Reaktion auf Fluglärm Der frühe Vogel fängt... den Partner

Nicht nur Menschen leiden unter Fluglärm, auch Vögel passen ihr Gesangsverhalten an. Sie fangen früher an zu zwitschern - um gegen den Turbinenlärm eine Chance zu haben.

Buchfink
picture alliance / dpa

Buchfink


In Einflugschneisen von Flughäfen singen Vögel nicht nur deutlich früher, manche verstummen bei hohem Lärmpegel sogar ganz. Das berichten Forscher vom Niederländischen Institut für Ökologie in Wageningen und dem Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen im Fachmagazin "Ecology and Evolution".

Die Wissenschaftler haben die Auswirkungen von Fluglärm auf das Gesangsverhalten von zehn Singvogelarten in zwei Waldgebieten am Flughafen Berlin-Tegel untersucht. Eines der Areale grenzt unmittelbar an den Flughafen. Dort starten und landen Flugzeuge von 06.00 Uhr bis 23.00 Uhr, im Mittel im Zweiminutentakt.

Die Forscher fanden heraus, dass sich die Lärmpegel in den beiden Waldgebieten vor dem Start des ersten Flugzeugs nicht unterscheiden. Allerdings beginnen Rotkehlchen, Amseln, Blaumeisen, Kohlmeisen und Buchfinken in unmittelbarer Nähe des Flughafens fünf bis zehn Minuten früher zu singen als ihre Artgenossen im etwas entfernter gelegenen Tegeler Forst.

Flughafen Berlin Tegel
DPA

Flughafen Berlin Tegel

"Schon kleine Unterschiede beim Beginn des Morgengesangs können zu großen Unterschieden beim Fortpflanzungserfolg der Tiere führen", sagt Studienleiter Henrik Brumm. Tatsächlich zeigten bereits andere Untersuchungen, dass früher singende Vögel mehr Paarungspartner finden und auch öfter Erfolg beim Fremdgehen haben. Die Forscher gehen davon aus, dass die Vögel ihr Gesangsverhalten an den Fluglärm anpassen.

Schallmessungen der Forscher ergaben, dass der tägliche Lärmpegel in dem Waldstück beim Flughafen um durchschnittlich 30 Dezibel höher lag als im Kontrollgebiet. Während der Starts und Landungen waren Lautstärken bis zu 87 Dezibel zu verzeichnen.

Das bleibt nicht ohne Folgen: So stellen Buchfinken in unmittelbarer Nähe der Landebahnen ihren Gesang völlig ein, wenn der Lärmpegel über 78 Dezibel steigt - und auch bei niedrigeren Lärmpegeln singen sie schon deutlich weniger. "Wenn man bedenkt, dass es jeweils rund 30 Sekunden gedauert hat, bis der Lärm wieder abebbte, geht den Vögeln während des täglichen Flugverkehrs ein Viertel der Zeit verloren, die sie zum Kommunizieren haben", so Brumm. In dem Fall lohne es sich tatsächlich, morgens schon früher damit anzufangen.

chs/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.