.

Beunruhigende Ergebnisse

Manche Arten seien gar nicht in der Lage, sich steigenden Temperaturen anzupassen. Dazu zählt etwa die Trottellumme, deren einzige Brutkolonie in Mitteleuropa auf der deutschen Hochseeinsel Helgoland zu finden ist. "Die Vögel spüren nicht, dass sich die Bedingungen verändern und sie auch ihren Fortpflanzungszyklus anpassen müssen", so Radchuk. Die Ergebnisse seien beunruhigend.

Noch beunruhigender sei die Tatsache, dass die analysierten Daten überwiegend häufige Arten umfassten, von denen bekannt ist, dass sie mit dem Klimawandel relativ gut umgehen.

"Vergleichbare Anpassungen bei seltenen oder gefährdeten Arten müssen noch analysiert werden", sagt Stephanie Kramer-Schadt, Leiterin der Abteilung für Ökologische Dynamiken am Leibniz-IZW. Doch die Forscher fürchten schon jetzt, dass die Prognosen bei diesen Arten noch pessimistischer Ausfallen werden.

jme/dpa