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13. November 2016, 18:24 Uhr

Vogelgrippe in Deutschland

Wie tötet man 30.000 Hühner?

Wegen der Geflügelpest müssen in Schleswig-Holstein Tausende Hühner sterben. Das Keulen dauert die ganze Nacht, Helfer töten die Tiere in einem Wasserbad.

Nach dem Nachweis von H5N8-Viren werden in Schleswig-Holstein die Hühner einer Massentierhaltung getötet. 30.000 Tiere eines Hofs bei Schleswig sind betroffen. Zur Tötung werde ein unter Strom gesetztes Wasserbad eingesetzt, erklärte Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).

Die Keulung wird bis in die frühen Morgenstunden des Montags dauern. Anschließend sollen die Kadaver in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt vernichtet werden.

In dem Zuchtbetrieb für Bruteier in Grumby bei Schleswig hatte das nationale Referenzlabor zuvor die hochansteckende H5N8-Variante nachgewiesen. Die Tiere werden vorsorglich getötet, um eine Weiterverbreitung der Viren zu verhindern.

Keine Gefahr für Menschen

Der Betrieb ist bundesweit die erste Massentierhaltung, die von der aktuellen Vogelgrippe-Epidemie betroffen ist. Der Erreger gilt - im Unterschied zu H5N1-Viren - als ungefährlich für Menschen, ist aber eine erhebliche Bedrohung für Hausgeflügel.

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck nannte die Situation besorgniserregend. "Wir können nach wie vor nur hoffen, dass dies ein Einzelfall ist."

Dass das Virus in einen geschlossenen Betrieb gelangte, sei "sehr, sehr erstaunlich", sagte er im NDR. Die Hühner dort seien eigentlich nur durch eine Lüftungsanlage mit der Außenwelt verbunden. Nun müssten die Experten vom Friedrich-Löffler-Institut klären, wie es zur Infektion kam.

Die ersten Ausbrüche bei Hausgeflügel waren am Freitag bei zwei weitaus kleineren Höfen in der Nähe von Lübeck sowie in Mecklenburg-Vorpommern gemeldet worden.

Neuer Verdachtsfall in Sachsen

Seit Sonntag gibt es in Sachsen einen ersten Vogelgrippe-Fall. Eine am Freitag am Cospudener See bei Leipzig gefundene Wildente habe den H5-Virus, sagte ein Stadtsprecher. Das hätten erste Untersuchungen ergeben. Ob es sich dabei jedoch um den aggressiven Typ H5N8 handle, sei noch unklar.

Auch in Schleswig-Holstein ist mit dem Herzogtum Lauenburg ein weiterer Kreis von der Vogelgrippe bei Wildvögeln betroffen.

Angesichts der Ausbreitung der Vogelgrippe berief Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) den Zentralen Krisenstab Tierseuchen ein. In einer ersten Sitzung wurde ein bundesweit einheitliches Vorgehen zum Schutz vor der Geflügelpest beschlossen.

Reicht Stallpflicht aus?

Es solle überall dort die Stallpflicht für Geflügel angeordnet werden, wo die Wahrscheinlichkeit eines Eintrages der hochansteckenden H5N8-Variante hoch ist, teilte das Ministerium mit. "Das sind insbesondere Feuchtgebiete, Rastgebiete von Zug- und Wildvögeln, aber auch Gebiete mit einer hohen regionalen Dichte von Geflügelbetrieben." Mit den Stallpflicht-Zonen soll eine Ansteckung über Kot oder verunreinigtes Wasser verhindert werden.

Dem Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) wäre eine bundesweite Stallpflicht für Geflügel am liebsten. "Wir müssen schneller sein, als sich das Virus ausbreitet", erklärte ZDG-Vizepräsident Friedrich Otto Ripke.

Erstmals war die H5N8-Variante der aktuellen Epidemie in Deutschland am 8. November bei verendeten Wasservögeln in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden. Europaweit wurden aus mindestens sieben Ländern Geflügelpest-Nachweise bei Wildvögeln oder in Geflügelbeständen gemeldet.

Zuletzt waren H5N8-Viren im Winter 2014/2015 in Geflügelmastbetrieben in Deutschland, Großbritannien, Italien und in den Niederlanden aufgetreten. Sie waren vermutlich über Wildvögel in die Ställe gelangt.

hda/dpa

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