Jagdstatistik Vögel mit größeren Gehirnen entkommen eher Jägern

Jäger nehmen nicht nur Wildschweine und Rehe aufs Korn, sondern auch Vögel. Ob diese getroffen werden oder nicht, hängt offenbar auch von der Größe des Gehirns ab.

Entenjagd in Sandpoint (US-Bundesstaat Idaho)
REUTERS

Entenjagd in Sandpoint (US-Bundesstaat Idaho)


Vögel mit größeren Gehirnen können womöglich besser die Gefahr erkennen, die für sie von einem Jäger ausgeht. Auf jeden Fall haben erschossene Vögel im Durchschnitt kleinere Gehirne als ihre Artgenossen - unabhängig von Größe, Art oder Geschlecht.

Dies fanden Anders Pape Møller von der Université Paris-Saclay (Frankreich) und Johannes Erritzøe vom House of Bird Research in Christiansfeld (Dänemark) bei der Untersuchung von mehreren Tausend Vögeln heraus. Sie veröffentlichten ihre Studie im Fachblatt "Biology Letters" der britischen Royal Society.

"Durch die Jagd sterben Hunderte Millionen Tiere jährlich, was möglicherweise einen wichtigen Selektionsdruck für gejagte Arten darstellt", schreiben die Biologen. So habe das bevorzugte Fangen größerer Fische dazu geführt, dass sich die durchschnittliche Körpergröße bei einigen Fischarten verringert habe. Møller und Erritzøe vermuteten deshalb, dass die Vogeljagd ebenfalls zu einer Auswahl führt, die auch mit der Hirngröße zusammenhängen könnte.

Faktoren Geschlecht, Körpergröße und Alter untersucht

Sie untersuchten dazu 3781 Vögel verschiedener Arten, die zwischen 1960 und 2015 in der Region rund um das dänische Christiansfeld gestorben waren. Präparatoren sind in Dänemark gesetzlich dazu verpflichtet, Angaben zur Todesursache und zum Zeitpunkt des Todes eines von ihnen verwendeten Tieres zu machen.

Für die Studie überprüfte Erritzøe die Todesursache jedes Vogels und wog das Gehirn und den Körper sehr genau. Bei der statistischen Auswertung der Messergebnisse berücksichtigte Møller, dass die Wahrscheinlichkeit, von einer Kugel getötet zu werden, auch von anderen Faktoren abhängen kann, beispielsweise dem Geschlecht, der Körpergröße oder dem Alter.

Von den 3781 untersuchten Vögeln waren 299 (8 Prozent) erschossen worden. Das Gewicht der Gehirne aller Vögel schwankte zwischen 0,2 und 20 Gramm, das Körpergewicht zwischen 4,1 und 13.000 Gramm.

Die Analyse ergab, dass größere Vögel zwar generell häufiger erschossen werden als kleinere. Doch die Wahrscheinlichkeit, von einer Kugel getötet zu werden, ging von 29 Prozent bei Vögeln mit den kleinsten Gehirnen auf nur ein Prozent bei Vögeln mit den größten Gehirnen zurück.

Die Daten belegten zudem, dass männliche Tiere eher als weibliche abgeschossen werden. Das Alter der Vögel hatte hingegen keine Auswirkungen.

