H5N8-Viren Vogelgrippe in Schleswig-Holstein nachgewiesen

Der Verdacht hat sich bestätigt: Mehr als 200 Vögel in Schleswig-Holstein sind an einer Infektion mit H5N8-Viren gestorben. Das Land hat vorsorglich eine Stallpflicht für Geflügel angeordnet.

Bergung toter Vögel am Großen Plöner See
DPA

Bergung toter Vögel am Großen Plöner See


Virologen haben in Schleswig-Holstein den Vogelgrippe-Erreger des Subtyps H5N8 an toten Wildvögeln nachgewiesen. Die Tiere waren an mehreren Seen bei Plön verendet. Das hat das für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut am Dienstag bestätigt. Weitere Verdachtsfälle aus Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg (Bodensee) würden derzeit untersucht.

"Das akute Krankheitsgeschehen bei den Wildvögeln ist in dieser massiven Ausprägung besorgniserregend", sagte Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Es handelt sich um eine Geflügel stark krankmachende Variante, die deswegen auch Geflügelpest genannt wird. Als Vorsichtsmaßnahme ordnete Habeck eine Stallpflicht für Geflügel wie Hühner, Puten oder Gänse im Bundesland sowie Sperr- und Beobachtungsgebiete an.

Im Kreis Plön richtet das Veterinäramt einen Sperrbezirk von mindestens drei Kilometern und ein Beobachtungsgebiet von mindestens weiteren sieben Kilometern um die Fundstellen der Wildvögel ein.

Zwei Schwäne und eine Ente auf dem Großen Plöner See (08.11.2016)
DPA

Zwei Schwäne und eine Ente auf dem Großen Plöner See (08.11.2016)

Seit dem Wochenende wurden mehr als 200 tote Vögel im Großen Plöner See und angrenzenden Seen entdeckt. Laut Umweltministerium handelt es sich überwiegend um gut genährte Reiherenten.

Ebenfalls betroffen sind unter anderem Schwäne, Gänse, Möwen und Blässhühner. Am Dienstag bargen mit Mundschutz und Gummihandschuhen geschützte Mitarbeiter der örtlichen Stadtwerke etwa 50 weitere Kadaver.

H5N8-Viren waren im Winter 2014/2015 in Geflügelmastbetrieben in Deutschland, Großbritannien, Italien und in den Niederlanden aufgetreten. Sie waren vermutlich über Wildvögel in die Ställe gelangt.

In den vergangenen Monaten waren Erreger dieses Subtyps bereits in Russland, Indien, Ungarn und zuletzt an der deutsch-polnischen Grenze in der Nähe von Stettin (Szczecin) nachgewiesen worden. Von dort sind es immerhin 500 Kilometer bis Plön.

Das polnische Veterinäramt schloss einen Zusammenhang zu den nun in Norddeutschland entdeckten Vogelgrippe-Fällen nicht aus. Das Ausbreiten der Erreger durch Zugvögel sei nicht zu kontrollieren.

Der Vogelgrippe-Erreger vom Subtyp H5N8 ist glücklicherweise nicht auf den Menschen übertragbar. Das unterscheidet ihn von H5N1-Viren, die ebenfalls die Geflügelpest auslösen. An Infektionen damit waren nach den mehrfachen Ausbrüchen der Krankheit ab 1997 mehrere hundert Menschen weltweit gestorben. Die meisten Todesopfer gab es in Ägypten, Indonesien und Vietnam.

hda/dpa



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