Neue Studie mit alarmierenden Zahlen Vogelarten sterben viel schneller aus als gedacht

Weil der Mensch Lebensräume zerstört, zwitschert und krächzt es immer seltener. Forscher sprechen bereits vom sechsten Massenaussterben auf unserem Planeten. Aber es gibt auch eine gute Nachricht.
Graupapagei (Psittacus erithacus): stark bedroht durch Wildtierhandel

Graupapagei (Psittacus erithacus): stark bedroht durch Wildtierhandel

Foto: Suhaimi Sulaiman/ Getty Images/ EyeEm

Ob mit dem Bau von Städten, der Errichtung von Industrieanlagen oder dem Bewirtschaften riesiger Landflächen: Der Mensch greift immer stärker in die Natur ein. Und das hat schwerwiegende Folgen für die Tierwelt.

Norwegische Forscher haben jetzt herausgefunden, dass Vogelarten fünfmal schneller aussterben als bislang angenommen. Die Wissenschaftler von der Universität Oslo berichten in den "Biology Letters"  der britischen Royal Society, dass die Arten bis zu ihrem Aussterben mittlerweile nur noch rund 3000 Jahre lang existieren - und damit deutlich kürzer als zuvor berechnet. Verglichen mit dem vormenschlichen Zeitalter verschwinden die Tiere laut der Studie sogar 1000 Mal schneller.

Die Erkenntnisse stützen die Ansicht vieler Wissenschaftler, dass auf der Erde das sechste Massenaussterben  begonnen hat. Anders als in früheren Erdzeitaltern sind dafür aber keine Naturkatastrophen die Ursache, sondern allein menschliches Handeln. Der Weltbiodiversitätsrat IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) warnte im vergangenen Jahr sogar davor, dass alle ökologischen Veränderungen zusammengenommen das Ende der Zivilisation bedeuten könnten.

Teydefink (Fringilla polatzeki), rechts im Bild: Stark gefährdete Vogelart auf der Insel Teneriffa

Teydefink (Fringilla polatzeki), rechts im Bild: Stark gefährdete Vogelart auf der Insel Teneriffa

Foto: Víctor Suárez Naranjo/ Getty Images/ iStockphoto

Derzeit finden sich auf unserem Planeten rund 11.000 Vogelarten. Viele von ihnen sind gefährdet, 187 Arten sind im Laufe der vergangenen 500 Jahre ausgestorben. Für ihre Studie analysierten die norwegischen Forscher die Rote Liste bedrohter Tierarten. Sie prüften, wie sich die Einstufung der Vogelarten zwischen 1988 und 2016 verändert hatte. 361 Arten wurden demnach "hochgestuft" - ihre Population war also geschrumpft und ihre Bedrohung hatte zugenommen.

Artenschutzprojekte wirken sich positiv aus

Der Klimawandel sei nicht die größte Gefahr für die globale Artenvielfalt, sondern die Zerstörung natürlicher Lebensräume durch menschliche Aktivitäten, argumentieren die Wissenschaftler. Gleichzeitig heben sie eine positive Nachricht hervor: Es habe sich gezeigt, dass Artenschutzprojekte einen signifikanten Effekt hätten. Mit diesen Bemühungen sei die Aussterberate um knapp 40 Prozent verringert worden.

Erst Anfang Februar hatte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) neue Daten zum Vogelbestand in Deutschland präsentiert. Demnach sank die Zahl der Brutvögel hierzulande zwischen 1992 und 2016 um 14 Millionen - das entspricht einem Rückgang um acht Prozent. Vor allem die Zahl der Feldvögel sei geschrumpft. So hätten etwa die Bestände von Rebhuhn und Kiebitz seit 1992 um fast 90 Prozent abgenommen.

jki/dpa