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02. November 2016, 10:20 Uhr

Jagdstatistik

Vögel mit größeren Gehirnen entkommen eher Jägern

Jäger nehmen nicht nur Wildschweine und Rehe aufs Korn, sondern auch Vögel. Ob diese getroffen werden oder nicht, hängt offenbar auch von der Größe des Gehirns ab.

Vögel mit größeren Gehirnen können womöglich besser die Gefahr erkennen, die für sie von einem Jäger ausgeht. Auf jeden Fall haben erschossene Vögel im Durchschnitt kleinere Gehirne als ihre Artgenossen - unabhängig von Größe, Art oder Geschlecht.

Dies fanden Anders Pape Møller von der Université Paris-Saclay (Frankreich) und Johannes Erritzøe vom House of Bird Research in Christiansfeld (Dänemark) bei der Untersuchung von mehreren Tausend Vögeln heraus. Sie veröffentlichten ihre Studie im Fachblatt "Biology Letters" der britischen Royal Society.

"Durch die Jagd sterben Hunderte Millionen Tiere jährlich, was möglicherweise einen wichtigen Selektionsdruck für gejagte Arten darstellt", schreiben die Biologen. So habe das bevorzugte Fangen größerer Fische dazu geführt, dass sich die durchschnittliche Körpergröße bei einigen Fischarten verringert habe. Møller und Erritzøe vermuteten deshalb, dass die Vogeljagd ebenfalls zu einer Auswahl führt, die auch mit der Hirngröße zusammenhängen könnte.

Faktoren Geschlecht, Körpergröße und Alter untersucht

Sie untersuchten dazu 3781 Vögel verschiedener Arten, die zwischen 1960 und 2015 in der Region rund um das dänische Christiansfeld gestorben waren. Präparatoren sind in Dänemark gesetzlich dazu verpflichtet, Angaben zur Todesursache und zum Zeitpunkt des Todes eines von ihnen verwendeten Tieres zu machen.

Für die Studie überprüfte Erritzøe die Todesursache jedes Vogels und wog das Gehirn und den Körper sehr genau. Bei der statistischen Auswertung der Messergebnisse berücksichtigte Møller, dass die Wahrscheinlichkeit, von einer Kugel getötet zu werden, auch von anderen Faktoren abhängen kann, beispielsweise dem Geschlecht, der Körpergröße oder dem Alter.

Von den 3781 untersuchten Vögeln waren 299 (8 Prozent) erschossen worden. Das Gewicht der Gehirne aller Vögel schwankte zwischen 0,2 und 20 Gramm, das Körpergewicht zwischen 4,1 und 13.000 Gramm.

Die Analyse ergab, dass größere Vögel zwar generell häufiger erschossen werden als kleinere. Doch die Wahrscheinlichkeit, von einer Kugel getötet zu werden, ging von 29 Prozent bei Vögeln mit den kleinsten Gehirnen auf nur ein Prozent bei Vögeln mit den größten Gehirnen zurück.

Die Daten belegten zudem, dass männliche Tiere eher als weibliche abgeschossen werden. Das Alter der Vögel hatte hingegen keine Auswirkungen.

Stefan Parsch, dpa/hda

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