Projekt Icarus

Stefan Parsch, dpa/hda

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
Zitrone! 02.11.2016
1.
Es gab doch mal eine Studie, in der der Zusammenhang zwischen Intelligenz und Hirngröße untersucht wurde. Ergebnis war, dass nicht die Hirngröße entscheidend ist, sondern das Verhältnis Hirn- zu Körpergröße bzw. -gewicht. Innerhalb unterschiedlicher Tiergruppen (etwa: Hunde, Vögel, Primaten ...) ergab sich dafür also ein etwa linearer Zusammenhang. Dann war zu erkennen, dass intelligentere Tiere meist über dieser Geraden lagen, "dümmere" darunter. Insofern ist die Aussage im Artikel nur dann sinnvoll, wenn entweder nur etwa gleichschwere Tiere (einer Spezies) verglichen wurden, oder eben das Verhältnis Hirn- zu Körpermasse als maßgebliche Größe betrachtet wurde. Leider ist der Artikel in diesem Punkt sehr unklar.
taglöhner 02.11.2016
2.
Zitat von Zitrone!Es gab doch mal eine Studie, in der der Zusammenhang zwischen Intelligenz und Hirngröße untersucht wurde. Ergebnis war, dass nicht die Hirngröße entscheidend ist, sondern das Verhältnis Hirn- zu Körpergröße bzw. -gewicht. Innerhalb unterschiedlicher Tiergruppen (etwa: Hunde, Vögel, Primaten ...) ergab sich dafür also ein etwa linearer Zusammenhang. Dann war zu erkennen, dass intelligentere Tiere meist über dieser Geraden lagen, "dümmere" darunter. Insofern ist die Aussage im Artikel nur dann sinnvoll, wenn entweder nur etwa gleichschwere Tiere (einer Spezies) verglichen wurden, oder eben das Verhältnis Hirn- zu Körpermasse als maßgebliche Größe betrachtet wurde. Leider ist der Artikel in diesem Punkt sehr unklar.
Die angewandte Statistik (GLMM) kann das ganz gut auseinanderhalten. Einen Zusammenhang mit der Intelligenz wurde korrekterweise nicht hergestellt, denn leider wurde nicht herausgearbeitet, wie sich die Gewichtsunterschiede auf die Hirnareale verteilen. Der Umstand, dass das Alter der Vögel keine Rolle spielte legt aber für mich den Verdacht nahe, dass weniger die kognitiven als die motorischen und optischen Fähigkeiten hier selektiert werden.
r_dawkins 02.11.2016
3. @Zitrone
Satz zwei in dem Artikel: "...unabhängig von Größe, Art oder Geschlecht"
docmillerlulu 02.11.2016
4. Die Daten belegten zudem, dass männliche Tiere eher als weibliche abgeschossen werden.
Na ja - es gibt halt bei einigen Vögel einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus (oder wie das heißt). Da sehen die Geschlechter deutlich unterschiedlich aus, z. b. beim Fasan. Rein zufällig sagt sich der Jäger daß es vielleicht sinnvoll wäre nicht die Zuwachsträger - die Weibchen - abzuschießen. Entsprechend werden z. B. beim Fasan eher die Hähne geschossen. Weitere Vogelarten die hiervon betroffen sind wären Entenvögel (z. B. Stockente). Vielleicht müßte das bei dieser Behauptung noch einmal gegengecheckt werden. Ansonsten interessante These. Da Greifvögel auch einen geschlechtsspezifischen Größenunterschied haben (das Männchen wird Terzel / Drittel genannt) wäre dies zudem stark verzerrend. Nun haben wir aber die Jagd auf Greifvögel komplett eingestellt, somit wird man dazu keine Werte bekommen. Was auffällig ist, Gänse streichen oft in sehr unterschiedlichen Höhen vom Schlafgewässer ab. Oberhalb von 30 m ist eine Gans kaum noch zu schießen. Vielleicht hat es auch damit zu tun daß die Tiere mit größeren Gehirnen einfach nur 10 m höher fliegen. Sie sind damit für Jäger nicht zu erreichen. Es gibt halt einige Sachen bei solchen Erhebungen zu berücksichtigen, sonst fängt man sich dumme Fehler ein oder übersieht wichtige/interessante zusammenhänge.
hk416 02.11.2016
5. Eines bleibt fragwürdig
Da nicht auf alle Arten Jagd gemacht wird, ist es fragwürdig alle Arten für eine Auswertung hinzuzuziehen. Da ich selbst Jäger bin weiß ich, dass bestimmte Arten grundsätzlich geschont werden. Wenn z.B hauptsächlich Tauben gejagd werden aber z.B Amseln nicht und ich vergleiche 300 Tauben gegen alle anderen Arten, so würde herauskommen, dass nur Vögel mit großem Gehirn erlegt werden wenn z.B Tauben große Gehirne hätten. Diese Statistik darf angezweifelt werden.
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